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Einblick in die Arbeit für Menschenrechte in Ägypten

Praktikumsbericht von Achim bei Maat in Kairo

Im Zuge meines M.A. Politik und Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens an der Philipps-Universität Marburg habe ich im März und April 2017 ein achtwöchiges Praktikum bei Maat for Peace, Development and Human Rights in Kairo absolviert. Praktikum bei MAAT MAAT ist eine ägyptische NGO mit ca.15 Mitarbeitern, welche hauptsächlich in den Feldern sozialer Frieden, Entwicklung, Demokratie und Good Governance arbeitet. Zurzeit arbeitet MAAT nur an einem Projekt namens „The Universal Periodic Review as a Tool to Enhance Public Policy“, welches seit Januar 2016 läuft und Ende dieses Jahres ausläuft. Das Projekt wird mit EU-Mitteln finanziert. Das Universal Periodic Review ist ein staatengetriebener Prozess unter Aufsicht des UN-Menschenrechtsrates, welcher die die Menschenrechtslage in allen UN-Mitgliedsstaaten überwacht und ihre Kapazitäten verbessert, um effektiver gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen. Die überprüften Staaten haben außerdem die Gelegenheit, darzustellen, was sie getan haben, um die Menschenrechtslage zu verbessern und ihren Verpflichtungen aus internationalen Abkommen nachzukommen. Am Ende des Prozesses, an dem auch NGOs mitarbeiten können, steht ein Bericht, welcher alle Fragen, Kommentare und Vorschläge anderer Staaten an den überprüften Staat und die Antworten des überprüften Staates zusammenfasst.  MAATs Projekt zum UPR für Ägypten umfasst folgende Aktivitäten: Ausbau von Kapazitäten 60 lokaler NGOs, so dass diese Ägyptens Verpflichtungen im Rahmen des UPR überwachen können, Gründung der „Egyptian Stakeholders Coalition for the UPR” aus 25 NGOs, Bereitstellung technischer Unterstützung für die Koalitionsmitglieder zur Überwachung lokaler Regierungsaktivitäten und zur Verfassung von Evaluierungen, Ausbau von Kapazitäten von Journalisten und Aktivisten in Sachen Menschenrechte und UPR, Entwicklung einer App über Ägyptens Verpflichtungen im UPR-Prozess und deren Entwicklung, Organisation der legalen und politischen Arbeit bezogen auf die UPR-Verpflichtungen durch die „Public Policy Analysis and Human Rights Unit“, einem unabhängigen Think-tank, welcher u.a. Gesetzesentwürfe ausarbeitet, mehrere Diskussionsrunden mit Experten zu den Gesetzesentwürfen und Lobbyarbeit für die Einhaltung der UPR-Empfehlungen im Parlament bzw. bei Veranstaltungen mit Parlamentariern. Während meines Praktikums habe ich viele verschiedene Recherchetätigkeiten ausgeführt und dabei meistens für mich alleine gearbeitet. Das lag hauptsächlich daran, dass Praktikanten bei MAAT meistens für englischsprachige Arbeiten eingesetzt werden, aber nur zwei Angestellte gut Englisch sprechen. Eine davon ist Fatma, von der ich jeweils meine Aufgaben zugeteilt bekommen habe. Zwei Aufgaben haben mich über meine ganzen acht Wochen bei MAAT begleitet: Jeden Tag habe ich einen Überblick über die internationale und englische ägyptische Medienlandschaft erstellt, wobei ich mich thematisch auf Nachrichten zu Menschenrechten und verwandten Themen konzentriert habe, Themen auf die MAAT sich fokussiert. Außerdem war es die ganze Zeit meine Aufgabe, nach neuen Geldgebern bzw. ausgeschriebenen Projekten Ausschau zu halten, mit bzw. an welchen MAAT ab Januar 2018 arbeiten könnte und habe im Zuge dessen eine Liste von internationalen Organisationen und Fonds erstellt, welche Entwicklungs- und Menschenrechtsprojekte in Ägypten (bzw. im Nahen und Mittleren Osten generell) finanzieren. Außerdem habe ich bei der Vor- und Nachbereitung des Besuchs der MAAT-Delegation bei der 34. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf in März und dafür u.a. eine Liste möglicher Gesprächs- und Kooperationspartner mit Büro in Genf erstellt, Statements anderer NGOs im Zuge der Sitzung des Menschenrechtsrates mit Bezug Ägypten zusammengefasst sowie die Vorschläge anderer Staaten im Zuge des UPR und Ägyptens Antworten  darauf ausgewertet und in einer Tabelle zusammengefasst. Zusätzlich habe ich einige weitere Rechercheaufträge ausgeführt wie die Erstellung einer Liste von offiziellen Statements zur Lage in Ägypten von verschiedenen nordamerikanischen, europäischen und mittelöstlichen Staaten seit 2013, einer Liste von Kontaktdaten ausländischer Botschaften in Kairo sowie eines Dossiers zur Funktionsweise und zu Aussagen und Statements über Ägypten von UN-Sicherheitsrat und UN-Hochkommissariat für Menschenrechte und ihrer Untergremien und zu Informationen zur Verabschiedung eines Gesetzes zur Ratifizierung eines Sicherheitsabkommens zwischen Ägypten und Deutschland und die Haltung der wichtigsten deutschen Parteien dazu. Am 29. März habe ich außerdem an einer Abendveranstaltung mit Bootsfahrt auf dem Nil teilgenommen, welche von MAAT und der Maarij Foundation for Peace and Development für die Mitglieder des „Economic, Social and Cultural Council“ (ECOSOCC) der Afrikanischen Union veranstaltet wurde. Das ECOSOCC ist ein Beratergremium der Afrikanischen Union, dass sich aus NGOs zusammensetzt und dem sich die beiden NGOs gerne anschließen würden. Ich habe mich sehr gut durch meine Praktikumsstelle betreut gefühlt, da meine Betreuerin Fatma im selben Büro saß wie ich und ich jederzeit Fragen stellen konnte, wenn ich bei meiner Arbeit nicht weiterkam. Diese Arbeit habe ich, wie oben schon beschrieben, meistens alleine durchgeführt, dennoch wurde ich von meinen Kollegen sehr herzlich ins Team aufgenommen und hatte in den gemeinsamen Mittagspausen viel Zeit, mich auf Arabisch mit ihnen zu unterhalten. Auf Grund dieser Tatsache werde ich auch versuchen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Im Großen und Ganzen kann ich die Praktikumsstelle weiterempfehlen, da sie mir einen guten Einblick in die Arbeit einer Menschenrechts-NGO in Ägypten gegeben hat, einem Land, das nicht gerade für seinen vorbildlichen Umgang mit NGOs und Menschenrechtlern bekannt ist. Für Praktikanten, die mehr an praktischer Arbeit und weniger an Büroarbeit interessiert sind, ist MAAT allerdings nicht unbedingt etwas, da Praktikanten dort gebraucht werden, um interne englische Arbeit zu übernehmen und nicht unbedingt in Projekten vor Ort eingesetzt werden. Ich habe allerdings von vornherein mit Büroarbeit gerechnet, da meine potentiellen Aufgaben Teil des Skype-Gesprächs waren und hatte damit kein Problem. Einen kleinen Einblick in die Projektarbeit „auf der Straße“ hätte ich mir zwar schon gewünscht, außer der Abendveranstaltung mit dem AU ECOSOCC gab es während meiner Zeit bei MAAT allerdings nur die Reise zum UN-Menschenrechtsrat in Genf und eine Pressekonferenz als Veranstaltungen. Eine ägyptisch-kanadische Praktikantin war sogar mit in Genf, allerdings auch schon länger bei MAAT und daher mehr in das UPR-Projekt integriert und außerdem wäre mir ein Flug nach Genf auch zu teuer gewesen und am Tag der Pressekonferenz war ich leider nicht in Kairo. Leben in Kairo Im Zuge meines Praktikums war ich zum vierten Mal in meinem Leben in Ägypten, nachdem ich dort von Oktober 2013 bis Juni 2014 studiert habe und das Land danach noch zwei Mal besucht habe, um Freunde wiederzutreffen. Das letzte Mal war ich sogar erst im September 2016 in Kairo, von daher war es diesmal nicht die große Reise ins Unbekannte, sondern fast schon ein Wieder-nach-Hause-kommen. Die Suche nach einem Zimmer erwies sich allerdings wiederum als halbes Abenteuer, da ich gerne schon vor meiner Abreise ein Zimmer sicher haben wollte und nur zwei Monate in Kairo bleiben wollte. Nach unzähligen Absagen wegen der kurzen Mietdauer, habe ich einige Tage vor meinem Flug nach Kairo eine Zusage für ein Zimmer bekommen und hatte echt Glück. Die Wohnung im Stadtteil Dokki, westlich des Nils, war groß und schön und von äußerst netten Mitbewohnern bewohnt. Dadurch, dass ich nur wenige freie Tage vor und nach meinem Praktikum hatte, habe ich kaum Ausflüge oder Reisen unternommen, allerdings habe ich die meisten touristischen Ziele in Ägypten wie Alexandria, verschiedenen Oasen und die vielen Relikte aus der reichen ägyptischen Geschichte auch schon während meines Studienaufenthaltes gesehen. So war ich diesmal touristisch nur vier Tage am Roten Meer in Safaga sowie im Azhar-Park und im Museum für islamische Kunst in Kairo, war ansonsten aber natürlich abends und am Wochenende viel mit Freunden in Restaurants und Bars unterwegs. Im Vergleich zu meinen letzten Aufenthalten in Kairo war die Stimmung im Land angespannter und negativer. Das lag meiner Meinung nach zum einen an den zunehmenden Anschlägen gegen Christen, vor allem aber an der schlechten wirtschaftlichen Lage. Bekam ich im September für einen Euro noch 12 Ägyptische Pfund, so waren es diesmal um die 20 Pfund. Dementsprechend sind die Preise im auf Importe angewiesenen Ägypten natürlich stark gestiegen, während die Löhne stagnieren. Außerdem scheinen die Großprojekte von Präsident al-Sisi und seiner Regierung auch keine wirtschaftliche Hilfe zu bringen und die Leute werden immer unzufriedener mit seiner Bilanz, da auch die versprochene Sicherheit nicht mehr gegeben zu sein scheint. Für mich, der Euros besitzt, war das Leben in Kairo hingegen sogar billiger als noch vor drei Jahren. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Aktiv für Meinungsfreiheit im Libanon

Bericht vom Praktikum bei MARCH in Beirut

MARCH ist eine lokale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Beirut, Libanon. Tätig sind im Kern etwa 10 Mitarbeiter, nach Bedarf der jeweiligen Projekte werden Projektkoordinatoren und weitere Angestellte für die Dauer des Projekts eingestellt. Zusätzlich unterstützen Praktikanten die Arbeit. Das kleine Team bewirkt eine flache Hierarchie, an deren Spitze die Mitbegründerin und Generalkoordinatorin steht, welche als Hauptverantwortliche in alle Prozesse eingebunden ist. MARCH widmet sich seit der Gründung 2011 vor vor allem der Meinungsfreiheit und setzt sich für Frauenrechte und Deradikalisierung von Jugendlichen ein. Dahinter steht der Gedanke, eine tolerante und liberale libanesische Zivilgesellschaft zu schaffen. Während meines Praktikums kamen mir verschiedenste Aufgaben zu, hauptsächlich im Büro, wo ich unter anderem bei der Erstellung von Berichten und Förderanträgen helfen konnte. Zudem hatte ich die Möglichkeit, bei einigen Meetings teilzunehmen, um Notizen zu machen und die laufenden Projekte zu besuchen oder zu begleiten. Ich habe mir von diesem Praktikum erwartet, generell einen Einblick in die Arbeit einer NGO zu bekommen. Von Interesse war für mich auch, dass es sich um eine originär libanesische NGO handelt, die vielleicht eine andere Position zum eigenen Land und andere Zugänge hat als internationale Organisationen, die ihre Interessen im Libanon vertreten. Das Praktikum soll mir sowohl als Berufserfahrung dienen als auch zur Orientierung in meinem zukünftigen Berufsfeld beitragen. Zu Beginn des Praktikums sollte ich verstärkt am Social Media Auftritt mitarbeiten, der ein essentielles Mittel der NGO ist, um ihre Außenwirkung und die Reichweite der Projekte zu vergrößern. Neben gelegentlichen kleinen Aufgaben wie Fotos auswählen oder Texte für Posts vorschlagen, war ich aber kaum in diesem Bereich tätig. Während meines Praktikums konnte ich sowohl qualifizierte Aufgaben übernehmen als auch in eher hospitierender Form meine Kollegen im Außendienst begleiten und die Projekte besichtigen. Anfangs war mehr Arbeit zu bewältigen als gegen Ende, wo wenige Aufgaben anfielen und zusätzliche Hilfe durch eine zweite Praktikantin vorhanden war. In den ersten Wochen habe ich an englischsprachigen Meetings mit einem Botschafter, anderen NGOs und mit einem potentiellen Förderer teilgenommen und Notizen geschrieben. Später konnte ich am Förderantrag vor seiner Überarbeitung mitschreiben und nach Abgabe des Antrags an einer Informationsveranstaltung des Förderers für die richtige Handhabung der erforderlichen Berichte teilnehmen. Teilweise habe ich Kontakte in die Datenbank der Organisation eingetragen oder Emails verfasst. Als Teil eines Projekts im Bereich Zensur hat MARCH eine „Know your rights“ Broschüre erstellt, die Informationen über die staatliche Zensur und ihre möglichen Folgen sowie eine Beratungshotline für Betroffene anbietet. Die Gründe für Zensur im Libanon lassen sich etwa in die folgenden Bereiche einteilen: Beleidigung einer der offiziell anerkannten Religionen, heikle politische Themen (Israel, Bürgerkrieg,...), LGBT und andere „unmoralische“ Inhalte, Beleidigung des Staatsoberhaupts oder staatlichen Symbolen. Ein Online Museum mit einer Auflistung aller vergangenen Zensuren soll es ermöglichen, das oft undurchsichtige Thema transparent und öffentlich zu machen. In diesem Zusammenhang werden kurze Berichte erstellt, von denen ich eines zum Thema LGBT und eines zur Beleidigung von Staatsoberhäuptern - vor seiner endgültigen Überarbeitung - selber verfasst habe. Dabei habe ich selber recherchiert, welche Fälle es jeweils 2016 im Libanon gab und einen kurzen Vergleich mit ähnlichen Fällen in Deutschland und Frankreich dargestellt. Hier konnte ich vielleicht am stärksten meine während des Studiums erworbenen Fähigkeiten einbringen, indem ich selbstständig recherchiert, strukturiert und geschrieben habe. Ähnliche Aufgaben fielen etwa an, wenn Dokumente über die Erfolge und Leistungen der Projekte zu aktualisieren oder umzuschreiben waren. In einem anderen Projekt schafft MARCH Bewusstsein für das Problem der Staatenlosigkeit von Libanesen, die von ihren Eltern nicht registriert wurden, was Teile der ohnehin schon benachteiligten Bevölkerung weiter marginalisiert und unter anderem die Wahlberechtigung ausschließt. In einer Kampagne wurden im ganzen Land in Krankenhäusern und bei Treffen mit Bürgermeistern Informationsbroschüren verteilt und die Anwesenden über das Problem informiert und beraten. Einige dieser Besuche konnte ich begleiten, wegen meiner mangelnden Arabischkenntnisse konnte ich dabei lediglich beim Aufstellen der Roll-Ups helfen und Fotos machen. Ein derzeitiges Hauptprojekt in Tripoli nutzte als Methode der Konfliktlösung  künstlerische und schauspielerische Fähigkeiten von Jugendlichen genutzt, die wegen eines lokalen Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten in diesem Spannungsverhältnis aufgewachsen sind oder daran teilgenommen haben. Dieses ursprüngliche Theaterprojekt wird heute als Café und Treffpunkt der Jugendlichen weitergeführt und das gesamte Konzept nun auch in anderen konfliktbeladenen Gebieten angewendet. Der Arbeitsalltag hatte aufgrund der wechselnden Aufgaben keine feste Routine, auch die Arbeitszeiten konnten deswegen variieren. Einige Projekte waren nicht vor Ort sondern in Tripoli oder in den Vororten Beiruts, daher waren nicht immer alle Mitarbeiter im Büro anwesend. Die Arbeit im Team war sehr kollegial, auch wenn es natürlicherweise während der Arbeitsbewältigung auch immer mal zu Spannungen kommt. Für mich als Praktikantin war eine der Projektkoordinatorinnen zuständig, die jederzeit für mich da war und die mir die meisten Aufgaben zuteilte. Auch die anderen Kollegen waren für mich ansprechbar, hilfsbereit und ich konnte schon bald ein gutes Verhältnis zu den meisten von ihnen aufbauen. Insgesamt habe ich sehr gerne bei MARCH gearbeitet, die Struktur und Abläufe der Organisation kennengelernt und mein Wissen über ihre Hauptanliegen der freien Meinungsäußerung, Stärkung von Frauenrechten und Konfliktlösung speziell im Libanon vertieft. Auch abgesehen von meiner Arbeit bei MARCH hatte ich eine gute Zeit im Libanon, den ich zum ersten Mal besucht habe. Ich habe mir schon von Deutschland aus ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft gesucht, das in Laufnähe zu meiner Arbeitsstelle war, weil ich nicht abhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln sein wollte. Ich habe mich relativ schnell eingelebt und mich an einige libanesische Besonderheiten des Alltags gewöhnt. Die sehenswerte Kultur- und Feierszene in Beirut erschließt sich von alleine. Vor Ort bleibt es letztendlich nicht aus, dass man Gebiete besucht, die nach - verständlicherweise -  sehr vorsichtigen Reisewarnungen des deutschen Auswärtigen Amts besser nicht bereist werden sollten. Besonders sehenswert war für mich Tripoli, wo auch das derzeitige Hauptprojekt von MARCH läuft sowie die Ruinen in Baalbek. Um dem Lärm der Stadt zu entkommen, gibt es zahlreiche wunderschöne Orte außerhalb oder in der Natur, ob am Meer oder in den Bergen. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Marokkos Vielfalt und die Herausforderung, in kurzer Zeit etwas zu bewegen

Praktikumsbericht von Pauline bei Chantiers Sociales Maroc

Diesen Herbst verbrachte ich sechs Wochen in Marokko und absolvierte ein Praktikum über die 14km-Partnerorganisation CSM (Chantiers Sociales Maroc), die ihren Sitz in Rabat hat. Von dort aus werden Freiwillige in Projekte und Gastfamilien der Umgebung vermittelt. In meinem Fall wohnte und arbeitete ich in der Nachbarstadt Salé, die auf der anderen Flussseite, direkt gegenüber der Hauptstadt liegt. Dort wohnte ich bei einer Gastfamilie in dem eher ärmlichen Viertel Sidi Moussa. Meine Gasteltern waren schon sehr “freiwilligenerprobt”, da sie seit über 10 Jahren junge Frauen aus dem deutschsprachigen Ausland aufnehmen und vor allem meine Gastmutter sorgte dafür, dass ich mich dort sehr wohlfühlte. Ich erhielt ein eigenes Zimmer in der kleinen Wohnung, das zuvor meinen nun ausgezogenen Gastbrüdern als Kinderzimmer gedient hatte. Meine Gastmutter setzte mir drei Mal pro Tag leckere marokkanische Speisen vor und ich konnte mich bei Fragen und Unklarheiten immer an beide Gasteltern wenden. Mein Gastvater war gleichzeitig auch der Gründer und Direktor des Frauenzentrums “Nahdat Alhay”, in dem ich offiziell eingesetzt sein würde. Als ich ankam, waren jedoch noch Ferien und das Opferfest - das wichtigste Fest für die Muslime, ähnlich wie bei uns Weihnachten - stand vor der Tür. Meine Arbeit begann also erst zwei Wochen später und ich nutzte die Zeit, meine Umgebung näher zu erkunden. An diesem Punkt wurde eine meiner wenigen Erwartungen nicht erfüllt: Statt direkt arbeiten und die kurze Zeit, die mir blieb, optimal zu nutzen, verzögerte sich mein Arbeitsbeginn, nicht nur durch die zeitlichen Umstände, sondern zusätzlich durch eine Art Projektwechsel. Erst nach meiner Ankunft erfuhr ich, dass es für mich im Frauenzentrum zu diesem Zeitpunkt nur wenig zu tun gäbe und so beschränkte sich mein Engagement dort auf eine Stunde Deutschunterricht pro Tag. Ansonsten verbrachte ich meine Arbeitszeit bei AMDEL, einer Bürgerinitiative, die sich für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung einsetzt. Doch wie bei meinem ursprünglichen Projekt gab es auch hier - bedingt durch den erst langsam anlaufenden Betrieb nach den großen Ferien - nicht allzu viel zu tun. So entschied ich mich, im Anbetracht der anstehenden Parlamentswahlen mehr über das politische System Marokkos herauszufinden. Unsere Kollegen bei AMDEL standen uns mit ihrem Wissen zur Seite und erklärten uns die Situation und die - nach ihrer Sicht - akuten Probleme. Darauf eingehend überlegten mein Mitfreiwilliger vom weltwärts-Programm und ich, einen Informationsfilm zu entwickeln, der den etwas komplizierten Wahlgang und seine einzelnen Etappen schlüssig aufbereitet. Wie viele Leute wir letztendlich damit erreichten und wie zielführend unsere Arbeit war, finde ich schwer einzuschätzen. Interessant war das Konzept von AMDEL: Neben Sensibilisierungsprojekten für Umweltbelange in Form von Filmen und Arbeitseinheiten bzw. Aufklärungsprojekten verstehen sie sich als Anlaufstelle für die Kinder und Jugendlichen des Viertels. Mit Unterstützung des Personals können sie z.B. Radiosendungen entwickeln und umsetzen und ich hatte den Eindruck, dass ihre Ideen ernst genommen werden und bei den Erwachsenen Gehör finden. Trotz dem Engagement der Angestellten und Freiwilligen, gestalteten sich die Kommunikation und Absprachen mit den Zuständigen tendenziell schwierig. Informationen mussten mehrmals erfragt werden, um annährend präzise Anhaltspunkte zu bieten, was für mich in Anbetracht meiner kurzen Zeit dort und dem Ehrgeiz, trotzdem etwas - sei es noch so klein - erreichen zu können, eine tägliche Herausforderung war. Doch gleichzeitig war es eine gute Übung und meine Ehrlichkeit und Durchsetzungsfähigkeit wurden allgemein positiv aufgenommen. Höhepunkt meiner Arbeit war die Teilnahme am “pré-COP”, einer regionalen Umweltkonferenz, die einerseits darauf abzielt, dass sich die unterschiedlichen Initiativen und NGOs vernetzen und ihre Arbeit vorstellen; anderseits aber auch dazu dient, die Bevölkerung für den im November anstehenden Weltklimagipfel in Marrakesch zu sensibilisieren. Gemeinsam mit drei Mitarbeitern und drei weiteren deutschen Freiwilligen betreute ich den Stand und gab Interessierten über die Arbeit von AMDEL Auskunft. Außerdem hatten wir ein kleines Gewinnspiel vorbereitet: Wir stellten die Verschwendung von Wasser exemplarisch dar, indem wir einen tropfenden Wasserhahn am Stand installierten und das Wasser darunter in einem großen Behälter auffingen. Die Leute sollten raten, wieviel Liter Wasser in 24 Stunden verschwendet werden würden. (Für alle Neugierigen: Bei regelmäßigem, nicht zu schnellen Tropfen kann es sich um 6 bis 7 Liter handeln.) Abgerundet wurde das Programm des pré- COP durch Diskussionsrunden und leckeren Buffets, bestehend aus den typisch kunstvollen, marokkanischen Keksen und Fruchtsaft. An den Wochenenden erkundete ich den Norden Marokkos und besuchte die Städte Tanger, Kénitra, Ifrane, Fès, Meknès und Chefchaouen. Ich bewunderte die Vielfalt des Landes, von der ich durch mein zeitliches Limit im Vergleich so wenig und doch so viel sah: Die breiten Strände von Tanger und Kénitra, die verwinkelten Gassen der großen Médina von Fès, der kleine, aber wunderschön verzierte Palazzo in Meknès oder die schroffen Berge im Rif- Gebirge sind nur wenige Beispiele für den natürlichen und kulturellen Reichtum Marokkos. Noch bereichernder als meine touristischen Aktivitäten waren meine Begegnungen mit den Einheimischen. Marokkaner sind im Allgemeinen ein sehr nettes und gastfreundliches Völkchen; und so erhielt ich häufiger Einladungen zum Essen von Bekannten und konnte sogar einmal einer kleinen Hochzeitsfeier beiwohnen. Mit Freunden ging ich ins Hammam - das arabische öffentliche Bad - und erkundete den Basar. Umgekehrt berichtete ich von meinem Leben in Deutschland, tauschte mich mit Freunden über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus und versuchte an einem Kochabend marokkanischen Jugendlichen die deutsche Küche näher zu bringen. Während Kartoffelpuffer mit Apfelmus ganz gut ankamen, erfreute sich der Gurkensalat keiner großen Beliebtheit, schließlich wurde er mit ungesüßtem Joghurt zubereitet, was in Marokko scheinbar wenig Akzeptanz findet. Dazu passt auch das typisch marokkanische Nationalgetränk: der - für uns Deutsche maximal gesüßte - Minztee, der zu jedem Anlass und jeder Tages- und Nachtzeit getrunken wird. Eine wichtige Erfahrung war für mich außerdem der Kontakt mit einem Islam des Alltags, der in so friedlichem Kontrast zu der undifferenzierten westlichen Berichterstattung steht. Seien es die unterschiedlichen Arten des Kopftuchs, die Koranrezitationen im Radio oder die Rufe der Muezzin zu den fünf Gebetszeiten am Tag. Zusammenfassend möchte ich betonen, dass es eine gute Erfahrung für mich war; trotz mancher Hürden und der viel zu kurzen Zeit habe ich viel gelernt und erlebt. Ein Praktikum und das Leben in einer Gastfamilie sind eine gute Möglichkeit, eine fremde Kultur näher kennen zu lernen. Falls Euer Interesse geweckt wurde, könnt ihr einige Erlebnisse auf meinem Blog www.paulinebenin.wordpress.com nachlesen. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


„Eine sehr faszinierende und prägende Erfahrung“

Praktikumsbericht von David bei himaya in Beirut

Der Grund, warum ich für mein zweimonatiges Pflichtpraktikum in den Libanon gehen wollte, war für mich von Anfang an die Faszination, welche von diesem kleinen von Schwierigkeiten übersäten und doch recht stabilen Land ausging. Der gesamte zweimonatige Aufenthalt im Libanon war eine sehr faszinierende und auch prägende Erfahrung für mich. Die politische Situation im Libanon ist sehr schwierig - vordergründig durch die Krise in Syrien, wegen der über eine Million geflüchtete Syrer im Libanon Schutz gesucht haben. Jedoch auch innenpolitisch ist die Situation nicht leicht. Das Parlament hat es seit über zwei Jahren nicht mehr geschafft einen geeigneten Präsidenten zu finden, da einfach keine Einigkeit zwischen den Parteien hergestellt werden kann. Und diese festgefahrenen Strukturen, die auch oft von Korruption durchlaufen sind, kann man im Alltag deutlich spüren. Dies fängt an mit der unzureichenden Stromversorgung und reicht bis hin zum Müll, der oft auf den Straßen liegen bleibt ohne abgeholt zu werden. Dazu kommen die in nicht allzu ferner Vergangenheit liegenden Konflikte. Der 1991 zu Ende gegangene Bürgerkrieg sowie die bis ins Jahr 2000 anhaltende Besetzung durch Israel und genauso der Israel-Libanon Krieg 2006 sind in den Gemütern der Menschen noch deutlich spürbar präsent. Innerhalb dieses Kontextes zu arbeiten ist alleine schon eine sehr prägende Erfahrung gewesen. Die NGO namens himaya in der ich mein Praktikum absolviert habe ist eine recht große Organisation, die sich mit dem Thema Kindesmissbrauch innerhalb des Landes beschäftigt. Himaya wurde 2009 gegründet und konnte durch große Geldgeber wie UNICEF und die Europäische Union so schnell wachsen, dass es mittlerweile Zweigstellen der Organisation im ganzen Land gibt. Die zwei Schwerpunkte in der eigentlichen Arbeit sind Präventionsprojekte, bei denen in öffentlichen Räumen auch mit Lehrern und Eltern über bestimmte Themen gesprochen wird. Es geht vor allem darum, Fälle von Missbrauch zu vermeiden, jedoch auch sie zu erkennen und einen bestmöglichen Umgang damit zu finden. Außerdem interveniert himaya auch bei Fällen von Missbrauch. Es gibt eine Hotline für Notfälle sowie Psychologen, Mediziner und Sozialarbeiter, welche zur Verfügung stehen um nicht nur den Opfern, sondern auch den Angehörigen unterstützend zur Seite zu stehen. Zudem betreibt die Organisation auch eine eigene Unterkunft, in der rund 30 Jugendliche aus problematischen Umständen Schutz gefunden haben. Seit Beginn der schwierigen Situation in Syrien wurde auch die Arbeit in Geflüchtetenlagern zum festen Bestand von himaya. Ich war angestellt im Bereich Projektmanagement in Beirut. Empfangen genommen wurde ich wirklich wunderbar und ich habe mich auch gleich sehr wohl gefühlt in dem wirklich netten Team. Jeder im Team spricht gutes Englisch, oft wird zusammen zu Mittag gegessen und es gibt auch immer andere Praktikanten/-innen mit denen man sich zusammentun kann. Ich habe zwei wirklich gute Freundinnen während meiner Zeit dort gefunden, mit denen ich dann auch viel außerhalb der Arbeit unternommen habe. Das Praktikum selbst bereue ich auf gar keinen Fall. Ich habe wirklich viele sehr Interessante Einblicke in die Arbeit einer NGO erhalten. Außer den Erfahrungen in der Administration bin ich noch auf Festivals mitgefahren, an denen wir Menschen auf die NGO aufmerksam machen wollten, habe einmal in der Woche einen Tag mit den Kindern in der Dauerunterkunft verbracht, Nationalentreffen mit UNICEF beigewohnt und Feldbesuche gemacht in den Geflüchtetenlagern im Osten sowie in einer Zweigstelle im Norden des Libanon. Nur meine Aufgaben während der Zeit die ich im Büro verbracht habe, empfand ich nicht als allzu sinnvoll. Oft hatte ich auch einfach Phasen, in denen ich nichts zu tun hatte. So kam es schon öfter vor, dass ich angefangen habe private Aufgaben für mein Studium zu erledigen und manchmal bin ich auch einfach früher nach Hause gegangen. In einem Evaluationsgespräch am Ende des Praktikums wurde mir auch nochmal gesagt, wie schwierig es für die Mitarbeiter ist, für zwei Monate einen Praktikanten einzuarbeiten, und im Endeffekt waren diese Leerlaufzeiten auch gar nicht so schlimm. Ich würde dieses Praktikum auf jeden Fall weiterempfehlen mit dem kleinen Tipp nebenbei einen Arabischkurs zu besuchen. Auch wenn man generell gut mit Englisch auskommt, grundlegende Arabische Kenntnisse würden einem helfen mehr im tatsächlichen Feld zu arbeiten. Und das ist das wirklich Interessante an der Arbeit von himaya. Mein Alltagsleben in Beirut war wunderbar und es wird auf jeden Fall einen Grund für mich geben, um eines Tages wieder in den Libanon zu kommen. Ich habe wahnsinnig nette Menschen getroffen und auch wirklich gute Freundschaften geschlossen. Schon auf meinem Hinflug habe ich einen Medizinstudenten getroffen, mit dem ich gleich Nummern ausgetauscht habe. Im Laufe meines Aufenthalts hat er mir viel von der Stadt gezeigt und zusammen haben wir auch Wochenendtrips über das ganze Land gemacht, was bei den kurzen Distanzen überall hin auch wirklich richtig gut geht. Unter der Woche habe ich meistens nachmittags noch etwas mit meinen Kolleginnen aus der Arbeit gemacht oder mit meiner Mitbewohnerin. Untergekommen bin ich in einer 3er WG nahe an meiner Arbeitsstelle. Am Anfang habe ich noch in einem Haus voller Syrer gewohnt, die mich auch wirklich sehr freundlich willkommen geheißen haben, um von dort aus eine geeignete Unterkunft zu suchen. Dies hat auch wirklich gut geklappt. Es gab zwar nicht immer warmes Wasser und die Stromversorgung war wie fast überall in Beirut nicht die beste. Es gab aber einen wunderbaren Balkon, von dem man am Abend mit einer Tasse Tee die südlichen Dörfer auf den Bergen hinter Beirut beobachten konnte. Von meinen Erfahrungen her würde ich den Libanon als weitgehend sicher bezeichnen. Ich bin nie in eine Situation gekommen, in der ich mir ernsthaft Sorgen machen musste. Es ist anfangs vor allem eher anstrengend. Der Verkehr ist wahnsinnig überfüllt und laut. So ist es - bis man sich einigermaßen auskennt - immer wieder ein Kraftakt, sich mit Taxen von Stadtteil zu Stadtteil vorzuarbeiten, bis man seinen Zielort erreicht. Trotzdem würde ich nicht blindlinks alleine durch die Gegend reisen. Wie eigentlich überall auf der Welt ist es sinnvoll mit Freunden zusammen zu reisen, oder sich einer Gruppe anzuschließen. Das lohnt sich dann aber auch wirklich, denn vor allem die Berge und Täler im Libanon sind ein wahnsinnig faszinierender Anblick. Genauso wie all die historischen Städte, die teilweise zu den ältesten der Welt zählen. Zusammengefasst würde ich das Praktikum allen empfehlen die allgemein Lust haben sich mit einer komplizierten politischen Lage und all der kulturellen Vielfalt im Land auseinandersetzen zu wollen. Gesprächen über Armut im Land, Differenzen zwischen verschiedenen Gruppen und über die nach wie vor große Spannung mit Israel kann man kaum aus dem Weg gehen. Man sollte vor allem in Beirut nichts gegen ein massives Großstadtgefühl haben und die Möglichkeit zu schätzen wissen ein wahnsinniges Bergpanorama vor sich zu haben. Zudem - wie schon erwähnt - kommt man zwar mit Englisch wirklich gut aus, ich persönlich bereue aber, dass ich nicht mehr Arabisch gelernt habe. Ich bin 14km sehr dankbar für die Vermittlung zu himaya. Es war eine wunderbare Zeit und ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen die Möglichkeit bekommen Erfahrungen in diesem faszinierenden Land zu sammeln. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Netzwerkbildung und -pflege für EntwicklungsZUSAMMENarbeit in Marokko

Abschlussbericht von Lisa bei der High Atlas Foundation

Ich habe nach meinem Studium der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft ein  Praktikum  machen  wollen,  dass  mir  praktische  Einblicke  in  die  verschiedenen Aspekte  meines  Studiums  ermöglicht.  Marokko  war  mit  seinem  politischen  und wirtschaftlichen System ein besonderer Anreiz, da es von den mir bisher bekannten Systemen abweicht. Die High Atlas Foundation hat als NGO die Mission nachhaltige Entwicklung durch  den Aufbau von Self-Empowerment in den ländlichen Regionen Marokkos zu fördern. Diese Mission wird unter anderem durch die Optimierung der Infrastruktur für Bildung und  die  Förderung  des  Aufbaus  von  wirtschaftlichen  Kooperationen,  speziell  in  der Landwirtschaft, umgesetzt. Durch  mein  Praktikum  habe  ich  Einblicke  in  den  täglichen  Prozess  von Entwicklungszusammenarbeit  bekommen.  Ein  Grundpfeiler  der Entwicklungszusammenarbeit liegt dabei in dem Bereich der Zusammenarbeit. Für  die  Mitarbeiter  der  Organisation  sind  Netzwerkbildung  und  die  Pflege  der bestehenden  Netzwerke  von  zentraler  Bedeutung  in  ihrer  täglichen  Arbeit.  Dafür wurden  Treffen  für  Austausch  und  Planung,  Veranstaltungen  mit Öffentlichkeitswirkung  in  den  Regionen,  mit  Politikern  und  Verantwortlichen  der Schulen, sowie  auch mit Unterstützern organisiert. Meine Aufgabe im Social Media Praktikum bestand darin, durch die Verwendung der Social-Media-Kanäle die beiden Bereiche der Netzwerkpflege und Netzwerkknüpfung zu unterstützen. Das erforderte von mir selbständiges Arbeiten und zudem die Initiative für ständige Kommunikation und Koordination. Gerade bei den letzten beiden Punkten wurde für mich deutlich, dass es in der High Atlas Foundation einen mir (teilweise) fremden Stil der Koordination und Kommunikation gibt. Das äußerte sich dann darin, dass die Koordination nicht ganz so strukturiert funktioniert hat, wie ich es gewohnt war. Auch die Kommunikation war aufgrund sprachlicher und kultureller Unterschiede an  bestimmten  Punkten  eine  Herausforderung  für  mich  und  hat  mich  sicherlich bereichert. Bereichert in dem Sinne, dass ich gestärkt wurde in der Fähigkeit, mich in einem neuen Arbeitsumfeld auf andere Bedingungen einzustellen und zu lernen, wie ich  diese  beeinflussen  kann.  So war  für  mich  ein  Unterschied zwischen  der Zusammenarbeit  im  Team  zu  Beginn  und  der  Zusammenarbeit  zum  Ende  meiner Tätigkeit feststellbar. Das Team der High Atlas Foundation war zu jeder Zeit sehr freundlich und auch, wenn ich mir öfter gewünscht habe den marokkanischen Dialekt des  Arabischen  zu  verstehen,  gab  es  auf  English  und  Französisch  Wege,  sich  zu verständigen.  Der  besondere  kulturelle  und  politische  Hintergrund  Marokkos  zeigte sich  in  meinem  Praktikum  meiner  Meinung  nach  zum  Beispiel  in  der  besonderen Gewichtung, eine sensible Berichterstattung zu gewährleisten und in der besonderen Rolle,  welche  die  Beteiligung  ausländischer  Partner  in  Marokko  spielt,  damit  die Projekte der NGO wirklich umgesetzt werden konnten. Als Frau in Marokko zu leben ist nicht immer leicht gewesen und als ausländische Frau war  ich  besonders  häufig  das  Ziel  von  Belästigungen.  Ich  hoffe  für  Marokko  und insbesondere  für  Frauen  in  Marokko,  dass  sich  in  der  Hinsicht  etwas  ändert. Grundsätzlich begegnete man mir aber mit Respekt und großer Gastfreundschaft. Rückblickend  bin  ich  der  High  Atlas  Foundation  und  dem  14km  Verein  für  die Ermöglichung  dieser  Zeit  sehr  dankbar.  Ich  kann  das  Praktikum  insbesondere Menschen  deren  Interessen  im  Social  Media  und  Journalismus  Bereich  liegen und/oder  mit  einem  Bildungshintergrund  in  Agrarwissenschaften  empfehlen. Vorteilhaft  sind  Sprachkenntnisse  in  Französisch  und  Arabisch  bzw.  Darija,  und Englisch. Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.  


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