Entwicklungszusammenarbeit

Von Liebe, Frust und Freundschaft oder Wenn Berliner einen Flughafen bauen –

Entwicklungshilfe und internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit auf dem Prüfstand im vierten de:kolonial Film- und Diskussionsabend rDer vierte Film- und Diskussionsabend schloss unsere de:kolonial Reihe mit einem großen Finale im überfüllten Kino Moviemento ab. In „Congo Calling“ kamen die Zuschauer*innen den Protagonist*innen ganz nah, in der anschließenden Diskussion nahmen unsere Podiumsexpert*innen die Entwicklungshilfe und internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit systemisch ins Visier – zunächst begann alles mit dem Bau eines Flughafens… Im Februar 2015 war Goma, Kongo, nur ein kurzer Stopp auf der Afrikareise des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier. Er kam als erster deutscher Außenminister überhaupt in das Konfliktgebiet, um etwa 500 Meter neu errichteter Landebahn des Goma'schen Flughafens in einer feierlichen Zeremonie zu eröffnen. Etwa 14 Millionen Euro Entwicklungshilfe flossen damals in das Projekt, das zunächst als Unterstützung der UN-Truppen und der Monusco Blauhelmmission im Ostkongo gedacht war. Doch der Flughafen nimmt später auch eine zentrale Rolle in den lokalen Konflikten ein: die kongolesische Armee nutzt ihn als Waffenlager; die Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März), nehmen im November 2012 den Flughafen und dann ganz Goma für 11 Tage blutig ein. Bis heute ist die Lage in der Demokratischen Republik Kongo unübersichtlich und von Ausschreitungen und Krisen geprägt: Rebellengruppen und Milizen kämpfen um politischen Einfluss, die Regierungsarmee schlägt zurück; Korruption, Armut und zuletzt die Ebola-Epidemie setzen dem Land zudem zu. Goma liegt dabei strategisch wichtig an der Grenze zu Ruanda und wurde so Anlaufpunkt für Flüchtlinge und internationale Hilfsorganisationen. Von Liebe, Frust und Freundschaft oder Wenn Berliner einen Flughafen bauen Standbild aus Congo Calling: Foto: jip. Mit Steinmeiers Rede beginnt auch der Film „Congo Calling“ (2019; Regie Stephan Hilpert), gleich danach im harten Cut folgen Szenen mit Straßenkindern, die bedröhnt in die Kamera blicken. Dazwischen Peter Merten, der dort ein Projekt leitet. Merten, seit drei Jahrzehnten als Entwicklungshelfer auf dem Afrikanischen Kontinent unterwegs, ist einer von drei ProtagonistInnen, die Dokumentarfilmer Hilpert in seinem sensiblen Werk begleitet: Raul, einen alten Freund Hilperts, der als Wissenschaftler im Kongo arbeitet und mit dessen Selbstzweifeln und Aushandlungsversuchen die Idee zum Film überhaupt erst begann; Anne-Laure, die sich in einen kongolesischen Aktivisten der Lucha verliebt hat und nun bei einem Musikfestival volontiert und Peter Merten, der nach seinem 65. Lebensjahr plötzlich keine Anstellung mehr bekommt und wehmütig zurück nach Deutschland kehren muss. „Es ist schon verwunderlich“, witzelt Merten dann auf dem Podium, „dass ausgerechnet die Berliner kamen, um in Goma einen Flughafen zu bauen“. Er stellt die Absurdität der Szene damit nochmals in einen aktuellen Kontext. Stephan Hilperts HFF-Abschlussfilm stellt dabei nicht die Konflikte des Landes in den Mittelpunkt, sondern vielmehr die derer, „über die wir wirklich etwas sagen konnten." Die individuellen Probleme und Umgangsweisen der drei Europäer*innen werden den Zuschauenden dabei sehr nah, ihre Zerrissenheit zwischen Liebe, Frust und Freundschaft nachfühlbar gemacht. Eine investigative Systemkritik liefert der Film eher auf den zweiten Blick. Darauf lag dann entsprechend stärker der Fokus in der Podiumsdiskussion, die sich an die vollkommen ausgebuchte Filmvorführung anschloss. Sinnvoll oder sinnlos? Die Praxis der Entwicklungshilfe im PrüfstandP Peter Merten in Congo Calling; Standbild aus dem Film; Foto: jip. Häufig zweifle er an Projekten, beschreibt Merten etwa, „dann dachte ich auch: das hat doch alles keinen Sinn und habe aufgehört“. Oft seien die Projekte auch mit wirtschaftlichen und politischen Interessen in der Region verknüpft: „Mir wurde dann auch klar, dass, wenn ich da weitermache, dass ich dann auch die deutschen Wirtschaftsinteressen vertreten werde. So liest sich das dann auch, die Liste der Projekte“. Hilfe käme an, so Merten weiter, aber „es liegt an jedem Experten selbst, was er draus macht“. Das habe oft auch dazu geführt, dass er eher ein „Entwicklungshelfer mit Ecken und Kanten“ gewesen sei. Standbild aus Congo Calling. Foto: jip. Auch die Sozial- und Kulturanthropologin Andrea Behrends beschreibt Machtasymmetrien und Abhängigkeiten, die ihr in ihren Forschungen im Tschad begegnet sind. Westliche Erdölfirmen etwa schufen Enklaven, die lokale Gegebenheiten größtenteils ausblendeten. Zögen sie weiter, bliebe dann selten etwas von dem Reichtum nachhaltig auch im Land; gleichzeitig seien Hilfsprojekte und Nichtregierungsorganisationen jedoch auch ein wirtschaftlicher Markt für sich. Krisensituationen erhielten so ihre ganz eigene Dynamik; häufig bildeten westliche Projekte erst Arbeitsmöglichkeiten, die durchaus positiven Einfluss auf die lokale Wirtschaft hätten. Gleichzeitig müsse man sich jedoch der langfristigen Konsequenzen des westlichen Eingreifens auch bewusst sein. Ebenso wie „Congo Calling“ stellen auch die Podiumsteilnehmenden den Zwiespalt der Etwicklungszusammenarbeit heraus: Auf der einen Seite sind Menschen und lokale Märkte in einer neokolonialen Abhängigkeit vom Westen gefangen, auf der anderen Seite sind Interventionen gerade auch in humanitären Krisen wichtig; Auf der einen Seite fordern lokale Gegebenheiten häufig unbürokratisches Handeln, auf der anderen Seite sind Helfende selbst handlungsunfähig in einem System, das von ihnen verlangt, sich an genaue bürokratische Vorgehensweisen zu halten. Das Machtgefälle sei deshalb sehr groß, die wirtschaftliche Macht des Westens extrem: „Kinder, wie diese im Film, die in die Kamera sagen, sie wollen so leben wie die Weißen und ein Haus und Essen, das wird einem vor Ort tagtäglich so vorgeführt. selbst wenn du dich noch so stark engagierst, wirst du als Weiße*r immer auch mit dieser wirtschaftlichen Macht in Verbindung gebracht - das kann man gar nicht wegdenken“. Machtgefälle und Rassismen, etwa auch in Forschungsprojekten abzubauen, fiele deshalb außerordentlich schwer: Auch die unabhängige Wissenschaft sei schließlich dann doch abhängig davon, dass Projekte gefördert würden. Kein Interesse mehr an Afrika!? Vom Anprangern neokolonialer Tendenzen und der Wirkmacht im Kleinen Das Podium im Gespräch; von links nach rechts: Andrea Behrends; Peter Merten; Julia Baumann; Stephan Hilpert; Foto: Caroline Bunge. Auch in der Film- und Fernsehindustrie ließen sich solche Abhängigkeiten durchaus wiederfinden, so der Regisseur Hilpert. Afrikanische Filmemacher*innen etwa hätten es auf dem europäischen Markt sehr schwer. Filmförderungen seien in den Ländern selbst aber auch kaum aufzutreiben. Auch Hilpert beschreibt die Schwierigkeiten für seinen Film, etwa einen Verleih und Ausstrahlungsmöglichkeiten zu finden – man werde hier oft konfrontiert mit dem Satz „Afrika, das interessiert doch keinen mehr“. Auf die Frage, was jede*r einzelne hier zu einer Verbesserung der Situation beitragen könne, betonen alle drei Teilnehmende*n die komplexe Situation in der internationalen Zusammenarbeit. „Man kann diese Frage nicht einfach beantworten“, so Hilpert. „Ich habe immer mehr gemerkt, wie kompliziert das alles ist und welche Spannungen unser Einmischen in anderen Teilen der Welt mit sich bringen kann. Ich hoffe, dass wir dafür ein Bewusstsein geschaffen haben mit dem Film“. Man müsse aber auch hier das eigene Verhalten, etwa das Konsumverhalten überdenken und sich der Konsequenzen bewusst werden; die Politik habe hier häufig kein Interesse daran, da Wirtschaftsbeziehungen und Absatzmärkte oft nicht aufs Spiel gesetzt werden könnten. „Es gibt wenige , die sich wirklich einen Kopf machen, wie das weiter geht mit der Entwicklungszusammenarbeit. Da muss man sich jetzt Gedanken machen“, so Merten. Hier müsse man dann auch verstärkt die Perspektive der Menschen vor Ort miteinbeziehen. Auch Behrends betont, man müsse „mutig sein, auch anderen Meinungen zuzuhören und mutig sein, manchmal auch gegen den Strom zu schwimmen“. Hier sei auch die Politik gefordert, denn „wie kann man Veränderungen herbeiführen, wenn dann auch Fluchtursachenbekämpfung immer noch über die korrupten Regierungen läuft?“. Am Ende käme es jedoch viel auf die individuelle Ebene an; in dieser und im Kleinen seien merkbarer Änderungen zu vollziehen. Genau dies habe der Film „Congo Calling“ gekonnt gezeigt. Die Botschaft sei nicht, “das wird jetzt sowieso alles nix“, so Hilpert abschließend. Aber eine einfache Lösung gebe es eben auch nicht. „Am Ende glaube ich aber auch, dass die Welt im Kleinen irgendwie schon besser wird, vor allem durch Einzelpersonen, die mit großem Einsatz und großer Energie dafür kämpfen“. Mehr zum Film: https://jip-film.de/congo-calling/ Podiumsteilnehmer*innen: Stephan Hilpert (Regisseur und Filmemacher), Peter Merten (Soziologe und Entwicklungshelfer), Andrea Behrends (Sozial- und Kulturanthropologin der Universität Bayreuth)Veranstaltungsleitung, Moderation und Text: Julia Baumann Die 14km de:kolonial Film- und Diskussionsreihe wurde gefördert von:


Um einen Unterschied zu machen

Praktikumsbericht von Esmeralda bei Acting for Change in Jordanien

                            Ich habe im Juli und August 2017 mein Pflichtpraktikum bei Acting for Change in Jordanien absolviert. Acting for Change ist eine sehr kleine NGO die im Flüchtlingsdorf Zaatari in der Nähe der syrischen Grenze  arbeitet.    Besonders  fokussiert  ist  sie  auf  die  Bildung  von  Kindern  und  community development. Ich habe nach einem Praktikum gesucht um Erfahrung in der administrativen Arbeit einer NGO zu bekommen. Deswegen habe ich viel Büroarbeit gemacht. Also viele legale Dokumente, Projektbeschreibungen,  Blogposts  und  E-Mails  geschrieben.  Da  ich  bereits  Social  Media  Erfahrung habe, habe ich auch den Facebook und den Instagram Account betreut. Außerdem habe ich meine eigene Fundraising Kampagne gestartet um Geld für Eid- Geschenke für die Kinder zu sammeln. Da meine Arbeit ziemlich online fokussiert war und Acting for Change kein richtiges Büro hat, habe ich die meisten Tage von Cafes aus gearbeitet. Gründer Kotaiba war aber immer bei Fragen erreichbar und ich war jederzeit willkommen auch bei ihm Wohnzimmer zu arbeiten. Für mich war das super, weil ich meine Arbeit flexibel einteilen konnte. Eine typische Woche bestand darin, dass ich 3-4 Tage zuhause gearbeitet habe, 1-2 Tage bei Kotaiba war um neue Projekte oder Aufgaben zu besprechen und wir 1- 2 mal nach Zaatari zu Workshops oder Projekten gefahren sind. Mir hat sehr gut gefallen wie viel Vertrauen und Verantwortung ich gleich am Anfang  bekommen habe. Der Gründer und ein anderer Mitarbeiter haben sich am ersten Tag viel Zeit genommen mich gründlich einzuarbeiten und alle Fragen zu beantworten. Auch hat es mich sehr motiviert zu sehen, wie schnell meine Arbeit genutzt wird. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas ohne Mehrwert mache. Meine Posts  konnte  ich  direkt  veröffentlichen  und  andere  Dokumente  wurden  schnell  abgesegnet  und verschickt, benutzt oder veröffentlicht Auch habe ich die Freiheiten, die mir gelassen wurden, sehr geschätzt. Natürlich sind mir auch mal Fehler in E-Mails oder Social media posts unterlaufen. Aber Kotaiba war immer sehr verständnisvoll und dankbar für meine Arbeit. Das Arbeitsklima war sehr gut, und alle Mitarbeitenden waren mit Herz bei ihrer Sache. Wir haben auch unabhängig von der Arbeit etwas unternommen und sogar eine Geburtstagsparty für Kotaiba organisiert.                             Die Organisation ist von internationalen Freiwlligen abhängig. Die meisten anderen Freiwilligen die dort gearbeitet haben, waren dort, um eigene Projekte zu verwirklichen. Es gab während der Zeit, in der ich dort war, zum Beispiel einen Fotographieworkshop und das Young Journalists Projekt. Wer also gern direkt mit syrischen Flüchtlingskindern arbeiten will und eine eigene Projektidee hat, dem kann ich Acting for Change wärmstens empfehlen. Und wer Lust auf administrative oder Marketing-Arbeit hat, sollte eigenständig arbeiten können und ebenso eigene Ideen mitbringen. Kotaiba ist bei Projekten sehr offen und jede Hilfe ist willkommen. Da die NGO aber wirklich sehr klein ist, und sich fast alle Mitarbeiter noch im Studium befinden, sollte man beachten, dass die Arbeit eher nach dem „Trial-and- error“ Prinzip funktioniert. Konkrete Anleitungen für etwas habe ich eigentlich nie bekommen. Wer also von Experten lernen will, ist wohl bei einer internationalen NGO besser aufgehoben. Alles in allem, habe ich viel bei Acting for Change gelernt, tolle Freunde getroffen und in Jordanien eine großartige Zeit verbracht. Es ist beeindruckend wie viel Acting for Change trotz geringer Mittel auf die Beine stellt. Arbeit und Finanzen werden extrem effektiv genutzt. Wer während seines Praktikums wirklich einen Unterschied machen will und sich für lokale Basisarbeit begeistern kann ist bei Acting for Change gut aufgehoben. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Den Alltag einer Entwicklungs-NGO kennenlernen

Abschlussbericht von Johanna bei New Horizon in Kairo

Johanna bei den Pyramiden Anfang dieses Jahres bin ich zu einem dreimonatigen Praktikum nach Kairo aufgebrochen. Ich war natürlich super aufgeregt, da ich schon viel von Kairo gehört hatte: es wurde mir als laut, riesig und unübersichtlich beschrieben. Und der Verkehr sei wohl grauenhaft. Fast alle meine Erwartungen wurden auch bestätigt. Kairo ist sehr laut, staubig und schmutzig. Und alles ist voller Autos. Aber es ist eine wunderschöne Stadt! Ich habe in einer WG in Mohandiseen mit sechs weiteren Europäern gewohnt, auf die ich durch Zufall gestoßen bin. Die Wohnung war sehr schön und durch meine vielen Mitbewohner hab ich mich von Anfang an nicht so alleine gefühlt. Khan El-Khalili in Kairo Ich war erstaunt darüber, wie schnell ich mich orientieren konnte. Nach ein paar Tagen konnte ich den Taxifahrern meist schon den Weg sagen. Ich habe mich hauptsächlich mit dem Taxi fortbewegt, oder mit Careem, einer App, über die man ein privates Auto bestellen kann (wie Uber) und deren Fahrer einen nicht so schnell übers Ohr ziehen (sehr zu empfehlen, wenn man den Weg und Preis nicht kennt). Mit der Metro bin ich auch öfters gefahren, aber eher wenn im Feierabendverkehr, wenn man wirklich nicht mit dem Auto vorankommt. Metro fahren fand ich immer super anstrengend, weil man manchmal wirklich kämpfen muss, um in den Wagen rein oder aus ihm raus zu kommen. Aber es ist sehr günstig und praktisch. Wäre das Metro-Netz besser ausgebaut, hätte ich sie auch öfters genutzt. Ich war sehr glücklich darüber, dass ich mich halbwegs auf Arabisch verständigen konnte. Es war selten, dass ein Verkäufer oder Taxifahrer mal Englisch sprach und es kommt mir unmöglich vor, sich ohne Arabisch in Ägypten zurecht zu finden. Aber viele meiner Mitbewohner sprachen kein Arabisch und haben es auch so geschafft. Ich war mehrere Male in Alexandria. Es kostet von Kairo nur 5€ mit dem Zug und ist wirklich eine schöne Abwechslung. Ein paar Tage war ich in Hurghada tauchen. Die Stadt ist hässlich und eigentlich nur auf Touristen ausgelegt, außerdem wollten uns wirklich alle abziehen. Aber es ist unglaublich schön und auch billig einfach den ganzen Tag auf dem Boot zu verbringen und tauchen zu gehen. Ein Wochenende habe ich auf Sekem verbracht, einer biologischen Farm in der Nähe von Kairo. Das hat mal sehr gut getan, da hier die Luft so rein war - und man konnte die Sterne sehen und keine Autos hören. Außerdem war ich in Assuan, im Süden von Ägypten. Der Nil ist hier super schön und es ist meiner Meinung noch einmal eine ganz andere Erfahrung als der Norden. Am meisten habe ich mich während meines Aufenthalts in den Nil und in türkischen Kaffee verliebt. Ich hätte auch den ganzen Tag von Straßencafé zu Straßencafé tingeln können, um Kaffee oder schwarzen Tee zu trinken und die Stadt zu genießen. Und das ägyptische Frühstück ist soo lecker. Typisches ägyptisches Frühstück Natürlich bekommt man aber auch die anderen Seiten mit. Die vielen Straßenkinder überall, heimatlose Tiere, Müllberge. Das Gefühl, nicht wirklich frei zu sein in dem, was du tust und sagst. Während meiner Zeit dort sind immer wieder kleine Dinge passiert, die mich sehr bedrückt haben. Beispielsweise der Tod von Giulio Regeni oder die willkürliche Verhaftung und Tötung von Jugendlichen, nur um ein Zeichen zu setzen und Angst zu schüren. Und ich habe keinen Weg gefunden, mit solchen Situationen umzugehen. Ich selbst habe mich aber fast immer sehr sicher gefühlt. Nur wenn dir immer wieder Leute sagen, dass es gefährlich für dich sei und „Mach dies nicht, tu das nicht“ – das  verwirrt. Ich habe mich nie verschleiert, auch manchmal T-Shirts getragen und das war völlig in Ordnung. Aber natürlich muss man sich viel auf der Straße anhören und in manchen Vierteln mit ungeteilter Aufmerksamkeit rechnen. Ich fand, ich konnte mich sicher in den Straßen bewegen, aber es war jedes Mal wieder eine neue Herausforderung und auch immer wieder anstrengend. In Vierteln wie Zamalek ist es dann ganz anders. Hier halten sich so viele Ausländer auf – da fällt man gar nicht mehr auf. Zum Praktikum New Horizon Association for Social Development ist eine 2003 gegründete ägyptische NGO für soziale Entwicklung mit Sitz in Kairo, Ägypten. Die Organisation setzt sich für die soziale, wirtschaftliche, politische und gesundheitliche Förderung der ärmsten und marginalisiertesten Bevölkerungsschichten des Landes ein, mit besonderem Augenmerk auf Frauen und Jugendliche. Die Projekte von New Horizon umfassen viele Themen, beispielsweise Women Empowerment, wirtschaftliche Stärkung der Gesellschaft, Förderung der Jugend, Schutz gefährdeter Kinder (Straßenkinder, arbeitender Kinder...), Förderung der (biologischen) Landwirtschaft, Umweltschutz, Förderung politischer Bildung und Partizipation sowie die Stärkung lokaler Nicht-Regierungs-Organisationen. Kaffee und Tee In der Kommunikations-und Fundraising-Abteilung arbeiten drei Mitarbeiter: Sarah, Nourhan und Mario. Alle drei empfingen mich herzlich und kümmerten sich sofort um mich, so dass ich mich sehr schnell wohl fühlte. Die Aufgaben dieser Abteilung bestehen insbesondere darin, neue Projekte zu entwickeln, Fördergeldanträge und Projektanträge zu erstellen und den Kontakt zu Förderern, Projekt- Partnern und Zielgruppen aufzunehmen und zu pflegen. Ich unterstützte meine Kollegen in diesem Büro durch viele verschiedene Aufgaben. Ich recherchierte und übersetzte, half bei Überlegungen zu neuen Projekten, bei der Mitgestaltung der Website, bei der Erstellung von Projekt-Zusammenfassungen und Konzept Notes. Meine Arbeit machte mir aber nicht nur Spaß, weil es einfach super interessant war das Alltagsleben einer NGO einmal kennenzulernen, sondern auch, weil ich mich sehr gut mit meinen Kollegen verstand. Neben der Arbeit genoss ich die Zeit mit ihnen sehr. Die Stimmung war immer offen und entspannt. Wir trafen uns auch manchmal am Wochenende, fuhren zusammen nach Alexandria, schauten uns einen Sufi-Tanz an und gingen essen oder Kaffee trinken. So hatte ich jeden Tag gleich mehrere Gründe, mich auf die Arbeit zu freuen. Die Tätigkeiten, die ich während des Praktikums wahrgenommen habe, waren vielfältig. Sie waren allerdings nicht so anspruchsvoll, wie ich erwartet hatte, da ich leider nicht genügend Erfahrung und Kenntnisse hatte, um beispielsweise Projektanträge zu schreiben. Schon die Erstellung eines Konzept Notes viel mir sehr, sehr schwer. In den ersten Tagen las ich hauptsächlich alle Informationen zu alten Projekten durch, was mir einen guten und wichtigen Überblick über die NGO verschaffte und mich auf meine weitere Arbeit vorbereitete. Ich führte überwiegend Recherche zu Trainingsmöglichkeiten für die Mitarbeiter durch, suchte nach Calls for Proposals, nach möglichen finanzierenden Stiftungen und Organisationen, insbesondere im CSR-Bereich. Ich wusste vorher nicht, wie viel Zeit solche Recherchen beanspruchen. Auf Dauer brauchte ich aber auch mal eine Abwechslung. Zu viel Recherche machen ist wirklich auslaugend! Mit Kolleginnen in Alexandria Da die Website der Organisation schon jahrelang nicht mehr aktualisiert wurde und veraltet ist, beschlossen meine Kollegen, eine völlig neue Website zu kreieren, mit neuen Texten, Geschichten und Bildern. Ich half bei Überlegungen zu ihrem Aufbau, und beim Verfassen von Texten, beispielsweise für das Programm und die Zielgruppen. Da wir eine Zeit lang viel Arbeit hatten und meine Kollegen keine Zeit dafür hatten, durfte ich mich an einer Übersetzung vom Arabischen ins Englisch probieren. Es waren Texte über die Programme und Projekte von anderen kleinen NGOs in Ägypten, die schon einmal mit New Horizon zusammen gearbeitet hatten. An dieser Aufgabe saß ich fast zwei Wochen, aber es machte mir viel Spaß. Hier hatte ich endlich mal das Gefühl, mein im Studium erlangtes Wissen auch einbringen zu können! Der Arbeitsalltag variierte von Tag zu Tag und von Woche zu Woche. Eine Zeit lang gab es einige Fristen für Projektanträge bei der EU, die eingehalten werden mussten, so dass alles sehr stressig war und sehr schnell vorangehen musste. Dann gab es wieder ein paar sehr entspannte Tage, an denen wir uns Zeit lassen konnten. Die Zusammenarbeit innerhalb meiner Abteilung ist sehr eng, da oft alle drei Mitarbeiter an unterschiedlichen Aspekten des gleichen Projektes arbeiten. Zudem gab es auch immer einen regen Austausch über aktuelle Projekte, Fristen, Ideen und Probleme. Leider konnte ich an den meisten Meetings nicht teilnehmen, da alles auf Arabisch stattfand, und ich vor allem zu Beginn kaum etwas vom ägyptischen Dialekt verstehen konnte. Ich war insgesamt sehr enttäuscht darüber, dass ich kaum etwas aus meinem bisherigen Studium einbringen konnte. Insgesamt bin ich aber sehr glücklich, dieses Praktikum gemacht zu haben. Ich kann mir jetzt vorstellen, später auch in dem Bereich Entwicklungshilfe oder ähnlichem zu arbeiten. Und vor allem ist Ägypten ein so schönes Land. Ich vermisse Kairo und plane schon, so bald wie möglich wieder dorthin zu fliegen. Nur dieses Mal für einen Sprachkurs :-) Der Nil in Assuan am frühen Morgen Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Netzwerkbildung und -pflege für EntwicklungsZUSAMMENarbeit in Marokko

Abschlussbericht von Lisa bei der High Atlas Foundation

Ich habe nach meinem Studium der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft ein  Praktikum  machen  wollen,  dass  mir  praktische  Einblicke  in  die  verschiedenen Aspekte  meines  Studiums  ermöglicht.  Marokko  war  mit  seinem  politischen  und wirtschaftlichen System ein besonderer Anreiz, da es von den mir bisher bekannten Systemen abweicht. Die High Atlas Foundation hat als NGO die Mission nachhaltige Entwicklung durch  den Aufbau von Self-Empowerment in den ländlichen Regionen Marokkos zu fördern. Diese Mission wird unter anderem durch die Optimierung der Infrastruktur für Bildung und  die  Förderung  des  Aufbaus  von  wirtschaftlichen  Kooperationen,  speziell  in  der Landwirtschaft, umgesetzt. Durch  mein  Praktikum  habe  ich  Einblicke  in  den  täglichen  Prozess  von Entwicklungszusammenarbeit  bekommen.  Ein  Grundpfeiler  der Entwicklungszusammenarbeit liegt dabei in dem Bereich der Zusammenarbeit. Für  die  Mitarbeiter  der  Organisation  sind  Netzwerkbildung  und  die  Pflege  der bestehenden  Netzwerke  von  zentraler  Bedeutung  in  ihrer  täglichen  Arbeit.  Dafür wurden  Treffen  für  Austausch  und  Planung,  Veranstaltungen  mit Öffentlichkeitswirkung  in  den  Regionen,  mit  Politikern  und  Verantwortlichen  der Schulen, sowie  auch mit Unterstützern organisiert. Meine Aufgabe im Social Media Praktikum bestand darin, durch die Verwendung der Social-Media-Kanäle die beiden Bereiche der Netzwerkpflege und Netzwerkknüpfung zu unterstützen. Das erforderte von mir selbständiges Arbeiten und zudem die Initiative für ständige Kommunikation und Koordination. Gerade bei den letzten beiden Punkten wurde für mich deutlich, dass es in der High Atlas Foundation einen mir (teilweise) fremden Stil der Koordination und Kommunikation gibt. Das äußerte sich dann darin, dass die Koordination nicht ganz so strukturiert funktioniert hat, wie ich es gewohnt war. Auch die Kommunikation war aufgrund sprachlicher und kultureller Unterschiede an  bestimmten  Punkten  eine  Herausforderung  für  mich  und  hat  mich  sicherlich bereichert. Bereichert in dem Sinne, dass ich gestärkt wurde in der Fähigkeit, mich in einem neuen Arbeitsumfeld auf andere Bedingungen einzustellen und zu lernen, wie ich  diese  beeinflussen  kann.  So war  für  mich  ein  Unterschied zwischen  der Zusammenarbeit  im  Team  zu  Beginn  und  der  Zusammenarbeit  zum  Ende  meiner Tätigkeit feststellbar. Das Team der High Atlas Foundation war zu jeder Zeit sehr freundlich und auch, wenn ich mir öfter gewünscht habe den marokkanischen Dialekt des  Arabischen  zu  verstehen,  gab  es  auf  English  und  Französisch  Wege,  sich  zu verständigen.  Der  besondere  kulturelle  und  politische  Hintergrund  Marokkos  zeigte sich  in  meinem  Praktikum  meiner  Meinung  nach  zum  Beispiel  in  der  besonderen Gewichtung, eine sensible Berichterstattung zu gewährleisten und in der besonderen Rolle,  welche  die  Beteiligung  ausländischer  Partner  in  Marokko  spielt,  damit  die Projekte der NGO wirklich umgesetzt werden konnten. Als Frau in Marokko zu leben ist nicht immer leicht gewesen und als ausländische Frau war  ich  besonders  häufig  das  Ziel  von  Belästigungen.  Ich  hoffe  für  Marokko  und insbesondere  für  Frauen  in  Marokko,  dass  sich  in  der  Hinsicht  etwas  ändert. Grundsätzlich begegnete man mir aber mit Respekt und großer Gastfreundschaft. Rückblickend  bin  ich  der  High  Atlas  Foundation  und  dem  14km  Verein  für  die Ermöglichung  dieser  Zeit  sehr  dankbar.  Ich  kann  das  Praktikum  insbesondere Menschen  deren  Interessen  im  Social  Media  und  Journalismus  Bereich  liegen und/oder  mit  einem  Bildungshintergrund  in  Agrarwissenschaften  empfehlen. Vorteilhaft  sind  Sprachkenntnisse  in  Französisch  und  Arabisch  bzw.  Darija,  und Englisch. Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.  


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News

Neue Infobroschüre zu internationalen Freiwilligendiensten erschienen

Im Zuge der „de:kolonial“ Film- und Diskussionsreihe 2019 hat 14,4km e.V. eine Handreichung für Freiwillige und Anbieterorganisationen entwickelt, die Freiwilligen als Leitfaden […]

Forschen über Dezentralisierung in Tunesien

Von Oktober bis Dezember habe ich ein Praktikum beim Arab Institute for Democracy (AID) absolviert. Die kleine, tunesische Non-Governmental Organisation verfolgt den Prozess der demokratischen Transition, der mit der Revolution 2011 in Gang gesetzt wurde. Damit soll der Übergang zu einer funktionierenden Demokratie begleitet werden.

„White Saviours“ in Aktion? Ein kritischer Blick auf internationale Freiwilligendienste aus drei Perspektiven

Am dritten de:kolonial Film-und Diskussionsabend am 11. September warfen wir einen (auch selbst-)kritischen Blick auf internationale Freiwilligendienste und setzten uns […]

Von Liebe, Frust und Freundschaft oder Wenn Berliner einen Flughafen bauen –

Entwicklungshilfe und internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit auf dem Prüfstand im vierten de:kolonial Film- und Diskussionsabend rDer vierte Film- und Diskussionsabend schloss […]

14km FACEBOOK Posts

Unable to display Facebook posts.
Show error

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