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Frauen in die tunesische Kommunalpolitik

Zwischenbericht von Louisa beim Arab Institute for Democracy in Tunis

Die Zeit verging seit meiner Ankunft in Tunis wie im Fluge. So ist nun schon über die Hälfte meiner Praktikumszeit beim Arab Institute for Democracy in Tunis vergangen. Ich kam etwa eine Woche vor meinem ersten Arbeitstag in Tunis an und verbrachte diese Zeit bei einer sympathischen tunesischen Couchsurferin, da ich zu diesem Zeitpunkt noch auf Zimmersuche war. Die Entscheidung, ohne vorher ein Zimmer zu buchen nach Tunis zu kommen und zunächst zu „couchsurfen“ habe ich im Nachhinein nicht bereut, da ich eine wunderbare Woche mit der Couchsurferin verbrachte, die mich herzlich empfing und mir zusammen mit ihrem Freund ihre Lieblingsorte in Tunis zeigte. Gleichzeitig fand ich ohne größere Schwierigkeiten innerhalb einer Woche ein möbliertes WG-Zimmer in einer Wohnung im Stadtzentrum, die ich nun mit drei sehr netten tunesischen Studentinnen teile. Diese Wohnung hat insbesondere den Vorteil, dass sie in ca. 25 Minuten fußläufiger Entfernung zum Büro des AID liegt. Da öffentliche Verkehrsmittel in Tunis nicht immer zuverlässig sind, kann ich nur empfehlen nicht allzu weit vom Arbeitsplatz entfernt zu wohnen, insbesondere wenn dieser im Stadtzentrum liegt. Das AID ist eine kleine tunesische NGO, die zwar viele Mitglieder und Unterstützer*innen hat, die jedoch im Alltag nicht im Büro anwesend sind. Hier sind meistens 1-2 der Programm-manager*innen anzutreffen, wie zum Beispiel meine Chefin Emna. Ihre Arbeit besteht hauptsächlich in der Vorbereitung und Durchführung von Workshops und Konferenzen, die sich mit Themen wie demokratischer Partizipation und „Local Governance“ befassen. Hier sollen insbesondere junge Menschen über ihre Rechte und Möglichkeiten der politischen Teilhabe informiert werden. Während in Tunesien in der Vergangenheit sehr progressive Frauenquoten für Wahllisten eingeführt wurden, sind Frauen zurzeit leider insbesondere in der Kommunalpolitik noch stark unterrepräsentiert. Daher entstand die Idee, eine Studie zu den „Möglichkeiten und Hindernissen des Empowerments von Frauen in der Local Governance“ durchzuführen, bei der ich Emna nun assistiere. Das Thema ist gerade zum jetzigen Zeitpunkt besonders relevant, da im kommenden Jahr die Kommunalwahlen anstehen, deren Datum nun schon mehrmals verschoben wurde und die nach den Parlaments- und den Präsidentschaftswahlen (zumindest auf  formaler Ebene) den letzten Schritt des demokratischen Transitionsprozesses darstellen. Das Thema ist sehr spannend, wobei mir oft selbst überlassen ist wie ich meine Zeit im Büro gestalte und strukturiere. Es ist also viel Selbstständigkeit gefragt und ich verbringe viel Zeit mit Hintergrundrecherchen zu möglichen Interviewpartnern, zum historischen und politischen Kontext Tunesiens sowie zu tagespolitischen Ereignissen. Mir bietet sich hier außerdem eine gute Gelegenheit, mich im Durchführen und Transkribieren von Interviews zu üben, wobei ich gleichzeitig meine Französischkenntnisse auffrische. Des Weiteren habe ich die Gelegenheit, einen Abendkurs in Arabisch am hiesigen Bourguiba-Institut, der staatlichen Sprachschule, zu belegen. In diesem Sinne, kann ein solches Praktikum meiner Meinung nach sehr einsichtsreich sein und stellt eine gute Gelegenheit dar, sich in die Geschichte und aktuellen Geschehnisse in Tunesien hinein zu vertiefen - allerdings unter der Voraussetzung, dass die*der Praktikant*in eigene Fragen an die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation und viel Selbstständigkeit mitbringt. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Den Alltag einer Entwicklungs-NGO kennenlernen

Abschlussbericht von Johanna bei New Horizon in Kairo

Johanna bei den Pyramiden Anfang dieses Jahres bin ich zu einem dreimonatigen Praktikum nach Kairo aufgebrochen. Ich war natürlich super aufgeregt, da ich schon viel von Kairo gehört hatte: es wurde mir als laut, riesig und unübersichtlich beschrieben. Und der Verkehr sei wohl grauenhaft. Fast alle meine Erwartungen wurden auch bestätigt. Kairo ist sehr laut, staubig und schmutzig. Und alles ist voller Autos. Aber es ist eine wunderschöne Stadt! Ich habe in einer WG in Mohandiseen mit sechs weiteren Europäern gewohnt, auf die ich durch Zufall gestoßen bin. Die Wohnung war sehr schön und durch meine vielen Mitbewohner hab ich mich von Anfang an nicht so alleine gefühlt. Khan El-Khalili in Kairo Ich war erstaunt darüber, wie schnell ich mich orientieren konnte. Nach ein paar Tagen konnte ich den Taxifahrern meist schon den Weg sagen. Ich habe mich hauptsächlich mit dem Taxi fortbewegt, oder mit Careem, einer App, über die man ein privates Auto bestellen kann (wie Uber) und deren Fahrer einen nicht so schnell übers Ohr ziehen (sehr zu empfehlen, wenn man den Weg und Preis nicht kennt). Mit der Metro bin ich auch öfters gefahren, aber eher wenn im Feierabendverkehr, wenn man wirklich nicht mit dem Auto vorankommt. Metro fahren fand ich immer super anstrengend, weil man manchmal wirklich kämpfen muss, um in den Wagen rein oder aus ihm raus zu kommen. Aber es ist sehr günstig und praktisch. Wäre das Metro-Netz besser ausgebaut, hätte ich sie auch öfters genutzt. Ich war sehr glücklich darüber, dass ich mich halbwegs auf Arabisch verständigen konnte. Es war selten, dass ein Verkäufer oder Taxifahrer mal Englisch sprach und es kommt mir unmöglich vor, sich ohne Arabisch in Ägypten zurecht zu finden. Aber viele meiner Mitbewohner sprachen kein Arabisch und haben es auch so geschafft. Ich war mehrere Male in Alexandria. Es kostet von Kairo nur 5€ mit dem Zug und ist wirklich eine schöne Abwechslung. Ein paar Tage war ich in Hurghada tauchen. Die Stadt ist hässlich und eigentlich nur auf Touristen ausgelegt, außerdem wollten uns wirklich alle abziehen. Aber es ist unglaublich schön und auch billig einfach den ganzen Tag auf dem Boot zu verbringen und tauchen zu gehen. Ein Wochenende habe ich auf Sekem verbracht, einer biologischen Farm in der Nähe von Kairo. Das hat mal sehr gut getan, da hier die Luft so rein war - und man konnte die Sterne sehen und keine Autos hören. Außerdem war ich in Assuan, im Süden von Ägypten. Der Nil ist hier super schön und es ist meiner Meinung noch einmal eine ganz andere Erfahrung als der Norden. Am meisten habe ich mich während meines Aufenthalts in den Nil und in türkischen Kaffee verliebt. Ich hätte auch den ganzen Tag von Straßencafé zu Straßencafé tingeln können, um Kaffee oder schwarzen Tee zu trinken und die Stadt zu genießen. Und das ägyptische Frühstück ist soo lecker. Typisches ägyptisches Frühstück Natürlich bekommt man aber auch die anderen Seiten mit. Die vielen Straßenkinder überall, heimatlose Tiere, Müllberge. Das Gefühl, nicht wirklich frei zu sein in dem, was du tust und sagst. Während meiner Zeit dort sind immer wieder kleine Dinge passiert, die mich sehr bedrückt haben. Beispielsweise der Tod von Giulio Regeni oder die willkürliche Verhaftung und Tötung von Jugendlichen, nur um ein Zeichen zu setzen und Angst zu schüren. Und ich habe keinen Weg gefunden, mit solchen Situationen umzugehen. Ich selbst habe mich aber fast immer sehr sicher gefühlt. Nur wenn dir immer wieder Leute sagen, dass es gefährlich für dich sei und „Mach dies nicht, tu das nicht“ – das  verwirrt. Ich habe mich nie verschleiert, auch manchmal T-Shirts getragen und das war völlig in Ordnung. Aber natürlich muss man sich viel auf der Straße anhören und in manchen Vierteln mit ungeteilter Aufmerksamkeit rechnen. Ich fand, ich konnte mich sicher in den Straßen bewegen, aber es war jedes Mal wieder eine neue Herausforderung und auch immer wieder anstrengend. In Vierteln wie Zamalek ist es dann ganz anders. Hier halten sich so viele Ausländer auf – da fällt man gar nicht mehr auf. Zum Praktikum New Horizon Association for Social Development ist eine 2003 gegründete ägyptische NGO für soziale Entwicklung mit Sitz in Kairo, Ägypten. Die Organisation setzt sich für die soziale, wirtschaftliche, politische und gesundheitliche Förderung der ärmsten und marginalisiertesten Bevölkerungsschichten des Landes ein, mit besonderem Augenmerk auf Frauen und Jugendliche. Die Projekte von New Horizon umfassen viele Themen, beispielsweise Women Empowerment, wirtschaftliche Stärkung der Gesellschaft, Förderung der Jugend, Schutz gefährdeter Kinder (Straßenkinder, arbeitender Kinder...), Förderung der (biologischen) Landwirtschaft, Umweltschutz, Förderung politischer Bildung und Partizipation sowie die Stärkung lokaler Nicht-Regierungs-Organisationen. Kaffee und Tee In der Kommunikations-und Fundraising-Abteilung arbeiten drei Mitarbeiter: Sarah, Nourhan und Mario. Alle drei empfingen mich herzlich und kümmerten sich sofort um mich, so dass ich mich sehr schnell wohl fühlte. Die Aufgaben dieser Abteilung bestehen insbesondere darin, neue Projekte zu entwickeln, Fördergeldanträge und Projektanträge zu erstellen und den Kontakt zu Förderern, Projekt- Partnern und Zielgruppen aufzunehmen und zu pflegen. Ich unterstützte meine Kollegen in diesem Büro durch viele verschiedene Aufgaben. Ich recherchierte und übersetzte, half bei Überlegungen zu neuen Projekten, bei der Mitgestaltung der Website, bei der Erstellung von Projekt-Zusammenfassungen und Konzept Notes. Meine Arbeit machte mir aber nicht nur Spaß, weil es einfach super interessant war das Alltagsleben einer NGO einmal kennenzulernen, sondern auch, weil ich mich sehr gut mit meinen Kollegen verstand. Neben der Arbeit genoss ich die Zeit mit ihnen sehr. Die Stimmung war immer offen und entspannt. Wir trafen uns auch manchmal am Wochenende, fuhren zusammen nach Alexandria, schauten uns einen Sufi-Tanz an und gingen essen oder Kaffee trinken. So hatte ich jeden Tag gleich mehrere Gründe, mich auf die Arbeit zu freuen. Die Tätigkeiten, die ich während des Praktikums wahrgenommen habe, waren vielfältig. Sie waren allerdings nicht so anspruchsvoll, wie ich erwartet hatte, da ich leider nicht genügend Erfahrung und Kenntnisse hatte, um beispielsweise Projektanträge zu schreiben. Schon die Erstellung eines Konzept Notes viel mir sehr, sehr schwer. In den ersten Tagen las ich hauptsächlich alle Informationen zu alten Projekten durch, was mir einen guten und wichtigen Überblick über die NGO verschaffte und mich auf meine weitere Arbeit vorbereitete. Ich führte überwiegend Recherche zu Trainingsmöglichkeiten für die Mitarbeiter durch, suchte nach Calls for Proposals, nach möglichen finanzierenden Stiftungen und Organisationen, insbesondere im CSR-Bereich. Ich wusste vorher nicht, wie viel Zeit solche Recherchen beanspruchen. Auf Dauer brauchte ich aber auch mal eine Abwechslung. Zu viel Recherche machen ist wirklich auslaugend! Mit Kolleginnen in Alexandria Da die Website der Organisation schon jahrelang nicht mehr aktualisiert wurde und veraltet ist, beschlossen meine Kollegen, eine völlig neue Website zu kreieren, mit neuen Texten, Geschichten und Bildern. Ich half bei Überlegungen zu ihrem Aufbau, und beim Verfassen von Texten, beispielsweise für das Programm und die Zielgruppen. Da wir eine Zeit lang viel Arbeit hatten und meine Kollegen keine Zeit dafür hatten, durfte ich mich an einer Übersetzung vom Arabischen ins Englisch probieren. Es waren Texte über die Programme und Projekte von anderen kleinen NGOs in Ägypten, die schon einmal mit New Horizon zusammen gearbeitet hatten. An dieser Aufgabe saß ich fast zwei Wochen, aber es machte mir viel Spaß. Hier hatte ich endlich mal das Gefühl, mein im Studium erlangtes Wissen auch einbringen zu können! Der Arbeitsalltag variierte von Tag zu Tag und von Woche zu Woche. Eine Zeit lang gab es einige Fristen für Projektanträge bei der EU, die eingehalten werden mussten, so dass alles sehr stressig war und sehr schnell vorangehen musste. Dann gab es wieder ein paar sehr entspannte Tage, an denen wir uns Zeit lassen konnten. Die Zusammenarbeit innerhalb meiner Abteilung ist sehr eng, da oft alle drei Mitarbeiter an unterschiedlichen Aspekten des gleichen Projektes arbeiten. Zudem gab es auch immer einen regen Austausch über aktuelle Projekte, Fristen, Ideen und Probleme. Leider konnte ich an den meisten Meetings nicht teilnehmen, da alles auf Arabisch stattfand, und ich vor allem zu Beginn kaum etwas vom ägyptischen Dialekt verstehen konnte. Ich war insgesamt sehr enttäuscht darüber, dass ich kaum etwas aus meinem bisherigen Studium einbringen konnte. Insgesamt bin ich aber sehr glücklich, dieses Praktikum gemacht zu haben. Ich kann mir jetzt vorstellen, später auch in dem Bereich Entwicklungshilfe oder ähnlichem zu arbeiten. Und vor allem ist Ägypten ein so schönes Land. Ich vermisse Kairo und plane schon, so bald wie möglich wieder dorthin zu fliegen. Nur dieses Mal für einen Sprachkurs :-) Der Nil in Assuan am frühen Morgen Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Netzwerkbildung und -pflege für EntwicklungsZUSAMMENarbeit in Marokko

Abschlussbericht von Lisa bei der High Atlas Foundation

Ich habe nach meinem Studium der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft ein  Praktikum  machen  wollen,  dass  mir  praktische  Einblicke  in  die  verschiedenen Aspekte  meines  Studiums  ermöglicht.  Marokko  war  mit  seinem  politischen  und wirtschaftlichen System ein besonderer Anreiz, da es von den mir bisher bekannten Systemen abweicht. Die High Atlas Foundation hat als NGO die Mission nachhaltige Entwicklung durch  den Aufbau von Self-Empowerment in den ländlichen Regionen Marokkos zu fördern. Diese Mission wird unter anderem durch die Optimierung der Infrastruktur für Bildung und  die  Förderung  des  Aufbaus  von  wirtschaftlichen  Kooperationen,  speziell  in  der Landwirtschaft, umgesetzt. Durch  mein  Praktikum  habe  ich  Einblicke  in  den  täglichen  Prozess  von Entwicklungszusammenarbeit  bekommen.  Ein  Grundpfeiler  der Entwicklungszusammenarbeit liegt dabei in dem Bereich der Zusammenarbeit. Für  die  Mitarbeiter  der  Organisation  sind  Netzwerkbildung  und  die  Pflege  der bestehenden  Netzwerke  von  zentraler  Bedeutung  in  ihrer  täglichen  Arbeit.  Dafür wurden  Treffen  für  Austausch  und  Planung,  Veranstaltungen  mit Öffentlichkeitswirkung  in  den  Regionen,  mit  Politikern  und  Verantwortlichen  der Schulen, sowie  auch mit Unterstützern organisiert. Meine Aufgabe im Social Media Praktikum bestand darin, durch die Verwendung der Social-Media-Kanäle die beiden Bereiche der Netzwerkpflege und Netzwerkknüpfung zu unterstützen. Das erforderte von mir selbständiges Arbeiten und zudem die Initiative für ständige Kommunikation und Koordination. Gerade bei den letzten beiden Punkten wurde für mich deutlich, dass es in der High Atlas Foundation einen mir (teilweise) fremden Stil der Koordination und Kommunikation gibt. Das äußerte sich dann darin, dass die Koordination nicht ganz so strukturiert funktioniert hat, wie ich es gewohnt war. Auch die Kommunikation war aufgrund sprachlicher und kultureller Unterschiede an  bestimmten  Punkten  eine  Herausforderung  für  mich  und  hat  mich  sicherlich bereichert. Bereichert in dem Sinne, dass ich gestärkt wurde in der Fähigkeit, mich in einem neuen Arbeitsumfeld auf andere Bedingungen einzustellen und zu lernen, wie ich  diese  beeinflussen  kann.  So war  für  mich  ein  Unterschied zwischen  der Zusammenarbeit  im  Team  zu  Beginn  und  der  Zusammenarbeit  zum  Ende  meiner Tätigkeit feststellbar. Das Team der High Atlas Foundation war zu jeder Zeit sehr freundlich und auch, wenn ich mir öfter gewünscht habe den marokkanischen Dialekt des  Arabischen  zu  verstehen,  gab  es  auf  English  und  Französisch  Wege,  sich  zu verständigen.  Der  besondere  kulturelle  und  politische  Hintergrund  Marokkos  zeigte sich  in  meinem  Praktikum  meiner  Meinung  nach  zum  Beispiel  in  der  besonderen Gewichtung, eine sensible Berichterstattung zu gewährleisten und in der besonderen Rolle,  welche  die  Beteiligung  ausländischer  Partner  in  Marokko  spielt,  damit  die Projekte der NGO wirklich umgesetzt werden konnten. Als Frau in Marokko zu leben ist nicht immer leicht gewesen und als ausländische Frau war  ich  besonders  häufig  das  Ziel  von  Belästigungen.  Ich  hoffe  für  Marokko  und insbesondere  für  Frauen  in  Marokko,  dass  sich  in  der  Hinsicht  etwas  ändert. Grundsätzlich begegnete man mir aber mit Respekt und großer Gastfreundschaft. Rückblickend  bin  ich  der  High  Atlas  Foundation  und  dem  14km  Verein  für  die Ermöglichung  dieser  Zeit  sehr  dankbar.  Ich  kann  das  Praktikum  insbesondere Menschen  deren  Interessen  im  Social  Media  und  Journalismus  Bereich  liegen und/oder  mit  einem  Bildungshintergrund  in  Agrarwissenschaften  empfehlen. Vorteilhaft  sind  Sprachkenntnisse  in  Französisch  und  Arabisch  bzw.  Darija,  und Englisch. Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.  


Ein halber Marokkaner

Abschlussbericht von Felix bei Social Voluntary Services in Marokko

Nun also ist es vorbei. Leider! Hinter mir liegen vier interessante und äußerst abwechslungsreiche marokkanische Monate. Nun also ist es Zeit zu resümieren, auch wenn es schwer fällt, alles Erlebte aus vier Monaten zusammenzufassen.  Mindestens genauso schwer fällt es, alles hinter sich zu lassen. Vier Monate sind keine kurze Zeit. Mit am meisten fehlen wird mir meine Gastfamilie. Hier war ich für vier Monate zu Hause und immer wenn ich von Ausflügen zurück kam, konnte ich mich auch genau so dort fühlen.  Und das, obwohl verglichen mit meinem bisherigem zu Hause, eigentlich alles anders war. Dafür wurde ich hier mit einer Gastfreundschaft aufgenommen, die ich so noch nie erlebt hatte. Ziemlich schnell war ich nichts anderes als ein besonderes Familienmitglied, welches auch genau so von allen behandelt wurde. Traditionelles marokkanisches Gewand: Die Djellaba Einen nicht viel kleineren Teil meiner Zeit in Marokko füllte die Arbeit in der "Ecole Essalah", einer kleinen privaten Vor- und Grundschule nur zwei Straßen von meinem zu Hause entfernt.  Zu meinem Abschied wurde extra eine kleine Party veranstaltet mit allen Kolleginnen und Kollegen, frisch gepresstem Fruchtsaft und für mich gab es extra schokoladenfreien Kuchen.  Sogar ein Abschlussgeschenk gab es: Ich bekam das traditionelle marokkanische Gewand, die Djellaba mit passenden Schuhen! Spätestens jetzt war ich ein richtiger halber Marokkaner. Vor allem die Kinder meiner Klasse schauten nicht schlecht, als sie mich in der traditionellen Kleidung ihrer Eltern sahen. Es war der letzte Tag vor den Winterferien und wir hatten fast das gesamte vergangene Halbjahr miteinander verbracht. Die letzten zwei Monate hatten wir uns dabei mit einem besonderen Projekt beschäftigt: Zusammen studierten wir einen "deutschen" Volkstanz ein. Hunderte Male probten wir zusammen die Choreografie, bis sie am Ende fast perfekt klappte. Von der Direktorin bekamen wir dafür sogar die Möglichkeit, bei einer Schneiderin Kleider für alle Kinder in Auftrag zu geben. Die Aufführung an meinem vorletzten Arbeitstag wurde ein voller Erfolg und die ganze Schule guckte zu. Die Kinder hatten viel Spaß beim Tanzen - nur zum Abschluss beim gefühlt hundertsten Gruppenfoto für Eltern und Lehrer (und mich) verloren einige die Geduld ;) Abschließend kann ich wohl sagen, dass ich die vergangenen vier Monate kein bisschen bereue. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch nie in so kurzer Zeit so viel gelernt und erlebt habe, so viele neue Freunde getroffen habe und so viele verschiede Plätze und Menschen gesehen habe. Wenn ich könnte, würde ich die vier Monate nochmal wiederholen. Wiederkommen werde ich aber auf jeden Fall nach Marokko! :) Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


JOIN OUR 2016 ’14km Film and Discussion Series‘ TEAM!

YOU CAN JOIN THE 2016 '14km Film and Discussion Series' TEAM! - You are interested in North Africa and the Middle East? - You like to volunteer in a young team? - You enjoy to bring people with different cultural backgrounds together? - You are interested in film and documentaries? - You are good in organising? - You can help with project administration, public relations or simply support events? - You like to prepare social, political or cultural topics for our open audience discussions, moderate them, and invite speakers for this purpose? If you answered one or more questions positively, or if you are simply interested, please join our project startup meeting on Monday, 29 February 2016, at 7 pm (19:00), at Caffeteria Buchhhandlung 32, Tucholskystr.32, 10117 Berlin Mitte. 14km.org stands up for exchange and understanding between both neighbouring regions north and south of the Mediterranian Sea, in order to reduce the symbolic distance the Strait of Gibraltar (14km) sets. Since 2013 film and discussion events had been organised about current topics in North Africa or the Middle East. 14km Film and Discussion Series Feel free to contact us: film@14km.org Facebook Event


Kairo in Bewegung

Zwischenbericht von Johanna bei New Horizon

Johanna meldet sich aus ihrem Praktikum bei der New Horizon Association for Social Development in Kairo: Ich bin jetzt seit fast drei Wochen in Kairo und die Zeit verging bisher unglaublich schnell. Auch wenn ich recht viel unterwegs bin, habe ich das Gefühl, dass ich noch kaum etwas gesehen habe. Kairo ist einfach so groß! Alles ist immer in Bewegung, es ist laut, bunt und unübersichtlich. Am meisten genieße ich es, morgens im Taxi zur Arbeit zu sitzen, mit offenem Fenster, und am Nil entlang zu fahren. Oder mich in eines der vielen kleinen Cafés zu setzen, Tee zu trinken und die Leute zu beobachten. Irgendwie mag ich sogar den Geruch hier, eine Mischung aus Müll, Erde und Abgasen. Was mich aber sehr verwirrt und mir Schwierigkeiten bereitet, ist dazwischen abzuwägen, wie ich selbst Situationen erlebe und wie andere dieselben Situationen einschätzen. Ich fühle mich eigentlich sehr sicher hier, werde aber immer wieder aus diesem Gefühl herausgerissen, wenn mich andere davor warnen, mich auf die eine oder andere Weise zu verhalten. Ich bin gespannt, ob ich es in den nächsten drei Monaten noch schaffe, ein angemessenes Mittelmaß zu finden. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


„Ich bin so dankbar für diese Erfahrung“

Praktikumsbericht von Dayala bei CSM in Rabat

Bei der Arbeit mit den Mitarbeiterinnen Meine Zeit in Marokko ist wie im Fluge vergangen und ich wünschte, ich hätte noch länger bleiben können. Insgesamt war ich im Oktober und November 2015 sieben Wochen in Rabat, wo ich ein Praktikum/ Freiwilligendienst bei der NGO Chantiers Sociaux Marocains (CSM) gemacht habe. Wie ich schon in meinem Zwischenbericht nach der Hälfte der Zeit berichtet habe, habe ich im Centre Lalla Meriem gearbeitet, einer Pflegeeinrichtung für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen, mit welchem CSM kooperiert. Von Anfang an war ich total begeistert von Rabat. Obwohl es die Hauptstadt Marokkos ist, ist die Stadt nicht besonders touristisch. Dabei ist sie so sehenswert! In der Medina (Altstadt) ist stets ein turbulentes Treiben, hier kann man die bestens Schnäppchen ergattern, in verwinkelten Gassen das authentischste marokkanische Essen finden (das hier zudem sehr preiswert ist) und seine Freunde innerhalb von ein paar Sekunden inmitten der Menschenmasse verlieren. Abgesehen von einer „Touri-Straße“, in der es die typischen marrokanischen Souvenirs zu kaufen gibt, trifft man hier wirklich keine Touristen. Mit einem Teil meiner Gastfamilie Gewohnt habe ich während meines Praktikums bei einer Gastfamilie in der Nachbarschaft Youssoufia, die etwas außerhalb liegt. Meine Gastfamilie war sehr nett und gastfreundlich. Meine Gastmutter hat die beste Tajine gekocht! Das marokkanische Essen ist wirklich super. Mein Zimmer habe ich mir mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland geteilt, mir der ich auch zusammen im Centre Lalla Meriem gearbeitet habe. Zur Arbeit sind wir immer in einem geteilten Taxi gefahren, so hat die Fahrt nur 5 Dirham (~50 Cent) pro Person gekostet. Unsere Arbeit war mitten im Zentrum im Stadtteil Hassan. Auf dem Weg von Youssoufia in die Innenstadt sind wir jeden Tag an der Stadtruine Chellah vorbei gefahren, eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Rabat. Gegen Ende meines Aufenthalts habe ich es endlich geschafft, mir Chellah anzugucken. Chellah ist wirklich traumhaft, wie ein großer Park, zwischen den ganzen Ruinen wachsen bunte Blumen und Palmen und von überall hört man das Klappern der Störche, die hier überwintern. Ich habe noch nie so viele Störche auf einmal gesehen, auf fast jeder Ruine hatten Störche ihre großen Nester gebaut. In Chellah Die zweite Hälfte meines Aufenthaltes ging noch schneller vorbei als die erste. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass man an einem Ort richtig angekommen ist – dass man kein Tourist (mehr) ist, sondern sich in der Stadt auskennt, einen richtigen Alltag hat, Fortschritte in der Sprache macht und Freunde gefunden hat. Auch auf der Arbeit konnte ich besser mithelfen, da ich die Abläufe, Mitarbeiterinnen und Kinder gut kennengelernt hatte. Ich habe die meiste Zeit auf der Station mit den Kleinsten gearbeitet (Neugeborene bis ca. 2 Jahre) und die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen. Die Babys, die gesund sind, werden alle adoptiert. Natürlich freut man sich immer sehr, wenn ein Kind wieder eine Familie bekommt, aber der Abschied fällt allen trotzdem immer schwer. Es ist schwierig ein Kind gehen zu lassen, wenn man es jeden Tag sieht und sich kümmert und vor allem weiß, dass man es wahrscheinlich nie wieder sehen wird. Ich bewundere die Mitarbeiterinnen im Centre echt für ihre Stärke. Babies, die eine Krankheit oder Behinderung haben, werden meistens nicht adoptiert und verbringen ihr ganzes Leben in der Einrichtung. Ich habe während meiner Arbeit im Centre Lalle Meriem sehr viel gelernt und an Erfahrung mitgenommen. Mit den Mitarbeiterinnen habe ich mich sehr gut verstanden. Mit den meisten habe ich immer auf Französisch gesprochen und dadurch auf jeden Fall auch mein Französisch verbessert. Mit einer Krankenschwester habe ich mich besonders gut verstanden. Sie konnte kein Französisch, aber wir konnten uns trotzdem immer irgendwie gut verständigen. Von ihr habe ich viel Darija (der marokkanische Arabischdialekt) gelernt. Da ich während meines Studiums Hocharabisch gelernt hatte, habe ich dies immer mit den Brocken Darija, die ich konnte, vermischt und wir haben auch viel über Gesten kommuniziert. Sie hat drei Töchter, die ungefähr in meinem Alter sind und hat mich auch ein paar Mal zu sich nach Hause eingeladen. Einmal hat CSM auch ein Malprojekt mit den Grundschulkindern im Centre Lalla Meriem organisiert. Circa 10 Mitarbeiter und Freiwillige von CSM kamen dazu auch in den Centre und wir haben die Hauswände und die Mauer im Eingangsbereich des Geländes bemalt. Das hat nicht nur den Kindern, sondern auch uns allen sehr viel Spaß bereitet und ich habe mein Bestes getan, die Wünsche der Kids (u.a. Sponge Bob und Mickey Mouse umzusetzen). Am Strand mit meinen Gastschwestern und der anderen deutschen Freiwilligen In meiner Freizeit habe ich viel mit meinen neuen marokkanischen Freunden oder den Mitarbeitern von CSM unternommen. Wir waren in Cafés, am Strand (spazieren, zum Baden war es leider zu kalt, als ich da war) oder haben zusammen gekocht. Viele meiner Freunde konnten sehr gut Englisch. Dies hat den Nachteil, dass man natürlich weniger Fortschritte im Marokkanischen macht, aber den Vorteil, dass man tiefere Gespräche führen kann. Mit einer Freundin habe ich aber immer Französisch geredet, da sie meinte, dass ihr Englisch nicht gut wäre. Obwohl mein Französisch auch nicht gut ist, konnten wir uns immer unterhalten und ich habe durch sie auch gute Fortschritte im Französischen gemacht. Der Abschied viel mir sehr schwer, da ich so viele tolle Menschen kennengelernt habe und gerade erst richtig angekommen war. Ich stehe aber immer noch in gutem Kontakt mit meinen Freunden und hoffe, sie dieses Jahr nochmal besuchen zu können! Vielen Dank 14 km e.V. für die Vermittlung dieses tollen Aufenthaltes! Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Twittern für nachhaltige Entwicklung

Zwischenbericht von Lisa bei der High Atlas Foundation in Marrakesh

Seit Anfang Januar bin ich bei der High Atlas Foundation (HAF) in Marrakesch als Praktikantin im Social Media Bereich der NGO. Die Mission der High Atlas Foundation ist:”(…) to catalyze grassroots development in disadvantaged and vulnerable communities in Morocco.” Meine Aufgabe ist die Vermittlung der Arbeit der Organisation an die Öffentlichkeit. Dafür verwende ich Social-Media-Kanäle wie Twitter, Facebook, Emailkampagnen und die Homepage der Organisation. Wir sind ein internationales Team hier im Büro und bringen so verschiedene Perspektiven zusammen. Einige Frauen des Projekts in Ourika habe ich bei einem Training über das Pflanzen von Mandelbäumen kennenlernen dürfen. HAF hat das Ziel, die Selbständigkeit der Frauen zu fördern und dabei nachhaltige Landwirtschaft zu implementieren und in Marokko zu verbreiten. Die Frauen sind sehr herzlich und warm zu mir gewesen und es ist spannend zu sehen wie die Projekte umgesetzt werden. Die Gesichter hinter der Arbeit zu sehen motiviert mich unglaublich. Ich fühle mich sehr wohl in Marokko und bin gespannt, welche neuen Eindrücke ich noch bis April von der Arbeit und dem Land bekomme. Ich bin dem Verein 14 km e.V. sehr dankbar für die gute und unkomplizierte Vermittlung zur HAF.


Migration, Flucht… und weitaus mehr!

14km Film- und Diskussionsreihe - Rückblick auf 2015

Dass die 14km Film- und Diskussionsreihe im Jahr 2015 ein voller Erfolg war kann man leicht beziffern: 381 Personen zählten wir insgesamt als unser Publikum, besonders erfreulich war dabei der gestiegene Anteil an Personen mit persönlichem Migrationshintergund auf 23% (im Vorjahr 16%). Das 14km-Film-Team war mit sechs Ehrenamtlichen sechs mal so groß wie 2014, das verfügbare maximale Budget war mit 2.200 Euro gut dreimal so hoch wie im Jahr zuvor und besonders auffällig: die Anzahl der Veranstaltungen stieg um 100% auf 8 Abendveranstaltungen, die zuletzt in kurzem 3-Wochen-Abstand stattfanden. Auch die Qualität haben wir gesteigert! Basis dafür war unser engagiertes Team, dass nicht mehr nur Deutschland sondern nun auch Europa und insbesondere auch Nordafrika besser repräsentierte. Zusammengesetzt nach den Herkunftsländern Deutschland, Tunesien und Spanien konnten wir so formal unserem Slogan 14km - The shortest distance between North Africa and Europe. gerecht werden und unse Vielfältigkeit auch in unsere inhaltliche Arbeit einfließen lassen. Dazu wurde "14km" auch zum Kern des Titels unserer Reihe, um die Perspektiven beider Seiten des Mittelmeeres in den auf die Filme folgenden Diskussionen besser zu verdeutlichen. Die Filmqualität haben wir bewusst ausgebaut: neben eindrücklichen Indiependent-Dokumentarfilmen zeigten wir auch professionellere Produktionen sowie erstmals auch Spielfilme, die sich zum anschließenden politischen Diskutieren eigneten. Bei der Themenauswahl berücksichtigten wir zuvor noch nicht vertretene Länder (Jemen, Sudan, Westsahara) und widmeten uns auch wichtigen länderübergreifenden Themen (Amazigh, Kinder, Migration, Popmusik, Frauen-Rechte). Bereits zu Beginn des Jahres 2015 stand die Region Nordafrika und Naher Osten im Licht großen allgemeinen Interesses. Das sich dieser Fokus im Jahresverlauf bis ins Extrem steigerte beweist die hohe Aktualität und Bedeutung unserer Arbeit. Kinder im Krieg und auf der Flucht kann man leicht als eines der zentralen Themen des Jahres in der europäischen Medienlandschaft auffinden. Mit dem cineastischen Leckerbissen Schildkröten können fliegen gaben wir diesem Thema einen besonderen Schwerpunkt: der Film spielt zu Beginn der US-Angriffe auf den Irak unter Saddam Hussein 2003 und zeigt das Leid von Kindern in Flüchtlingslagern. Einerseits liegen diese Ereignisse am Beginn einer Kette von Ereignissen, die heute große Wirkung im Irak und Syrien entfalten (Gründe für das Erstarken des "IS"). Andererseits gibt es neuerdings gerade im kurdischen Nordirak, dem Handlungsort des Films, etwas Hoffnung auf ein stabiles politisches System. Um Flüchtlingslager drehte es sich auch bei unserem Abend Migration nach Europa, dem weiteren medialen Kernthema des Jahres. Die immer weiter ansteigenden Flüchtlingsströme aus Syrien hielten die ganze Europäische Union in Atem. Mit dem Film 14 Kilometer - Auf der Suche nach dem Glück legten wir unseren kontrastierenden Fokus auf Migration an der Westseite des Mittelmeers und befassten uns dabei auch mit einer zweiten natürlichen Barriere, deren Kennzeichen ebenso Flüchtlingslager, Schleuser und Tote sind: die Sandmeere der Sahara-Wüsten. Diskutiert wurde dabei natürlich auch das zweite instabile Land der Region: Libyen. Auch wurden verschiedene Motive für Flucht bzw. Migration deutlich: ökonomische Chancenlosigkeit und persönliches Schicksaal. Motive, die über Krieg und Terror hinaus gehen - und zu Beginn des Jahres 2016 in der europäischen Diskussion um illegale Immigration und Kriminalität wieder hoch aktuell sind. Für unsere Reihe hatten wir uns das Ziel gesetzt, nicht nur innerhalb der Diskussionen ein breites Spektrum an Informationen, Eindrücken und Meinungen zu vermitteln, sondern dies auch mittels einer variantenreichen Themenvielfalt zu tun. Nordafrika und der Nahe Osten bestehen eben aus mehr als den bekannten Kriesenherden Syrien und Libyen. Auch anderswo in der Region gibt es Krieg, Terror und Flucht. Etwas weniger im europäischen Fokus steht dabei der Jemen, wo derzeit ein schiitisch-sunnitischer Krieg stellvertretend für die Regionalmächte Saudi Arabien und Iran ausgetragen wird. Wir näherten uns mit dem Film Expedition Yemen der Kultur und Gesellschaft des Landes aus der provozierenden Sicht eines egozentrischen europäischen Abenteueres, und diskustierten intensiv Stereotype, kulturelle und gesellschaftliche Fragen und insbesondere die Rolle von Frauen im Jemen. Weitere Krisengebiete sind in Europa derzeit so gut wie vergessen. Der Darfur-Konflikt im Sudan, so die Lektion unserer Veranstaltung mit Vorführung von Darfur's Skeleton, hat an Dramatik kaum eingebüsst und sich keiner realistischen Lösung genähert. Eindringlich waren die Diskussionen zwischen Sudanesen im Publikum, insbesondere als ein junger Mann mit feuchten Augen fragte, wie er das Land aufbauen solle, wenn sich niemand aus dem Haus traue, da rein willkürlich Menschen erschossen würden. International finde das dortige Drama kaum noch Beachtung, da ausländische Berichterstattung effektiv verhindert werde. Wenig europäische Beachtung findet ein weiterer Konflikt: die Unabhängigkeitsbewegung Westsaharas gegenüber Marokko. Dieser Konflikt ist bisher sehr friedlich, dies bezeugt auch der Dokumentarfilm Life is Waiting. Die Aktivisten diskutierten mittlerweile jedoch aus ihrem Frust der Erfolglosigkeit heraus militanter zu werden, um den Status als "letzte Kolonie Afrikas" zu beseitigen. Drei weitere sehr spannende Themen hatten einen kulturell-gesellschaftlichen Hintergrund. Auf die Region um Marokko, Tunesien, Algerien und Libyen bezog sich unser Themenabend Amazigh (Berber). Dabei lag der Fokus des Films Azul auf dem Leben dieser indigenen Minderheitengruppe in Tunesien, während sich die Diskusion auf Marokko konzentrierte. Es stellt sich die Frage, wie mit diesem kulturellen Erbe umgegangen werden solle: mit neuem Stolz oder doch mit Scham? Rund um die Alltagskultut der Länder Nordafrikas spannten sich auch die Diskussionen nach den beiden noch nicht genannten Filmen. Die Quelle der Frauen spielt in der Region der Amazigh. Wir diskutierten die Lage der Frauen-Rechte in Nordafrika auch in Bezug auf Tradtion und Moderne, Fragen der Macht, Freiheit, Emanzipation und der Sexualtität. Wir näherten uns also gewissermaßen der Quelle des Lebens! Dieses Themengebiet, Frauen und Männer, provozierende Offenheit und kulturell induzierter Scham, begannen wir bereits in Bezug zur Festmusik (Mahragan) Ägyptens zu diskutieren - eingebettet im Thema politische Pomusik. Der Film Electro Chaabi leitete dazu mit dem Portrait junger Musiker in Kairo ein. Wie üblich beendeten wir unserer Veranstaltung mit einem umfassenden Bericht, der auch Zusatzinformationen aus dem Publikum aufnahm. In diesem Fall zwei rare Beispiele für Electro Chaabi von Musikerinnen. Unser herzlichster Dank geht zunächst an unser treues und engagiertes Publikum, dessen aktive Beteiligung die Würze unserer Veranstaltungsreihe liefert. Wir bedanken uns bei der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ) der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung für ihre finanzielle Förderung, die unsere 14km Film- und Diskussionsreihe 2015 überhaupt erst ermöglichte, sowie bei Herrn Walter Hättig und der Stiftung Nord-Süd Brücken für die damit verbundene hilfreiche Unterstützung. Ein Dankeschön hat sich auch das ehrenamtliche Team des Filmrauschpalastes verdient, das uns an allen acht Abenden beherbergte und Projektionen digitalen und analogen Formats (35mm) ermöglichte. Bei dieser Gelegenheit danken wir auch den Verleihern für die Aufführungsrechte der gezeigten Filme. Unseren geladenen Gästen danken wir an dieser Stelle ausdrücklich noch einmal, denn ohne Ihre Auskünfte und Beiträge als Experten/innen (Referenten/innen) und Zeitzeugen/innen wäre keine glaubwürdige und authentische Diskussion möglich gewesen. Mein herzlichster Dank geht - last but not least - an mein 14km-Film-Team. Carolin Bannorth, Silvia Limiñana, Khouloud Khalfallah, Houssein Ben Amor und Steffen Benzler - eure Mitarbeit hat unser engagiertes Projekt überaus interessant und erfolgreich gemacht! Im Namen des Film-Teams spreche ich für die zusätzliche Unterstüzung von Susanne Kappe, Alex Odlum, Sarah Müller, Jana Vietze, Caroline Bunge und Helena Burgrova ein Dankeschön aus. Berlin im Januar 2016 Andreas Fricke (Projektleiter) Wir bedanken uns für die Unterstützung:    


„14 km e.V. war ein wichtiger Weichensteller“

Abschlussbericht von Michael bei SMEX in Beirut

2015 absolvierte ich ein 6-monatiges Praktikum bei der libanesischen NGO SMEX (Social Media Exchange). Die Zeit war reich an Erfahrungen sowohl in persönlicher als auch beruflicher Hinsicht. SMEX ist eine kleine Organisation die sich für digital rights in der arabischen Region einsetzt, also Menschenrechten, die auf das Internet bezogen werden. Ich lernte viel was dem Alltag einer kleinen lokalen NGO angeht – von Projektanträgen über digitale Techniken zur Visualisierung von Daten bis hin zur Konzipierung von Online-Trainingseinheiten für AktivistInnen und JournalistInnen. Meine Chefs waren unkompliziert und nahmen sich meist auch Zeit für mich und ihnen war es wichtig, dass sowohl mir als auch ihnen mein Aufenthalt etwas brachte. Sie unterstützten mich zusätzlich mit einem kleinen Taschengeld, was es erst ermöglichte, dass ich solange bleiben konnte. Als ich bei meiner Suche für ein Praktikum bei einer politischen Organisation im arabischen Raum auf die Homepage von 14 km e.V. stoß, war ich sehr glücklich endlich eine größere Auswahl von verschiedenen Organisationen auf einer Seite gefunden zu haben. Es ist schwierig von außen und ohne Kontakte vor Ort an solche Organisationen zu kommen. Schnell war mir klar, dass für mich SMEX ein idealer Partner sein würde, der mir Erfahrungen bieten kann und ich ihm gleichzeitig auch mit meinem Wissen und Fähigkeiten zur Seite stehen kann. Nach einem Vorstellungsgespräch bei 14 km e.V. wurde dann der Kontakt mit der Organisation vor Ort ziemlich unkompliziert hergestellt. Als ich dann fünf Monate später auch endlich im Libanon eintraf, war ich sehr glücklich um meine Entscheidung und blieb das auch für die Dauer meines Aufenthaltes. Nicht nur die Arbeit, sondern auch das Land und Beirut haben es mir sehr angetan und mir leicht gemacht mich gut einzufinden. Gerade für politisch interessierte Menschen bietet das Land sehr viel und manch einer behauptet auch, dass der Libanon ein guter Einstieg in die Region ist (wenn auch nicht ein gutes Land um die Sprache zu lernen). Es macht auf alle Fälle viel Spaß das Land kennenzulernen, ob es nun die Berge, das Meer oder die Bekkaa-Ebene sind – für jeden ist einiges dabei. Viele Freunde und Kontakte habe ich gefunden und bin auch weiterhin in Kontakt mit ihnen. 14 km e.V. war für mein Vorhaben ein wichtiger Weichensteller, der meinen „Besuch” vor Ort auf jeden Fall viel wahrscheinlicher gemacht hat. Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


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