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„Um dem Leben einen Sinn zu geben, braucht man das Recht sich frei bewegen zu dürfen!“ –

Eine Retrospektive auf den zweiten de:kolonial Film- und Diskussionsabend über Machtungleichheit und Widerstand in der Migrations- und Sicherheitspolitik Die Podiumsteilnehmer*innen in der Diskussion, von links nach rechts: Regisseurin Leïla Saadna, Moderatorin Julia Baumann, Soziologe Dr. Olaf Tietje und Mariana Karkoutly vom Kollektiv Polylog; Foto: Susanne Kappe. Ich hoffe darauf ein Vogel zu werden, um über die Häuser zu fliegen… Oh, liebste Mutter, das Exil betrübt mich! Ich hoffe darauf ein Mond zu werden, um über den Wolken zu fliegen… Seine Liebsten sehen, sie ihren Schmerz vergessen lassen. Oh, liebste Mutter! Das Exil tötet mich“, singt Nadia Ammour auf Tamaziɣt, der Sprache der Berber in „Hinter dem Meer (Originaltitel مور البحر (Mor Lebhar), 2017). Sie singt vom Schmerz der Sehnsucht und der Einsamkeit, vom Vermissen und von der Liebe zu den Zurückgelassenen. Enttäuschte Träume Leïla Saadna erforscht in ihrem Film genau diese Gefühle weiter und erzählt die Geschichten von vier Protagonist*innen, von ihrem Weg nach Europa, ihrer Suche nach Freiheit und Würde, ihren Erfahrungen, von Enttäuschung und Not angesichts der erbarmungslosen Einwanderungsgesetze. „Menschen, die migrieren haben meist zunächst ein sehr idealistisches Bild von Europa, als einen Platz des Friedens, an dem sie arbeiten können und gut leben können – ich fand es sehr interessant, auch einmal diese Seite zu zeigen: Von Menschen zu erzählen, die sich mit diesem Bild bereits selbst auseinandergesetzt haben und enttäuscht wurden“, so Saadna über ihr Werk. Knackpunkt sei, so die Regisseurin udn bildenen Künstlerin aus Algier, dass Algerien, das Herkunftsland aller Protagonist*innen nur ein sehr entbehrungsreiches Leben bieten könne: „Menschen wollen Unabhängigkeit“, erklärt sie angelehnt an das Motto der algerischen Proteste der letzten Monate weiter „und, um dem Leben einen Sinn zu geben, braucht man das Recht, sich frei bewegen zu dürfen!“. Die Motivation überhaupt nach Europa zu migrieren, stellt auch Dr. Olaf Tietje fest, liege selten ausschließlich in wirtschaftlichen Gründen oder an sogenannten „push-“ und „pull-“ Faktoren. Es gehe doch mehr um ein „Leben in Würde und Respekt“ und die Erfüllung von Zukunftswünschen und Träumen, so der Soziologe und wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Kassel. Die Bezeichnung „Wirtschaftsmigrant*innen“, die rein eine bloße wirtschaftliche Verbesserung der Lebensumstände suchten, sei deshalb so waren sich alle Podiumsteilnehmer*innen einig, wesentlich zu kurz gedacht. Ganz im Gegenteil stellt Tietje fest, würden Menschen nach der Migration häufig noch viel schlechtere Verhältnisse als in ihrem Heimatland vorfinden: „Die Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, haben auch in Spanien, also in Europa, nicht dieses respektvolle, menschenwürdige Leben gefunden, von dem sie einst träumten. Gerade in Südspanien vor dem Hintergrund der Entwicklungen nach der Finanzkrise 2008 und den Folgejahren etwa werden Migrant*innen wesentlich schlechter bezahlt als in ihren Heimatländern. Wir sprechen hier von etwa vier Euro in der Stunde bei einer sieben Tage Woche und einem 12-Stunden-Tag. Viele arbeiten in staatlich verordneter Illegalität, viele haben keine Chance auf Papiere. Diese Situation führt natürlich dazu, dass die Menschen auf der Suche nach einem echten Leben weiterwandern, etwa nach Deutschland. Die meisten jedoch, mit denen ich gesprochen habe, wollten wieder zurück“. Das sexualisierte migrantische Selbst im Spiegel einer politischen Doppelmoral In ihrer politischen Analyse kritisiert Regisseurin Saadna während des zweiten de:kolonial Film- udn Diskussionsabends am 14. August 2019 vor allem eine starke Doppelmoral im Auftreten der deutschen Bundesregierung in Nordafrika: „Wir wissen doch, dass sie Interesse an unserem Gas und unserem Öl und im Waffenhandel dort haben!“. Die „Afrika-Reise” der Bundeskanzlerin 2018, in der sie auch Algerien besuchte, sieht sie kritisch. Auf der einen Seite hätte man viele nordafrikanische Länder als sogenannte „sichere Herkunftssaaten“ deklariert, auf der anderen Seite würden Menschenrechtsverletzungen angemahnt. „Wir hatten zwanzig Jahre Diktatur – immer mit der Unterstützung von Europa“, prangert sie an. Gleichzeitig würden Deals mit korrupten und diktatorischen Regierungen geschlossen, die die migrierenden Algerier*innen an der Ausreise nach Europa hindern sollten. Nordafrikanische Migrant*innen würden außerdem stilisiert als “Nafri-Kriminelle”, "Machos mit dem Potenzial zur andauernden sexuellen Belästigung der weißen Frau". Dies sei aber nichts neues und etwa auch schon in den 1990er Jahren in Deutschland abzulesen gewesen, so die Künstlerin. Der größte Teil der „Willkommenskultur“ in Deutschland bestehe auch heute aus Ehrenamtlichen, stimmt der Soziologe Tietje zu: „Wir sprechen hier nicht vom Staat und auch nicht von der ganzen deutschen Gesellschaft!“ Im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten habe sich damit nicht viel getan, das sehe man etwa auch an Wortwahl und den vorherrschenden Diskursformen. Gerade im Bezug zu Gender, profitiere man hier meist von einer vorurteilsbelasteten Grenzziehung einer normativen Dualität: „Wir sprechen über sie und nicht über uns. Ich denke aber, die deutsche Gesellschaft ist genauso sexistisch wie jede andere Gesellschaft. Migrantische Frauen werden jedoch häufig generell als „Opfer“ viktimisiert und migrantische Männer generell als Täter deklariert – dies ist auch nur ein anderer Versuch, migrantische Praxen zu regeln und einzuschränken“. Gleichzeitig jedoch, betont die Aktivistin Mariana Karkoutly vom Kollektiv Poylog udn Adopt a Revolution, die selbst aus Syrien nach Deutschland kam, unter Zustimmung des Podiums, gebe es durchaus Erfahrungen zwischen Flucht und Ankommen, die explizit „weiblich“ oder „männlich“ seien. Die Regisseurin Saadna fügt an, dass Migration an sich in einer Gesellschaft mit einer hochgradig genderabhängigen Rollenverteilung, wie etwa in Algerien, oft Männer-Sache bliebe: „Es ist das, was ich „die andere Seite des Exils“ genannt habe und was oft im Verborgenen bleibt“, sagt sie. Ganz im Sinne Tietjes betont sie weiter, sehe man etwa sehr gut am Beispiel der „Kölner Silvesternacht 2015“, wie solche Ereignisse politisch genutzt würden, um restriktive und migrationseinschränkende Maßnahmen zu legitimieren. Sehr spannend sei, fügt sie an, dass „der männliche Migrant“ in Europa oft in Verbindung mit einer extremen Sexualisierung abwertend betrachtet würde. Von Ankommen und Bleiben in einer Gesellschaft der Verurteilung Karkoutly, Teil des Kollektiv Polylog, sieht gerade deshalb im Umgang mit den Migrant*innen eines der größtes Probleme. In den Heimen, so erzählt sie, lebten nicht nur Menschen mit sehr unterschiedlichen Motivationen und Hintergründen zusammen, sondern die deutsche Migrationspolitik und die sehr unterschiedliche Privilegien- und Statusverteilung führe automatisch zu einer Hierarchisierung von Geflüchteten innerhalb der eigenen Gruppe. Dadurch werde das Bild des „guten“ und des „schlechten“ Flüchtlings erst kreiert. Selbst wenn man eine Chance zu Bleiben und einen Aufenthaltstitel erhalte, die Sprache erlernt und eine Arbeit gefunden habe, sei dies immer zeitlich begrenzt auf ein paar Jahre: Die Angst zurückgehen zu müssen, abgeschoben zu werden aber bleibt. Man müsse bei der Diskussion bedenken, wie solche Strukturen, wie etwa die Festung Europa entstünden, pflichtet Tietje bei. Flüchtlingslager in Deutschland seien etwa oft weit ab in der Peripherie und an Stadträndern gelegen. In den Lagern selbst gäbe es große Unterschiede. Viele Menschen dort könnten die Heime etwa aufgrund von mangelnder Infrastruktur nicht verlassen, manche hätten nicht einmal Zugang zu einer adäquaten Rechtsberatung. Man müsse sich bewusstwerden, dass diese Zustände inmitten von Europa, inmitten von Deutschland existierten. Welche Auswirkung dieser Zustand auf Geflüchtete und ihren Alltag haben kann, zeigte etwa auch die Foto-Ausstellung „Gefangene einer verlorenen Zeit“, die ebenfalls während des Abends zu sehen war. Die von Geflüchteten selbst aufgenommenen Bilder zeigten deutlich die Lebensumstände und Herausforderungen, denen sie sich gerade auch im ländlichen Raum abseits gesellschaftlicher Teilhabe zu stellen haben: Etwa dem Leben im Heim auf dem Land mit schlechter Anbindung, in engen Mehrbettzimmern ohne Internet oder Funkempfang, den oftmals langen Wartezeiten in einem unübersichtlichen und häufig unfairen Asylverfahren sowie dem stark fremdbestimmend strukturierten Alltag in den Unterkünften. Diesen Zustand des ewigen Wartens in einer Zwischenwelt beschrieben viele der Geflüchteten der Initiatorin Julia Baumann als „gefangen sein in einer verlorenen Zeit“. Ein „Ankommen“ werde durch diese Politik fast unmöglich gemacht so Karkoutly; ein Sprachkurs oder eine Arbeitsstelle reiche dafür auf keinen Fall aus – wesentlich wichtiger sei es jedoch in einem Land Zukunftsperspektiven zu haben. Vor allem der Begriff der Integration sei hier kritisch zu beleuchten, ist sich das Podium auf Nachfrage aus dem Publikum einig: Hinter dem Konzept stecke doch, so Karkoutly, die Idee, dass alle Menschen in Deutschland gleich seien und nun eine Gruppe neuankommende Andersartige integriert werden müssten. „Aber so ist es natürlich nicht – die Menschen, die hier leben und die Menschen die kommen sind alle sehr unterschiedliche auf einem individuellen Level“, so die Aktivistin. Für sie sei Integration deshalb ein „verfluchtes Wort“ so führt Saadna weiter aus: „Es ist die Aufgabe des Staates nicht der Menschen, das zu machen. Ich würde es gerne durch Partizipation ersetzen.“ „Die meiste Zeit sprechen wir in Deutschland nicht über Integration, sondern über Assimilation“, so pflichtet auch Tietje seinen Vorrednerinnen bei. Hier entschieden viele Menschen über das Schicksal anderer, die kaum Möglichkeiten zur Partizipation in der Gesellschaft hätten. Gerade das Recht zu wählen sei hier essenziell, so die einstimmige Meinung im Podium. Diese sehr frustrierende Situation sei jedoch keinesfalls auf Ewigkeiten festgeschrieben betont Karkoutly die Handlungsmacht des Einzelnen: „Wenn wir gemeinsam aufstehen und Nein zu dem sagen, was hier gerade passiert, können wir etwas bewirken – aber wir müssen es zusammen tun!“ Es diskutierten am 14. August 2019 im Aquarium am Südblock: Leïla Saadna, Regisseurin und Video-Künstlerin aus Algier; Dr. Olaf Tietje, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Verbundprojekt „Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland“ der Universität Kassel; Mariana Karkoutly, Mitglied des Kollektiv Polylogs und Projektkoordinatorin bei „Adopt a Revolution“ unter der Moderation von Julia Baumann. Leïla Saadna; Foto: Susanne Kappe. Dr. Olaf Tietje; Foto: Susanne Kappe.Mariana Karkoutly; Foto: Susanne Kappe.Diskussion unter Einbeziehung des zahlreichen Publikums im Aquarium am Südblock während des 2. 14km de:kolonial Film- und Diskussionsabends; Foto: Susanne Kappe. Alle hier vorliegenden direkten und indirekten Zitate wurden von der Autorin vom Englischen ins Deutsche übersetzt und sinngemäß gekürzt. Der Film- und Diskussionsabend der Reihe 14km de:kolonial wurde gefördert von:


2. de:kolonial Film- und Diskussionsabend

Machtungleichheit und Widerstand in der Migrations- und Sicherheitspolitik Ort und Zeit: 14. August 2019, 19 Uhr, Aquarium am Südblock (U Kottbusser Tor, Skalitzer Str. 6, 10999 Berlin) zum Facebook-Event Filmvorführung "Hinter dem Meer" (2017) von Leïla Saadna (OmU Arabisch mit deutschen Untertiteln)Ausstellung "Gefangene einer verlorenen Zeit" - Photo-Voice Projekt mit Deutschen und Geflüchteten in Berlin und BrandenburgPodiumsdiskussion und anschließende Publikumsbeteiligung mit Leïla Saadna, Dr. Olaf Tietje und Mariana Karkoutly (an english translation will be provided) Am zweiten Film- und Diskussionsabend unserer Reihe 14,4km de:kolonial wollen wir der Fragestellung nachgehen: Wie wirkt sich europäische Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik in den Ländern der MENA-Region sowie auf die hier lebenden Migrant*innen aus, und wie gehen diese damit um? Vor dem Hintergrund europäischer Migrations- und Sicherheitspolitik gegenüber der MENA-Region, Rückführungsabkommen, Remittances sowie der Definition sicherer Herkunftsstaaten soll in der Diskussion über die Situation von Migrant*innen in Europa gesprochen werden. Wie schlagen sich neo-koloniale Machtverhältnisse zwischen Europa und Ländern der MENA-Region in der europäischen Migrations- und Sicherheitspolitik nieder? Welche Konsequenzen hat dies für Migrant*innen, und wie gehen sie damit um? Welche Formen des Widerstands, welche alternativen Perspektiven und Politikansätze gibt es? Der Film "Hinter dem Meer" porträtiert vier Algerier*innen, die nach Aufenthalten in ihre Heimat zurückgekehrt sind oder abgeschoben wurden, und thematisiert sowohl das Leben von Migrant*innen in Deutschland und Frankreich als auch die Gründe für das Verlassen des Landes. Die Foto-Ausstellung "Gefangene einer verlorenen Zeit" spürt Gemeinsamkeiten und Unterschieden im alltäglichen Erleben von Geflüchteten und Neuankommenden sowie Alteingesessenen fotografisch nach. In der Podiumsdiskussion diskutieren Expert*innen zum Themenfeld: Leïla Saadna, Regisseurin und Video-Künstlerin aus Algier; Studium der Bildenden Künste in Paris; Dokumentarfilmprojekte weltweitDr. Olaf Tietje (Uni Kassel), Wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Verbundprojekt "Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland" - Fachgebiet Soziologie der Diversität Mariana Karkoutly (Kollektiv Polylog/Adopt a Revolution), Mitautorin des Buches "Das ist meine Geschichte" (Unrast Verlag 2019), Mitarbeit bei ECCHR (European centre for constitutional and human rights) und Projektkoordinatorin bei "Adopt a Revolution".Moderation: Julia Baumann (Projektkoordinatorin für 14,4 km e.V., Sozial- und Kulturanthropologin und Initiatorin von "Gefangene einer verlorenen Zeit") Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt (an english translation can be provided). Die Veranstaltung ist frei, wir bitten um einen Solibeitrag auf Spendenbasis. Mit der Unterstützung von:


Was ist eigentlich gefährlicher Rassismus?

Bericht zum 1. de:kolonial Film-und Diskussionsabend

Am 10. Juli fand unser erster de:kolonial Film- und Diskussionsabend zum Thema "White Supremacy" und strukturellem Rassismus in Deutschland statt. Der Abend bot eine lehrreiche und unterhaltsame Diskussion und die Gelegenheit, das eigene Bewusstsein für Machtungleichheit, Privilegien und versteckten Rassismen zu schärfen. Zu Gast waren die Expert*innen Musa Okwanga (Autor, Journalist und Musiker), Mo Maureen (Veranstalterin, Musik Consultant und Gruenderin von Songversation) und Tahir Della (Vorstand der ISD und Aktivist). Zum Einstieg zeigten wir den Film Afro.Deutschland (2017) der Regisseurinnen Jana Parageis, Susanne Lenz-Gleißner und Adama Ulrich. Der Film thematisiert den Rassismus, den Schwarze Menschen in Deutschland erleben – Schwarze Deutsche sprechen von ihren Lebensrealitäten mit Ausgrenzung und Diskriminierung. Die Referent*innen teilten eigene Erfahrungen, die sie mit Rassismus gemacht haben, mit dem Publikum und gingen auf Unterschiede zwischen England und Deutschland in diesem Bereich ein. Vor allem wurde es unterhaltsam, als sich die Referent*innen darüber austauschten, wie sie persönlich mit rassistischen Vorfällen umgehen. Of course he wouldn’t dare to say it’s because I’m black, so I asked him why we dont ask other people for drugs together Musa Okwanga "Several times I randomly got asked if I had drugs", erzählte Musa Okwanga. "This one time I asked the guy why he would think I had drugs. Of course he wouldn’t dare to say it’s because I’m black, so I asked him why we dont ask other people for drugs together . So I shouted 'Hey anyone here got drugs for this person?'”. Das Podium mit Referent*innen Musa Okwanga, Mo Maureen, Tahir Della und Moderatorin Maissa Lihedheb (2. v. li.) Der Schlüsselsatz des Abends war: Der gefährliche Rassismus - das sind nicht nur die Menschen, die rassistische Äußerungen von sich geben. Das sind auch die, die nichts Rassistisches sagen, aber rassistisch handeln. So kritisierte Tahir Della etwa das Humboldt Forum, das Millionen für die Renovierung zahle, um “Schätze” aus der deutschen Kolonialzeit zu präsentieren, anstatt das Geld bei denjenigen zu investieren, denen diese gestohlenen sogenannten “Schätze” in Wirklichkeit gehörten. Der Abend war der erste in unserer de:kolonial Film- und Diskussionsreihe, in deren Rahmen noch bis November monatlich Veranstaltungen stattfinden (einen Überblick über alle Termine gibt es hier). Die weiteren Abende beschäftigen sich mit den Beziehungen zwischen Europa und der Region des Mittleren Ostens und Nordafrika und behandeln Machtungleichheit und Widerstand in Migrations- und Sicherheitspolitik, White Saviourism sowie Neokolonialismus in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen . Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch:


Einladung zum Auftakt der 14km de:kolonial Film-und Diskussionsreihe

Abend 1: Themenkomplex Rassismus in Deutschland Mittwoch, 10. Juli 2019, 18:30 Uhr Filmrauschpalast Moabit, Lehrter Straße 35, 10557 Berlin Am ersten Abend unserer neuen Film- und Diskussionsreihe 14km de:kolonial beschäftigen wir uns mit Deutschland als Einwanderungsland mit Kolonialisierungsgeschichte und der Frage, wie Gesellschaft postkolonial gestaltet werden kann. Zum Einstieg zeigen wir den Film Afro.Deutschland (2017) von Jana Pareigis, Journalistin und TV-Moderatorin. Der Film thematisiert den Rassismus, den schwarze Menschen in Deutschland erleben - schwarze Deutsche sprechen von ihren Lebensrealitäten mit Ausgrenzung und Diskriminierung. In der anschließenden Film- und Podiumsdiskussion wollen wir mit den Referent*innen Tahir Della (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., glokal e.V.), Anna Dushime (Journalistin, Podcast Hart Unfair) undMusa Okwanga (Journalist u.a. für The Guardian) über ihre eigenen Erfahrungen sprechen und unser Publikum herzlich zur Beteiligung einladen. Mögliche weitere Diskussionsthemen sind strukturelle Formen von Rassismus in Deutschland und ihr Zusammenhang mit einer langen Geschichte des Glaubens an eine "White Supremacy", intersektionelle Diskriminierungen, der aktuelle (anti)rassistische Diskurs in Deutschland und die Frage, wie wir selbst gegen Rassismus und Diskriminierung eintreten können oder sollten. Die Diskussion wird auf Deutsch und Englisch stattfinden. Hier geht's zum Facebook-Event, wo wir ggf. aktuelle Infos zum Abend posten. Das Programm zu unserer gesamten Film- und Diskussionsreihe 2019 finden Sie hier.


Zwischennotiz aus Tunis

Jennifers Bericht nach den ersten Tagen in Tunesien

Jennifer meldet sich aus Tunesien von ihrem Praktikum beim Arab Institute for Democracy (AID)


Projektkoordinator*in gesucht: Film- und Diskussionsreihe “14km de:kolonial”

Projektkoordinator*in Film- und Diskussionsreihe "14km de:kolonial"

Wir suchen vom 17.06.2019 bis 31.12.2019 (6,5 Monate) für unsere Film- und Diskussionsreihe “14km de:kolonial” eine/n Projektkoordinator*in auf Honorarbasis. 14,4km e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der Kooperation und Austausch zwischen Europa und Nordafrika/dem Nahen Osten (MENA-Region) fördert, Wissen über die MENA-Region vermittelt und Menschen aus beiden Regionen zusammenbringt. Die Film- und Diskussionsreihe “14km de:kolonial” thematisiert das Verhältnis zwischen Europa und MENA aus postkolonialistischer Perspektive. Hierzu werden ausgewählte Aspekte der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen kritisch beleuchtet und problematisiert, um den Nachwirkungen und dem Fortbestand kolonialistischer Strukturen und Denkweisen in diesen Beziehungen nachzuspüren. Dafür suchen wir eine/n Projektkoordinator*in auf Honorarbasis. Aufgabenbeschreibung Vorbereitung, Organisation und Koordination von 4 Abendveranstaltungen (Filmvorführung mit Diskussion)Konzeption, Durchführung und Dokumentation von 4 Expert*inneninterviewsVerfassen einer Handreichung für Freiwilligendienste auf Basis einer Abendveranstaltung Konzeption und Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit für das ProjektDokumentation der Projektergebnisse auf unserer WebseiteAbrechnung des Projekts und Erstellung der Abschlussberichte an die GeldgeberOptional: Bei entsprechender Eignung kann auch die Moderation der 4 Veranstaltungen von der Projektkoordination übernommen werden; diese wird separat vergütet. Die Tätigkeiten erfolgen in Absprache mit und mit inhaltlicher Unterstützung durch den Vereinsvorstand. Voraussetzungen Erfahrung in Projektmanagement und VeranstaltungsorganisationKenntnisse zu Konzepten wie Postkolonialismus, Neokolonialismus, Critical Whiteness, Rassismus, White SaviourismRegionalkenntnisse zur MENA-Region und/oder AfrikaGewissenhaftigkeit, VerlässlichkeitSehr gute EnglischkenntnisseKontakte zu kritischen NROs, Forschungseinrichtungen und anderen Institutionen sind von Vorteilggf. Moderationserfahrung (s.o.) Die Vergütung  aus Projektfördermitteln erfolgt auf Honorarbasis, geplant sind durchschnittlich ca. 40h/Monat zu einem Stundenlohn von 13,75 €. Arbeitsort ist Berlin. Wir freuen uns besonders über die Bewerbung von Menschen mit internationaler Geschichte und von Menschen mit Behinderung. Bitte richtet eure Bewerbung bis zum 02.06.2019 an info@14km.org.


“Herzensgute Menschen und wundervolle neue Freunde”

Praktikumsbericht von Pia bei Chantiers Sociaux Maroccain

Zuallererst اﻟﺳﻼم ﻋﻠﯾﻛم (as-salāmu ʿalaikum)! Das ist Arabisch und heißt ,Der Friede sei mit Dir/Euch’ und wird in Marokko zur Begrüßung gesagt :-) Zuerst möchte ich mich kurz vorstellen, bevor ich ein bisschen über meine Zeit als Freiwillige in Marokko erzählen möchte. Ich bin Pia, bin 19 Jahre alt und habe im März diesen Jahres mein Abi gemacht. Mein Wunsch war es schon lange, nach meiner Schulzeit ein soziales Projekt im Ausland zu unterstützen. Ehrlich gesagt habe ich aber erst sehr spät angefangen, mich über verschiedene Möglichkeiten, Zeit im Ausland zu verbringen, zu informieren. Umso glücklicher war ich, als ich auf ,,14-km” gestoßen bin, und die Vermittlung zu der marokkanischen Partnerorganisation ,CSM’ (Chantier Sociaux Maroccain) erfolgreich war! Ich hatte nun die Möglichkeit, mir ein Projekt auszusuchen, in dem ich als Freiwillige für 2 Monate mitarbeiten dürfte. Ich war mir sicher, dass ich gerne Zeit mit Kindern verbringen und einige Erfahrungen in diesem Bereich sammeln möchte und entschied mich daher für ein Praktikum im ,Lalla Meryem Centre’ in Rabat, der Hauptstadt Marokkos. Das Centre ist ein Kinderheim, wo sich neben Waisen auch um behinderte Kinder jeden Alters gesorgt wird. Nachdem ich abends am 30. April gut in Marokko angekommen bin und herzlich von meiner Gastfamilie empfangen wurde, habe ich den nächsten Tag dazu genutzt, meine neue Heimat ein bisschen zu erkunden; weil es super schwierig ist all die verschiedenen Eindrücke kurz zusammenzufassen, glaube ich, dass ein paar Bilder es am allerbesten schaffen diese ,,andere Welt” auch kurz vorzustellen, worauf ich am Ende noch einmal eingehe. :) Dienstag, der 2. Mai, war für mich dann der Tag, an dem ich nun endlich mein Projekt kennenlernen durfte. Ich war sehr gespannt was mich erwartet und freute mich umso mehr, morgens Hamid, den Leiter von CSM, in der Stadtmitte treffen. Er zeigte mir den Weg zu meinem Projekt und stellte mich dort Zakaria, dem Leiter des Centers vor. Zakaria zeigte mir die verschiedenen Häuser, in denen jeweils unterschiedliche Altersklassen untergebracht sind, die einzelnen Räume und den Garten, sodass ich einen guten ersten Überblick bekommen konnte. Nach unserem Rundgang durfte ich mir nun aussuchen, in welchem Haus ich am liebsten helfen wollte. Alle Erzieherinnen oder besser ,Mamas’ , wie sie von den Kindern genannt werden, denen wir auf unserem ersten Rundgang begegneten, waren super freundlich, doch ich merkte schnell, dass entgegen meinen Vorstellungen so gut wie niemand des festangestellten Personals Englisch sprach. Da ich weder Französisch noch Arabisch verstehen noch sprechen konnte, was hier die geläufigen Sprachen sind, entschied ich mich, mich mit um die jüngsten Kinder zu kümmern, da ich der Meinung war, dass ich auch ohne die gleiche Sprache zu sprechen, mit ihnen sehr gut kommunizieren und jede Menge Spaß haben kann, was sich zu meiner Erleichterung auch ganz schnell bestätigte. Ein glücklicher Zufall war für mich außerdem, Meryem kennenzulernen, eine Referendarin, die halb Marokkanerin, halb Deutsche ist, und genau wie ich auch in diesem Haus mitarbeitete und mir einiges erklären konnte, da sie einerseits schon zwei Monate in dem Projekt verbracht hat und somit die Arbeit und die Kinder schon sehr gut kennengelernt hatte und andererseits schon erfolgreich ihre Ausbildung zur Erzieherin in Deutschland absolviert hat. In den folgenden Tagen habe auch ich einen sehr guten Einblick in den Alltag in ,Lalla Meryem’ bekommen. Dieser ist grundsätzlich immer ähnlich, aber dennoch bringt jeder Tag neue Aufgaben, Eindrücke und Erfahrungen mit sich, wie sich bald zeigte. Ich denke es ist ganz interessant, wenn ich nun einfach mal ein bisschen aus dem Alltag erzähle, den ich miterlebt habe, damit auch ihr einen guten Eindruck von diesem Projekt bekommen könnt :) Von Zakaria hatte ich erfahren, dass ich von Montag bis Freitag, jeweils von 9:00 bis 14:00 Uhr dort sein sollte. Also startete mein Tag um 9:00 Uhr: As ich die Tür des Centres öffne, begrüßt mich der Pförtner freundlich: ,Bonjour Mademoiselle!’ Auch ich grüße ihn freundlich und lasse mir von meinen nicht vorhandenen Französischkenntnissen nichts anmerken. Mittlerweile kenne ich mich gut aus und mache mich auf den Weg zu ,meinen Kindern’, doch oft werde ich schon auf dem Weg dorthin von einigen Kindern, die auf dem Weg zur Schule oder zum Kindergarten sind, freudig begrüßt. Manchmal bekomme ich auch direkt ein paar Kinder von einer ,Mama’ in die Hand gedrückt und bringe sie dann zum Kindergarten, der sich ebenfalls auf dem Gelände des Centers befindet. Wenn ich sie dort abgegeben habe, gehe ich in das Haus, wo die Babys und die jüngsten Kinder wohnen, d.h. von Neugeborenen bis 7-Jährigen ist jede Altersklasse vertreten. Hier verbringe ich die meiste Zeit. Wir, damit meine ich um die 10 Mamas, Meryem und mich, beaufsichtigen eine Gruppe von ca 12-15 Kindern. Der Rest der insgesamt 27 Kinder, die in diesem Haus wohnen, die ,Großen’, verbringen den ganzen Vormittag in der Schule und ich sehe sie nur, wenn sie frei haben oder wenn sie krank sind und deswegen nicht in die Schule gehen können. So variiert die Zahl der Kinder unserer Gruppe immer etwas. Was ich noch nicht erzählt habe ist, dass ungefähr die Hälfte der Kinder, um die wir uns kümmern, von Autismus oder Trisomie 21 betroffen ist, denn hier in ,Lalla Meryem‘ sind sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderung zuhause und leben zusammen. Am Anfang war ich erstaunt, dass verhältnismäßig viele Mamas für nur so eine kleine Gruppe Kinder zuständig ist. Doch schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass sich eine erwachsene Person oft sehr viel Zeit für ein einzelnes Kind nehmen muss, da viele der Kinder verhaltensauffällig sind oder natürlich andere aufgrund ihrer Behinderung auf umso mehr Unterstützung, Aufmerksamkeit und Fürsorge angewiesen sind. Ich komme schließlich in der richtigen Etage an; Die letzten Kinder werden gerade aus dem Bett geholt, die allermeisten sind aber schon putzmunter und warten mehr oder etwas weniger geduldig auf ihr Frühstück. Es gibt hier keine festen Essenszeiten, weshalb einigen kleinen Hungrigen die Zeit bis tatsächlich das Frühstück, das genau wie die anderen Mahlzeiten unten in der hauseigenen Küche zubereitet wird, gebracht wird, an manchen Tagen eindeutig zu lange dauert. Doch dafür sind wir ja da :) , denn wir, d.h. alle Freiwilligen, sind hauptsächlich für die Gestaltung der freien Zeit zwischen den Mahlzeiten verantwortlich. Die Anzahl der Freiwilligen variiert, gerade im Sommer sind sehr viele aus ganz unterschiedlichen Ländern im Centre engagiert, einige aber nur für ein paar Tage, andere wenige auch für längere Zeit; alle, die ich dort kennengelernt habe waren super nett und so habe ich neben Marokko auch noch sehr viel über andere Länder und deren Kulturen erfahren, weil man doch viel Zeit zusammen verbringt; z.B. habe ich in meinen 2 Monaten Praktikanten aus China, Großbritannien und Amerika kennengelernt. Allerdings werden alle in unterschiedlichen Häusern eingesetzt, aber sobald man draußen ist, trifft man dort alle :) Denn nach dem Frühstück machen wir uns bei schönem Wetter immer auf den Weg in den Garten, wo es im hinteren Bereich ein Klettergerüst und viel Platz zum Spielen gibt. Hier kommen alle Kinder aus allen Häusern zusammen: sobald ich mich mitten in dem Tohuwabohu, dem Lachen und dem Durcheinander unzähliger Kinderstimmen befinde, muss ich einfach lächeln und weiß genau, dass ich mich für genau das richtige Projekt entschieden habe! Trotzdem ist es nicht immer einfach, seine Augen überall zu haben, denn während die ganz Kleinen auf einer Decke im Schatten liegen und von ein paar Mamas beaufsichtigt werden, streiten sich einige ältere um den Platz auf unseren Armen, und wieder andere, die nicht gerade in ein Fußballtunier oder ähnliches involviert sind, starten auf eigene Faust eine Erkundungstour, um sich ein anderes Haus mal aus der Nähe anzuschauen. Doch oft bekommen wir viel Unterstützung, denn auf die Jüngeren aufzupassen ist für die älteren Kinder eine große Freude und super spannend; es wirkt wie eine große Familie in der jeder Verantwortung für die anderen trägt. So ist man selten allein, wenn es man auf viele Kinder aufpassen soll. Auffällig ist auch, dass das Gemeinschaftsgefühl, die Mitmenschlichkeit und die Hilfsbereitschaft, generell sehr stark, wie ich finde, in der marokkanischen Gesellschaft verankert sind. Das ist auch hier in ,Lalla Meryem‘ nicht zu übersehen und gibt mir persönlich immer ein Gefühl von Herzlichkeit und Willkommensein. Das ist auch in der Öffentlichkeit zu beobachten, denn egal wo jemand Hilfe benötigen könnte, sind sofort mehrere zur Stelle um ihre Hilfe anzubieten. An einigen wenigen Tagen, wenn das Wetter nicht so schön ist, verbringen wir den Vormittag auch drinnen, im Spielraum. Der ist nicht so groß und manchmal etwas überfüllt, was zwischen den Kindern des Öfteren dazu führt, dass das Spielzeug, was der andere gerade hat, doch viel interessanter scheint als das eigene, was in manchen Momenten auch echt starke Nerven erfordert. Das ist einerseits sicher normal, anderseits vielleicht auch dadurch verstärkt, dass dem einzelnen Kind in dem Centre nichts gehört: damit beziehe ich mich nicht nur auf Spielsachen, sondern auch auf Kleidung oder ein eigenes Bett, alles wird geteilt und getauscht. Zum Glück überwiegen in Marokko aber eindeutig sonnige, wunderschöne Tage, sodass es keinen Grund gibt, die Zeit nicht draußen zu verbringen. Außerdem haben Meryem und ich an ein paar Tagen besondere Aktivitäten geplant, um den Alltag für die Kinder ein bisschen abwechslungsreicher zu gestalten. Dazu gehörten beispielsweise Bodypainting, Farben- und Tiernamen lernen, Basteln, ein Basketballtunier und einiges mehr. Nachdem wir so den Vormittag auf verschiedenste Weisen verbracht haben, gibt es ca. um halb 2/2 Mittagessen, das auch schon sehnlichst erwartet wird. Hier helfen wir wie beim Frühstück wieder das Essen zu verteilen und die Kleinen zu füttern. Manchmal (natürlich nicht in der Zeit des Ramadan) werden wir auch von den Mamas, nachdem wir die Kinder zum Mittagsschlaf ins Bett gebracht haben (damit endet mein Tag im Projekt normalerweise), eingeladen dort mit ihnen zusammen zu Mittag zu essen. Sie essen das gleiche Gericht wie die Kinder- meistens sehr traditionell und immer besonders lecker! Dort habe ich zum Beispiel zum ersten Mal miterlebt, wie man Couscous ,,richtig” isst: generell ist es in Marokko üblich, dass alle, die gemeinsam am Tisch sitzen, auch von der gleichen Platte essen. Das Gericht wird so serviert, dass es schon sehr beeindruckend aussieht und schmeckt dann auch mindestens genauso gut! Couscous gibt es traditionell in Marokko immer freitags und wird in einer riesigen Schale serviert; ganz wichtig ist, dass man zum Essen niemals seine linke Hand benutzt, da sie als unrein gilt, sondern nur die Rechte (woran ich mich erstmal gewöhnen musste, da ja zuhause normalerweise Besteck benutzt wird; außer Löffeln gibt es das hier jedoch wenn nur in Restaurants). Mit der rechten Hand nimmt man sich dann von der Platte und versucht, aus dem Couscous eine Kugel zu formen, um den Transport des Couscous zum Mund zu vereinfachen. Doch das ist wirklich nicht einfach und erfordert auf jeden Fall Übung :D ! Bei den marokkanischen Frauen sieht dieser ganze Vorgang doch wahnsinnig leicht aus, doch das ist es definitiv nicht. So hatten sie auch ihren Spaß daran, mich bei meinem ersten marokkanischen Couscous-essen zu beobachten (sie haben sich aber sehr viel Mühe gegeben und waren sehr geduldig, es mir beizubringen und mit der Zeit hat es dann auch tatsächlich funktioniert :)). Richtig ästhetisch sieht hier beim Essen zum Glück niemand aus, was es für mich auf jeden Fall auch um einiges leichter gemacht hat, mich daran zu gewöhnen- der Tisch sieht nach einer Mahlzeit aus wie ein Schlachtfeld und den Händen ist absolut anzusehen, wie gut es geschmeckt hat, aber das ist hier ganz normal! :) Um euch nun ein bisschen an meinen vielen Eindrücken aus Marokko teilhaben zu lassen, habe ich hier nun noch ein paar Bilder angefügt, die nicht außerhalb des Projektes entstanden sind. Und für alle, die noch unentschlossen sind: die Vielseitigkeit Marokkos zu erleben lohnt sich so sehr! Zuerst ein paar Eindrücke aus Rabat: Das ist die Hauptstraße in Rabat, die ich täglich auf dem Weg zu meinem Projekt überquert habe. Strand von Rabat (oberes) und die Ruinen Chellah (unteres Foto). Und die alte Stadtmauer von außen: Die Medina verbirgt sich hinter der alten Stadtmauer und ist der alte Teil einer jeden Stadt. Egal, was du gerade suchst, du kannst es sicherlich in einem der unzähligen kleinen Shops finden (hauptsächlich werden aber Kleidung und Nahrungsmittel angeboten). Tausende Gerüche von Gewürzen und frisch zubereiteten Speisen, die Stimmen von sehr verkaufsfreudigen Händlern, traditionelle Musik und die vielen Menschen schaffen eine einzigartige Atmosphäre, für mich einer der schönsten Orte :)     Die Medina von Fes ist besonders bekannt durch das große Viertel, in dem Leder gegerbt und gefärbt wird. Gerade während des Ramadan (der Fastenmonat im islamischen Kalender; von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ist das Essen und Trinken für Muslime verboten, was für ein komplett anderes Leben in dieser Zeit sorgt- die Nacht wird zum Tag gemacht! ), tummeln sich hier gegen Nachmittag Menschenmassen, um genügend Speisen für ,,Iftar” (das Frühstück, die erste Mahlzeit nach Sonnenuntergang, gegen 19:30 Uhr) zu besorgen. Oft habe ich Iftar am Strand verbracht, was wirklich eine einzigartige Erfahrung und unbeschreiblich schön ist! Oder wir haben im Sprachencentre nach dem Arabischkurs, der mir einen tollen ersten Einblick in die arabische, sehr komplizierte Sprache gegeben hat, und anschließendem gemeinsamen Kochen (übrigens: ich bin die 2. von links auf dem unteren Bild) viele sehr lustige, lange Abende verbracht. Die Wochenenden, an denen ich ja nicht im Projekt eingebunden war, habe ich meistens zum Reisen zusammen mit Freunden genutzt, um so möglichst viel von Marokko zu sehen, denn es gibt wirklich so viele unterschiedliche und absolut sehenswerte Orte! Hier ging es zum Beispiel nach Chefchauen, die auch als ,blaue Stadt’ bekannt ist, ... ...und den nahegelegenen Wasserfällen Akchour: Zuallerletzt möchte ich euch nun noch die Hassan-II-Moschee in Casablanca zeigen, da sie einerseits die größte Moschee Afrikas ist und anderseits der Islam in Marokko einfach allgegenwärtig und der wichtigste Teil des Lebens der Menschen darstellt. Ich hoffe ich habe so ein bisschen dazu beitragen können, dass ihr euch Marokko etwas besser vorstellen könnt. Nun, wo ich auf diese 2 Monate zurückblicke, kann ich definitiv sagen, dass ich eine Menge über die Arbeit und den Umgang mit Kindern dazugelernt habe und ich mich immer wieder für genau diese Zeit entscheiden würde! Ich habe eine so fremde und gleichzeitig wahnsinnig interessante, traditionsreiche Kultur kennengelernt, herzensgute Menschen und wundervolle neue Freunde gefunden, die mich diese Zeit wohl nie vergessen lassen werden! Ich kann so eine gute Erfahrung nur weiterempfehlen! Eure Pia *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


1. Calligraffiti – Workshop

  Am Samstag, 2. September 2017 hatten wir, das Team von 14,4km e.V.  unseren ersten Calligraffiti-Workshop. Unter dem Motto „Calligraffitti meets Jute“ ging es nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Welt der islamischen Kalligraphie auch schon los mit den Entwürfen. Zunächst wurden die Ideen für Mottos oder Sprichwörter skizziert und dann auf eine Schablone übertragen. Im nächsten Schritt ging es dann daran, die Entwürfe mit Spray oder Pinsel auf die Jute-Beutel zu bringen. Seht hier ein paar Eindrücke von den tollen Ergebnissen, die dabei entstanden sind.   Vielen Dank an alle TeilnehmerInnen für den gelungenen Workshop. Beim nächsten Mal wollen wir neben Jute auch mit anderen Textilien arbeiten. Seid kreativ und bringt eure eigenen Materialien, wie z.B. T-Shirts mit! Nächster Workshop: Samstag, 18. November von 11:00 – 16:30 Ort: Thoughtworks, Mülhauser Str. 6, 10405 Berlin Unkostenbeitrag für Material (Farbe, Stoffbeutel): 5 Euro Anmeldung: Begrenzte Platzanzahl. Bitte unter info@14km.org anmelden. Wir werden um ca. 13 Uhr eine Mittagspause machen. Kinder/ Jugendliche ab 12 Jahren können mitmachen.


Um einen Unterschied zu machen

Praktikumsbericht von Esmeralda bei Acting for Change in Jordanien

                            Ich habe im Juli und August 2017 mein Pflichtpraktikum bei Acting for Change in Jordanien absolviert. Acting for Change ist eine sehr kleine NGO die im Flüchtlingsdorf Zaatari in der Nähe der syrischen Grenze  arbeitet.    Besonders  fokussiert  ist  sie  auf  die  Bildung  von  Kindern  und  community development. Ich habe nach einem Praktikum gesucht um Erfahrung in der administrativen Arbeit einer NGO zu bekommen. Deswegen habe ich viel Büroarbeit gemacht. Also viele legale Dokumente, Projektbeschreibungen,  Blogposts  und  E-Mails  geschrieben.  Da  ich  bereits  Social  Media  Erfahrung habe, habe ich auch den Facebook und den Instagram Account betreut. Außerdem habe ich meine eigene Fundraising Kampagne gestartet um Geld für Eid- Geschenke für die Kinder zu sammeln. Da meine Arbeit ziemlich online fokussiert war und Acting for Change kein richtiges Büro hat, habe ich die meisten Tage von Cafes aus gearbeitet. Gründer Kotaiba war aber immer bei Fragen erreichbar und ich war jederzeit willkommen auch bei ihm Wohnzimmer zu arbeiten. Für mich war das super, weil ich meine Arbeit flexibel einteilen konnte. Eine typische Woche bestand darin, dass ich 3-4 Tage zuhause gearbeitet habe, 1-2 Tage bei Kotaiba war um neue Projekte oder Aufgaben zu besprechen und wir 1- 2 mal nach Zaatari zu Workshops oder Projekten gefahren sind. Mir hat sehr gut gefallen wie viel Vertrauen und Verantwortung ich gleich am Anfang  bekommen habe. Der Gründer und ein anderer Mitarbeiter haben sich am ersten Tag viel Zeit genommen mich gründlich einzuarbeiten und alle Fragen zu beantworten. Auch hat es mich sehr motiviert zu sehen, wie schnell meine Arbeit genutzt wird. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas ohne Mehrwert mache. Meine Posts  konnte  ich  direkt  veröffentlichen  und  andere  Dokumente  wurden  schnell  abgesegnet  und verschickt, benutzt oder veröffentlicht Auch habe ich die Freiheiten, die mir gelassen wurden, sehr geschätzt. Natürlich sind mir auch mal Fehler in E-Mails oder Social media posts unterlaufen. Aber Kotaiba war immer sehr verständnisvoll und dankbar für meine Arbeit. Das Arbeitsklima war sehr gut, und alle Mitarbeitenden waren mit Herz bei ihrer Sache. Wir haben auch unabhängig von der Arbeit etwas unternommen und sogar eine Geburtstagsparty für Kotaiba organisiert.                             Die Organisation ist von internationalen Freiwlligen abhängig. Die meisten anderen Freiwilligen die dort gearbeitet haben, waren dort, um eigene Projekte zu verwirklichen. Es gab während der Zeit, in der ich dort war, zum Beispiel einen Fotographieworkshop und das Young Journalists Projekt. Wer also gern direkt mit syrischen Flüchtlingskindern arbeiten will und eine eigene Projektidee hat, dem kann ich Acting for Change wärmstens empfehlen. Und wer Lust auf administrative oder Marketing-Arbeit hat, sollte eigenständig arbeiten können und ebenso eigene Ideen mitbringen. Kotaiba ist bei Projekten sehr offen und jede Hilfe ist willkommen. Da die NGO aber wirklich sehr klein ist, und sich fast alle Mitarbeiter noch im Studium befinden, sollte man beachten, dass die Arbeit eher nach dem „Trial-and- error“ Prinzip funktioniert. Konkrete Anleitungen für etwas habe ich eigentlich nie bekommen. Wer also von Experten lernen will, ist wohl bei einer internationalen NGO besser aufgehoben. Alles in allem, habe ich viel bei Acting for Change gelernt, tolle Freunde getroffen und in Jordanien eine großartige Zeit verbracht. Es ist beeindruckend wie viel Acting for Change trotz geringer Mittel auf die Beine stellt. Arbeit und Finanzen werden extrem effektiv genutzt. Wer während seines Praktikums wirklich einen Unterschied machen will und sich für lokale Basisarbeit begeistern kann ist bei Acting for Change gut aufgehoben. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Einblick in die Arbeit für Menschenrechte in Ägypten

Praktikumsbericht von Achim bei Maat in Kairo

Im Zuge meines M.A. Politik und Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens an der Philipps-Universität Marburg habe ich im März und April 2017 ein achtwöchiges Praktikum bei Maat for Peace, Development and Human Rights in Kairo absolviert. Praktikum bei MAAT MAAT ist eine ägyptische NGO mit ca.15 Mitarbeitern, welche hauptsächlich in den Feldern sozialer Frieden, Entwicklung, Demokratie und Good Governance arbeitet. Zurzeit arbeitet MAAT nur an einem Projekt namens „The Universal Periodic Review as a Tool to Enhance Public Policy“, welches seit Januar 2016 läuft und Ende dieses Jahres ausläuft. Das Projekt wird mit EU-Mitteln finanziert. Das Universal Periodic Review ist ein staatengetriebener Prozess unter Aufsicht des UN-Menschenrechtsrates, welcher die die Menschenrechtslage in allen UN-Mitgliedsstaaten überwacht und ihre Kapazitäten verbessert, um effektiver gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen. Die überprüften Staaten haben außerdem die Gelegenheit, darzustellen, was sie getan haben, um die Menschenrechtslage zu verbessern und ihren Verpflichtungen aus internationalen Abkommen nachzukommen. Am Ende des Prozesses, an dem auch NGOs mitarbeiten können, steht ein Bericht, welcher alle Fragen, Kommentare und Vorschläge anderer Staaten an den überprüften Staat und die Antworten des überprüften Staates zusammenfasst.  MAATs Projekt zum UPR für Ägypten umfasst folgende Aktivitäten: Ausbau von Kapazitäten 60 lokaler NGOs, so dass diese Ägyptens Verpflichtungen im Rahmen des UPR überwachen können, Gründung der „Egyptian Stakeholders Coalition for the UPR” aus 25 NGOs, Bereitstellung technischer Unterstützung für die Koalitionsmitglieder zur Überwachung lokaler Regierungsaktivitäten und zur Verfassung von Evaluierungen, Ausbau von Kapazitäten von Journalisten und Aktivisten in Sachen Menschenrechte und UPR, Entwicklung einer App über Ägyptens Verpflichtungen im UPR-Prozess und deren Entwicklung, Organisation der legalen und politischen Arbeit bezogen auf die UPR-Verpflichtungen durch die „Public Policy Analysis and Human Rights Unit“, einem unabhängigen Think-tank, welcher u.a. Gesetzesentwürfe ausarbeitet, mehrere Diskussionsrunden mit Experten zu den Gesetzesentwürfen und Lobbyarbeit für die Einhaltung der UPR-Empfehlungen im Parlament bzw. bei Veranstaltungen mit Parlamentariern. Während meines Praktikums habe ich viele verschiedene Recherchetätigkeiten ausgeführt und dabei meistens für mich alleine gearbeitet. Das lag hauptsächlich daran, dass Praktikanten bei MAAT meistens für englischsprachige Arbeiten eingesetzt werden, aber nur zwei Angestellte gut Englisch sprechen. Eine davon ist Fatma, von der ich jeweils meine Aufgaben zugeteilt bekommen habe. Zwei Aufgaben haben mich über meine ganzen acht Wochen bei MAAT begleitet: Jeden Tag habe ich einen Überblick über die internationale und englische ägyptische Medienlandschaft erstellt, wobei ich mich thematisch auf Nachrichten zu Menschenrechten und verwandten Themen konzentriert habe, Themen auf die MAAT sich fokussiert. Außerdem war es die ganze Zeit meine Aufgabe, nach neuen Geldgebern bzw. ausgeschriebenen Projekten Ausschau zu halten, mit bzw. an welchen MAAT ab Januar 2018 arbeiten könnte und habe im Zuge dessen eine Liste von internationalen Organisationen und Fonds erstellt, welche Entwicklungs- und Menschenrechtsprojekte in Ägypten (bzw. im Nahen und Mittleren Osten generell) finanzieren. Außerdem habe ich bei der Vor- und Nachbereitung des Besuchs der MAAT-Delegation bei der 34. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf in März und dafür u.a. eine Liste möglicher Gesprächs- und Kooperationspartner mit Büro in Genf erstellt, Statements anderer NGOs im Zuge der Sitzung des Menschenrechtsrates mit Bezug Ägypten zusammengefasst sowie die Vorschläge anderer Staaten im Zuge des UPR und Ägyptens Antworten  darauf ausgewertet und in einer Tabelle zusammengefasst. Zusätzlich habe ich einige weitere Rechercheaufträge ausgeführt wie die Erstellung einer Liste von offiziellen Statements zur Lage in Ägypten von verschiedenen nordamerikanischen, europäischen und mittelöstlichen Staaten seit 2013, einer Liste von Kontaktdaten ausländischer Botschaften in Kairo sowie eines Dossiers zur Funktionsweise und zu Aussagen und Statements über Ägypten von UN-Sicherheitsrat und UN-Hochkommissariat für Menschenrechte und ihrer Untergremien und zu Informationen zur Verabschiedung eines Gesetzes zur Ratifizierung eines Sicherheitsabkommens zwischen Ägypten und Deutschland und die Haltung der wichtigsten deutschen Parteien dazu. Am 29. März habe ich außerdem an einer Abendveranstaltung mit Bootsfahrt auf dem Nil teilgenommen, welche von MAAT und der Maarij Foundation for Peace and Development für die Mitglieder des „Economic, Social and Cultural Council“ (ECOSOCC) der Afrikanischen Union veranstaltet wurde. Das ECOSOCC ist ein Beratergremium der Afrikanischen Union, dass sich aus NGOs zusammensetzt und dem sich die beiden NGOs gerne anschließen würden. Ich habe mich sehr gut durch meine Praktikumsstelle betreut gefühlt, da meine Betreuerin Fatma im selben Büro saß wie ich und ich jederzeit Fragen stellen konnte, wenn ich bei meiner Arbeit nicht weiterkam. Diese Arbeit habe ich, wie oben schon beschrieben, meistens alleine durchgeführt, dennoch wurde ich von meinen Kollegen sehr herzlich ins Team aufgenommen und hatte in den gemeinsamen Mittagspausen viel Zeit, mich auf Arabisch mit ihnen zu unterhalten. Auf Grund dieser Tatsache werde ich auch versuchen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Im Großen und Ganzen kann ich die Praktikumsstelle weiterempfehlen, da sie mir einen guten Einblick in die Arbeit einer Menschenrechts-NGO in Ägypten gegeben hat, einem Land, das nicht gerade für seinen vorbildlichen Umgang mit NGOs und Menschenrechtlern bekannt ist. Für Praktikanten, die mehr an praktischer Arbeit und weniger an Büroarbeit interessiert sind, ist MAAT allerdings nicht unbedingt etwas, da Praktikanten dort gebraucht werden, um interne englische Arbeit zu übernehmen und nicht unbedingt in Projekten vor Ort eingesetzt werden. Ich habe allerdings von vornherein mit Büroarbeit gerechnet, da meine potentiellen Aufgaben Teil des Skype-Gesprächs waren und hatte damit kein Problem. Einen kleinen Einblick in die Projektarbeit „auf der Straße“ hätte ich mir zwar schon gewünscht, außer der Abendveranstaltung mit dem AU ECOSOCC gab es während meiner Zeit bei MAAT allerdings nur die Reise zum UN-Menschenrechtsrat in Genf und eine Pressekonferenz als Veranstaltungen. Eine ägyptisch-kanadische Praktikantin war sogar mit in Genf, allerdings auch schon länger bei MAAT und daher mehr in das UPR-Projekt integriert und außerdem wäre mir ein Flug nach Genf auch zu teuer gewesen und am Tag der Pressekonferenz war ich leider nicht in Kairo. Leben in Kairo Im Zuge meines Praktikums war ich zum vierten Mal in meinem Leben in Ägypten, nachdem ich dort von Oktober 2013 bis Juni 2014 studiert habe und das Land danach noch zwei Mal besucht habe, um Freunde wiederzutreffen. Das letzte Mal war ich sogar erst im September 2016 in Kairo, von daher war es diesmal nicht die große Reise ins Unbekannte, sondern fast schon ein Wieder-nach-Hause-kommen. Die Suche nach einem Zimmer erwies sich allerdings wiederum als halbes Abenteuer, da ich gerne schon vor meiner Abreise ein Zimmer sicher haben wollte und nur zwei Monate in Kairo bleiben wollte. Nach unzähligen Absagen wegen der kurzen Mietdauer, habe ich einige Tage vor meinem Flug nach Kairo eine Zusage für ein Zimmer bekommen und hatte echt Glück. Die Wohnung im Stadtteil Dokki, westlich des Nils, war groß und schön und von äußerst netten Mitbewohnern bewohnt. Dadurch, dass ich nur wenige freie Tage vor und nach meinem Praktikum hatte, habe ich kaum Ausflüge oder Reisen unternommen, allerdings habe ich die meisten touristischen Ziele in Ägypten wie Alexandria, verschiedenen Oasen und die vielen Relikte aus der reichen ägyptischen Geschichte auch schon während meines Studienaufenthaltes gesehen. So war ich diesmal touristisch nur vier Tage am Roten Meer in Safaga sowie im Azhar-Park und im Museum für islamische Kunst in Kairo, war ansonsten aber natürlich abends und am Wochenende viel mit Freunden in Restaurants und Bars unterwegs. Im Vergleich zu meinen letzten Aufenthalten in Kairo war die Stimmung im Land angespannter und negativer. Das lag meiner Meinung nach zum einen an den zunehmenden Anschlägen gegen Christen, vor allem aber an der schlechten wirtschaftlichen Lage. Bekam ich im September für einen Euro noch 12 Ägyptische Pfund, so waren es diesmal um die 20 Pfund. Dementsprechend sind die Preise im auf Importe angewiesenen Ägypten natürlich stark gestiegen, während die Löhne stagnieren. Außerdem scheinen die Großprojekte von Präsident al-Sisi und seiner Regierung auch keine wirtschaftliche Hilfe zu bringen und die Leute werden immer unzufriedener mit seiner Bilanz, da auch die versprochene Sicherheit nicht mehr gegeben zu sein scheint. Für mich, der Euros besitzt, war das Leben in Kairo hingegen sogar billiger als noch vor drei Jahren. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


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