Filmabend im Rahmen der Roadshow von Art/Violence

14. November 2013

Filmvorführung ART / VIOLENCE mit Rahmenprogramm, am 27.11. um 19 Uhr

(Corona Kinoplex, Kaufbeuren im Allgäu/Bayern)

Der Film ART / VIOLENCE dokumentiert die Zeit nach der Ermordung von Juliano Mer-Khamis (2011), Friedensaktivist und Gründer des Freedom Theatre im palästinensischen Flüchtlingslager von Jenin. In einer Mischung aus Interviews, Szenen aus dem Theater, Rückblicken und Animationen dokumentiert der Film alte wie neue Theaterprojekte, aber auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen, denen die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler bei ihrer Arbeit begegnen.

Die Filmvorführung ist in ein Rahmenprogramm eingebettet. Dieses beginnt mit einer kurzen Einführung von Dr. Anja Gebel (14km e.V.), im Anschluss an den Film findet ein Referentengespräch mit Christian Artner-Schedler (Pax Christi) zum Thema „Friedensarbeit in Palästina und Israel“ sowie eine Publikumsdiskussion statt.

art_violence_still2 art_violence_still3 art_violence_still4 Art-Violence-Poster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Verleih sowie die Roadshow von ART / VIOLENCE werden ermöglicht durch den entwicklungspolitischen Filmpreis ‚CINEMA fairbindet‘, gestiftet vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Verleih und Roadshow werden umgesetzt vom Arsenal – Institut für Film- und Videokunst.

Das Projekt ‚CINEMA fairbindet‘ wird durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Kooperationspartner: DW-Akademie

 

Weitere Informationen zum Film:

Ein Künstler wird erschossen. Juliano Mer-Khamis – Friedensaktivist, Regisseur und Schauspieler – starb 2011 vor seinem Theater, im Flüchtlingslager von Jenin. Das Flüchtlingslager von Jenin liegt neben der gleichnamigen Stadt im Norden des seit 1967 von Israel besetzten Westjordanlands. Mit mehr als 12.000 Bewohnern ist es eines der größten palästinensischen Flüchtlingslager. Bis heute wurde der Mord nicht aufgeklärt. Mer-Khamis, Sohn einer jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters, leitete seit 2006 das Freedom Theatre und spielte mit den Mitteln der Kunst gegen die Hoffnungslosigkeit und die Gewalt im Flüchtlingslager an. Außerdem stellte für ihn das Theater eine Möglichkeit dar, Künstlern, ungeachtet von Nationalität und Geschlecht, eine Bühne zu bieten. Der Film „Art/Violence“ dokumentiert die Zeit im Freedom Theatre nach der Ermordung Juliano Mer-Khamis‘: Was soll man mit seinem Vermächtnis anfangen? Wie mit den ohnmächtigen Gefühlen der Trauer und Wut umgehen? Wie geht es mit dem Theater weiter? In einer Mischung aus Interviews, Szenen aus dem Theater, Aufnahmen eines Hip-Hop-Konzerts, Rückblicken und Animationen, dokumentiert der Film alte wie neue Theaterprojekte, aber auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen, denen die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler bei ihrer Arbeit begegnen.

Die Struktur des Films „Art/Violence“ ist in drei Kapitel unterteilt, die sich jeweils auf ein Projekt des Freedom Theatre beziehen:

Alice im Wunderland (Lewis Carrol,1865)

Alice, die Heldin der Geschichte, folgt einem sprechenden, weißen Kaninchen auf eine phantastische Reise in ein Wunderland voller Widersprüche und Absurditäten in deren Verlauf nach und nach alle bekannten Ordnungssysteme aufbrechen. In der Adaptation des Freedom Theatre entflieht Alice ihrer Realität aus Armut und Unterdrückung. Im Wunderland trifft sie Charaktere, die sie dazu bringen, ihre eigene Identität zu reflektieren und infrage zu stellen, was „richtig“ und was „falsch“, was „normal“ und was „anormal“ ist.

„Das letzte Stück, bei dem Jul‘ vor seiner Ermordung Regie führte, war Alice im Wunderland. Ich war die ‚Rote Königin‘ […] Sie ist die Herrscherin im Wunderland und kontrolliert jeden dort. Sie repräsentiert Führer wie z.B Barak oder Abu Mazen.” (Mariam Abu Khaled)

Warten auf Godot (Samuel Beckett, 1952)

In While Waiting, der Neuinterpretation des Freedom Theatre von Warten auf Godot, wartet der Zuschauer mit den Protagonisten Didi und Gogo auf den nie erscheinenden Godot. Die im Film gezeigte Realität sowie das Theaterstück sind geprägt von Unsicherheit. Halt bietet einzig der feste Glaube daran, dass im Warten auf Godot ein Sinn liegt. „Selbst wenn wir Schauspielerinnen in einem Theater sind, das kein Theater ist, in einer Heimat, die keine Heimat ist, in einem Land, das kein Land ist, zeigt die Tatsache, dass wir als palästinensische Frauen While Waiting interpretiert haben, dass wir unsere Rechte erlangt haben. Rechte, die uns genommen wurden, Rechte die wir aufgegeben hatten.“ (Batoul Taleb)

Warten auf Godot ist eines der meistzitierten Beispiele für das absurde Theater. Bekannt ist das Beharren Becketts auf strenge Geschlechtertreue, der sich das Team des Freedom Theatre durch die weibliche Besetzung der Männerrollen widersetzt. Das Stück beschäftigt sich mit Fragen der Sinnhaftigkeit des Lebens im Angesicht unveränderlicher und unerklärlicher Vorgänge, in der Neuinterpretation werden Ohnmachtsgefühle verarbeitet sowie Geschlechterprobleme thematisiert.

Antigone (Sophokles, ca. 442 v. Chr.)

Die Heldin des Stückes, Antigone, wendet sich gegen den Willen ihres Onkels, des Königs Kreo. Sie bestattet den Leichnam ihres Bruders, den Kreo wegen Hochverrats hat hinrichten lassen und dessen Begräbnis er verbot. Dafür verurteilt Kreo sie zum Tode. Als die Warnung vor der Rache der Götter Kreo schließlich bewegt, sein Urteil zu ändern, ist es bereits zu spät, Antigone hat sich selbst gerichtet.

„Vor dem Mord an Juliano hatten wir begonnen, an Antigone in Jenin zu arbeiten, einem Film, von dem wir hofften, dass er die Komplexität des Strebens nach hoher Kunst, Frauenrechten und der Befreiung von israelischer Besatzung darzustellen vermöge.“ (UdiAloni)

Dies dritte und letzte Kapitel im Film folgt Juliano Mer-Khamis zwölfjähriger Tochter, Milay Mer, die sich – ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters – vornimmt, einen seiner unverwirklichten Träume umzusetzen: Die filmische Adaptation von Antigone. In Jaffa trifft sie sich mit den bekannten Schauspielern Saleh Bakri und Amer Hlelel sowie Udi Aloni, Mariam Abu Khaled und Batoul Taleb, um eine Schlüsselszene zu drehen. Ihre freie Interpretation thematisiert die

patriarchalische Gesellschaftsstruktur der Palästinensischen Gebiete anhand der Frage, ob und wie frei eine Schauspielerin auf der Bühne eigene Ausdrucksformen entwickeln darf.

 

Festivals und Auszeichnungen

Panorama der Berlinale – Weltpremiere / Gewinner CINEMA fairbindet Preis

Cinema South Festival (Sderot, Israel)

The Jerusalem International Film Festival (Jerusalem, Israel)

Documentarist Film Festival (Istanbul, Turkey)

Montreal International Documentary Festival – RIDM (Montreal, Canada)

MedFilm Festival Rome – Gewinner des „Open Eyes Award 2013“

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Fionn Herold about his internship at the High Atlas Foundation in Morocco Josephine Witt: Sechs Wochen Praktikum bei der Munathara Initiative in Tunis
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