Neuigkeiten

‚YALLA – Let‘s get together‘ – Dritter MENA-Netzwerkabend

Am 16.06.2017 hatte das Team von 14,4km e.V. i.G. zum dritten MENA-Netzwerkabend ins Café Isotop in Berlin Tiergarten geladen. Der Verein 14,4km befindet sich in Gründung und möchte die bisherige Arbeit von 14km e.V. fortsetzen. So sollte auch bei diesem Netzwerktreffen eine Plattform geboten werden, um Menschen, die sich hauptberuflich oder ehrenamtlich mit der Region Nordafrika/ Naher Osten beschäftigen, zum Austausch zusammenzubringen. Angemeldet hatten sich neben zahlreichen Einzelpersonen Vertreter/innen folgender Organisationen: Almanassa, Enpact e.V., DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V., Freie Universität Berlin, Freiwilligendienst kulturweit, Deutsche Schreberjugend, MENA Abteilung von Human Rights Watch, Euro-Mediterranean-Arab Association (EMA) e.V., moveGLOBAL e.V. - Berliner Verband für migrantisch-diasporische Organisationen in der Einen-Welt, Deutsch-Arabisches Zentrum für Bildung und Integration (DAZ), MitOst e.V., Robert Bosch Stiftung, Schoolclash e.V. und ZMO – Zentrum Moderner Orient.   Nachdem Sarah Müller und Caroline Bunge von 14,4km die Gäste in Empfang genommen hatten, gab es auch an diesem Abend wieder die Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre kennenzulernen, um Kooperationen anzubahnen und Ideen zu diskutieren. Schmackhaft begleitet wurde die Veranstaltung mit einem Buffet aus leckeren orientalischen Spezialitäten, durch welches die Besitzerin des Isotop Mahnaz Siavashi den Anwesenden die MENA-Region auch kulinarisch näher brachte.   Wir von 14,4km freuen uns, dass unsere Gäste einen inspirierenden Abend mit interessanten Gesprächen hatten und bedanken uns ganz herzlich bei allen für ihr Kommen. Bis bald zu einem nächsten 14,4km-MENA-Netzwerkabend!   Organisation (14,4km): Sarah Isabel Müller, Djamila Kadi, Caroline Bunge, Johanna Kechout; Fotografie (14,4km): Caroline Bunge Vielen Dank an das Team vom ‚Isotop‘ für die freundliche Unterstützung!      


Aktiv für Meinungsfreiheit im Libanon

Bericht vom Praktikum bei MARCH in Beirut

MARCH ist eine lokale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Beirut, Libanon. Tätig sind im Kern etwa 10 Mitarbeiter, nach Bedarf der jeweiligen Projekte werden Projektkoordinatoren und weitere Angestellte für die Dauer des Projekts eingestellt. Zusätzlich unterstützen Praktikanten die Arbeit. Das kleine Team bewirkt eine flache Hierarchie, an deren Spitze die Mitbegründerin und Generalkoordinatorin steht, welche als Hauptverantwortliche in alle Prozesse eingebunden ist. MARCH widmet sich seit der Gründung 2011 vor vor allem der Meinungsfreiheit und setzt sich für Frauenrechte und Deradikalisierung von Jugendlichen ein. Dahinter steht der Gedanke, eine tolerante und liberale libanesische Zivilgesellschaft zu schaffen. Während meines Praktikums kamen mir verschiedenste Aufgaben zu, hauptsächlich im Büro, wo ich unter anderem bei der Erstellung von Berichten und Förderanträgen helfen konnte. Zudem hatte ich die Möglichkeit, bei einigen Meetings teilzunehmen, um Notizen zu machen und die laufenden Projekte zu besuchen oder zu begleiten. Ich habe mir von diesem Praktikum erwartet, generell einen Einblick in die Arbeit einer NGO zu bekommen. Von Interesse war für mich auch, dass es sich um eine originär libanesische NGO handelt, die vielleicht eine andere Position zum eigenen Land und andere Zugänge hat als internationale Organisationen, die ihre Interessen im Libanon vertreten. Das Praktikum soll mir sowohl als Berufserfahrung dienen als auch zur Orientierung in meinem zukünftigen Berufsfeld beitragen. Zu Beginn des Praktikums sollte ich verstärkt am Social Media Auftritt mitarbeiten, der ein essentielles Mittel der NGO ist, um ihre Außenwirkung und die Reichweite der Projekte zu vergrößern. Neben gelegentlichen kleinen Aufgaben wie Fotos auswählen oder Texte für Posts vorschlagen, war ich aber kaum in diesem Bereich tätig. Während meines Praktikums konnte ich sowohl qualifizierte Aufgaben übernehmen als auch in eher hospitierender Form meine Kollegen im Außendienst begleiten und die Projekte besichtigen. Anfangs war mehr Arbeit zu bewältigen als gegen Ende, wo wenige Aufgaben anfielen und zusätzliche Hilfe durch eine zweite Praktikantin vorhanden war. In den ersten Wochen habe ich an englischsprachigen Meetings mit einem Botschafter, anderen NGOs und mit einem potentiellen Förderer teilgenommen und Notizen geschrieben. Später konnte ich am Förderantrag vor seiner Überarbeitung mitschreiben und nach Abgabe des Antrags an einer Informationsveranstaltung des Förderers für die richtige Handhabung der erforderlichen Berichte teilnehmen. Teilweise habe ich Kontakte in die Datenbank der Organisation eingetragen oder Emails verfasst. Als Teil eines Projekts im Bereich Zensur hat MARCH eine „Know your rights“ Broschüre erstellt, die Informationen über die staatliche Zensur und ihre möglichen Folgen sowie eine Beratungshotline für Betroffene anbietet. Die Gründe für Zensur im Libanon lassen sich etwa in die folgenden Bereiche einteilen: Beleidigung einer der offiziell anerkannten Religionen, heikle politische Themen (Israel, Bürgerkrieg,...), LGBT und andere „unmoralische“ Inhalte, Beleidigung des Staatsoberhaupts oder staatlichen Symbolen. Ein Online Museum mit einer Auflistung aller vergangenen Zensuren soll es ermöglichen, das oft undurchsichtige Thema transparent und öffentlich zu machen. In diesem Zusammenhang werden kurze Berichte erstellt, von denen ich eines zum Thema LGBT und eines zur Beleidigung von Staatsoberhäuptern - vor seiner endgültigen Überarbeitung - selber verfasst habe. Dabei habe ich selber recherchiert, welche Fälle es jeweils 2016 im Libanon gab und einen kurzen Vergleich mit ähnlichen Fällen in Deutschland und Frankreich dargestellt. Hier konnte ich vielleicht am stärksten meine während des Studiums erworbenen Fähigkeiten einbringen, indem ich selbstständig recherchiert, strukturiert und geschrieben habe. Ähnliche Aufgaben fielen etwa an, wenn Dokumente über die Erfolge und Leistungen der Projekte zu aktualisieren oder umzuschreiben waren. In einem anderen Projekt schafft MARCH Bewusstsein für das Problem der Staatenlosigkeit von Libanesen, die von ihren Eltern nicht registriert wurden, was Teile der ohnehin schon benachteiligten Bevölkerung weiter marginalisiert und unter anderem die Wahlberechtigung ausschließt. In einer Kampagne wurden im ganzen Land in Krankenhäusern und bei Treffen mit Bürgermeistern Informationsbroschüren verteilt und die Anwesenden über das Problem informiert und beraten. Einige dieser Besuche konnte ich begleiten, wegen meiner mangelnden Arabischkenntnisse konnte ich dabei lediglich beim Aufstellen der Roll-Ups helfen und Fotos machen. Ein derzeitiges Hauptprojekt in Tripoli nutzte als Methode der Konfliktlösung  künstlerische und schauspielerische Fähigkeiten von Jugendlichen genutzt, die wegen eines lokalen Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten in diesem Spannungsverhältnis aufgewachsen sind oder daran teilgenommen haben. Dieses ursprüngliche Theaterprojekt wird heute als Café und Treffpunkt der Jugendlichen weitergeführt und das gesamte Konzept nun auch in anderen konfliktbeladenen Gebieten angewendet. Der Arbeitsalltag hatte aufgrund der wechselnden Aufgaben keine feste Routine, auch die Arbeitszeiten konnten deswegen variieren. Einige Projekte waren nicht vor Ort sondern in Tripoli oder in den Vororten Beiruts, daher waren nicht immer alle Mitarbeiter im Büro anwesend. Die Arbeit im Team war sehr kollegial, auch wenn es natürlicherweise während der Arbeitsbewältigung auch immer mal zu Spannungen kommt. Für mich als Praktikantin war eine der Projektkoordinatorinnen zuständig, die jederzeit für mich da war und die mir die meisten Aufgaben zuteilte. Auch die anderen Kollegen waren für mich ansprechbar, hilfsbereit und ich konnte schon bald ein gutes Verhältnis zu den meisten von ihnen aufbauen. Insgesamt habe ich sehr gerne bei MARCH gearbeitet, die Struktur und Abläufe der Organisation kennengelernt und mein Wissen über ihre Hauptanliegen der freien Meinungsäußerung, Stärkung von Frauenrechten und Konfliktlösung speziell im Libanon vertieft. Auch abgesehen von meiner Arbeit bei MARCH hatte ich eine gute Zeit im Libanon, den ich zum ersten Mal besucht habe. Ich habe mir schon von Deutschland aus ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft gesucht, das in Laufnähe zu meiner Arbeitsstelle war, weil ich nicht abhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln sein wollte. Ich habe mich relativ schnell eingelebt und mich an einige libanesische Besonderheiten des Alltags gewöhnt. Die sehenswerte Kultur- und Feierszene in Beirut erschließt sich von alleine. Vor Ort bleibt es letztendlich nicht aus, dass man Gebiete besucht, die nach - verständlicherweise -  sehr vorsichtigen Reisewarnungen des deutschen Auswärtigen Amts besser nicht bereist werden sollten. Besonders sehenswert war für mich Tripoli, wo auch das derzeitige Hauptprojekt von MARCH läuft sowie die Ruinen in Baalbek. Um dem Lärm der Stadt zu entkommen, gibt es zahlreiche wunderschöne Orte außerhalb oder in der Natur, ob am Meer oder in den Bergen. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Begegegnungen ermöglichen, wo der Konflikt spaltet

Praktikumsbericht von Pauline bei Wi'am in Bethlehem

  Das Büro von Wi’Am befindet sich in einem großen, hellen Steinhaus mit vielen Treppen und kühlen Zimmern. Im großen Garten dahinter wachsen Zitronenbäume, Minze und Thymian. Es gibt einen Kinderspielplatz und gepflasterte Plätze mit Überdachung, wenn es im Sommer heiß wird. Es ist viel Platz für Versammlungen, Kinder, Familien und Gäste. Schaut man sich um, ist das nicht selbstverständlich. Rechts grenzt der Garten an die Mauer, hinten läuft er auf das 1948 errichtete Flüchtlingscamp Aida zu, wo es oft zu Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Anwohnern kommt. Vom Checkpoint 300, der Ostjerusalem von Bethlehem und Israel von Palästina trennt, liegt Wi’Am nur 10 Minuten entfernt. Drei Monate lang nahm ich als Praktikantin in diesem spannungsreichen Kontext an der Arbeit von Wi’am teil. Wi’Am ist einerseits eine NGO, die sich demokratischen Grundwerten und Menschenrechten verschreibt. Sie bietet politische Bildung, Workshops und Treffen in Bethlehem und vielen anderen Städten in Palästina an. Andererseits ist es ein Gemeindezentrum, in dem Beziehungen heilen sollen. Als Treffpunkt und Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Frauen an einem Ort, wo Beziehungen stark vom langanhaltenden Konflikt, wirtschaftlichen Problemen und traumatischen Erinnerungen belastet werden, ist Wi’Am tief in der Gemeinde verwurzelt. Sulha, eine traditionelle arabische Form der Mediation, bildet den Kernpunkt der Beziehungsarbeit. Wi’Am praktizieren sie in allen möglichen Konflikten, vor allem innerhalb und zwischen Familien. Da diese Arbeit im Privaten stattfindet, konnte ich leider nicht daran teilnehmen. Dafür war ich bei Jugendtreffen dabei, die alle zwei Wochen stattfinden, und bei der Weihnachtsfeier für die Kinder. Neben lokalen und familiären Beziehungen engagiert sich Wi’Am für internationale Begegnungen. Nach Palästina zu reisen ist mit Ängsten, Vorurteilen und realen Einschränkungen,  erschwert. In dieser isolierten Situation ist es von großer Wichtigkeit, sich zu vernetzen. Wi’am sind in Kontakt mit internationalen NGOs, Universitäten und Kirchen. In meiner Zeit als Praktikantin besuchten uns verschiedene Gruppen: Studenten, Kirchengruppen und manchmal Touristen, die auf der Suche nach Banksy-Graffitis bei uns hineinstolperten. Dabei ging es darum, mit Vorträgen und Dialogrunden aus der palästinensischen Perspektive zu berichten. Die Mitarbeiter legen Karten, Statistiken und Fakten vor, informieren zu Themen wie der Wasserversorgung, Gebietsverteilung, und der Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Sie erzählen aber auch persönliche Geschichten, von Verlust, Angst und Hoffnungslosigkeit. Zusätzlich machen Touren durch das Umland die alltäglichen Einschränkungen für die palästinensische Bevölkerung begreifbar. Ich hatte die Möglichkeit, den Tourguide Usama auf das Weingut Cremisan und nach Hebron zu begleiten. Darüber hinaus arbeitet Wi’Am mit anderen, vor allem kirchlichen NGOs in Palästina und Israel zusammen. Ich konnte in Jerusalem an einer Veranstaltung von EAPPI teilnehmen, einer kirchlichen Initiative, in der internationale Freiwillige als Begleiter und Beobachter in palästinensischen Orten arbeiten. Ein weiterer Fokus ist der Einsatz für Frauenrechte. In diesem Rahmen war es spannend für mich, einen Workshop in Dura zum Thema Häusliche Gewalt besuchen. In der konservativen Gegend um Hebron kann es heikel sein, derartige sensible Themen anzusprechen. Umso spannender war es zu sehen, wie die rund dreißig - weiblichen und männlichen - Teilnehmenden offen diskutierten und formulierten, welche Veränderungen sie sich wünschen. Derartige Workshops bieten einen Raum, Geschlechterrollen zu diskutieren, wo das sonst nicht möglich ist. Als Praktikantin schrieb ich Texte für die Website, übersetzte die Broschüre von Wi’Am und half dabei, Gäste zu empfangen und Workshops vorzubereiten. Zusätzlich war ich (auf eine Idee des Leiters von Wi’Am) mit meiner Forschung über Salafismus in Deutschland/Europa beschäftigt. In einer abschließenden Präsentation stellte ich meine Ergebnisse vor und es entstand eine lebhafte Diskussion. Tatsächlich bestand meine Zeit aber hauptsächlich darin, in den Veranstaltungen und Gesprächen mit Gästen und Mitarbeitern zuzuhören und zu lernen. Grundsätzlich war ich in meiner Zeiteinteilung frei, und die Planung funktionierte flexibel. Leider fiel es mir schwer, mich in dem Maße in Arbeitsabläufe einzubringen, wie ich es mir gewünscht hätte. Das lag teilweise daran, dass es oft keine definierten Aufgaben oder Ziele für Praktikanten gab, möglicherweise aber auch daran, dass das Arbeitsleben anders funktioniert, als ich es ansonsten gewohnt bin. Bei der Arbeit knüpfte ich schnell Kontakte zu den Mitarbeitern. Wir aßen oft zusammen zu Mittag, und sie nahmen sich Zeit für Tee und persönliche Gespräche. Da ich in einem Wohnkomplex mit der Familie von Zoughbi (Wi’Ams Leiter) wohnte, fand ich schnell Anschluss an Leute aus Bethlehem und Freiwillige aus aller Welt. Die Familie hieß mich herzlich willkommen und ich lernte viele Menschen bei Spieleabenden, gemeinsamen Ausflügen oder zum Mittagessen kennen. In meiner freien Zeit ergänzte ich meine Arabischkenntnisse mit palästinensischem Dialektunterricht. Besonders aufregend war es für mich, einige von den uralten Städten in der Nähe zu entdecken. Ich fuhr oft nach Jerusalem und machte Ausflüge nach Hebron, Jericho, Haifa, Akko und Tel Aviv. Da die Entfernungen relativ gering sind, ging das trotz Checkpoints recht schnell. Besonders die Altstädte faszinierten mich: die winzigen, krummen Gassen, die herumstreunenden Katzen und die eng aneinandergeklebten Geschäfte und vielen Düfte… Doch diese Schönheit wurde immer wieder gebrochen, wenn ich an gesperrten Straßen kam oder in Soldaten mit Maschinengewehren hineinlief. Insgesamt war es sehr erhellend für mich, die politische Situation so direkt zu erfahren. Zusammen mit den vielen Informationen, die ich bei der Arbeit lernte, und den persönlichen Geschichten, die sich nach und nach in Gesprächen mit Bekannten und Kollegen entfalteten, entstand für mich ein klares Bild von einer verfahrenen, scheinbar unlösbaren Situation. Ich empfehle das Praktikum als eine bereichernde Erfahrung, wenn man mehr über Palästina, die Situation und Menschen erfahren möchte. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.  


Wie die Wirtschaftskrise sich auf das Leben in Kairo auswirkt

Achims berichtet von seinem Praktikum bei Maat in Kairo

Achim schreibt über seine Eindrücke aus seinem Aufenthalt in Ägypten während des Praktikums bei Maat for Peace, Development and Human Rights: "Vor zweieinhalb Wochen begann mein vierter Aufenthalt in Kairo, nach neun Monaten Studium 2013/14 sowie zwei kurzen Urlaubsaufenthalten im März 2015 und September 2016. Da mein letzter Aufenthalt hier noch nicht so lange zurückliegt, fühlte sich alles direkt wieder vertraut an. Was mich allerdings erneut überrascht hat, ist, wie kalt sich mehr als 20 °C anfühlen können, sodass ich auch tagsüber meistens noch mit Pullover herumlaufe. Außerdem merkt man viel stärker als im September die Auswirkungen der wirtschaftlichen Probleme Ägyptens. Einerseits durch die gezwungenermaßen erfolgte Freigabe des Pfund-Wechselkurses Ende letzte Jahres, was dazu führt das ein Euro nicht mehr 12 Pfund, sondern fast 20 Pfund entspricht. Andererseits durch die dadurch gestiegenen Preise, die für mich als Europäer durch den Wechselkurs mehr als ausgeglichen werden, für die Ägypter allerdings eine echte Katastrophe sind."  


Grüße aus Bethlehem!

Zwischenbericht von Pauline bei Wi’am aus Bethlehem

Grüße aus Bethlehem! Seit Mitte Dezember verbringe ich hier mein dreimonatiges Praktikum bei „Wi’am - The Palestinian Conflict Transformation Center“. Wi’am ist eine kleine NGO, die vor allem in Bethlehem und Umgebung arbeitet. Ihr Fokus liegt darauf, die Gesellschaft vor Ort zu stärken, indem sie Konflikte lösen, interkulturellen Austausch anbieten und Workshops zu Themen wie politische Teilhabe, Konflikttransformation, Gender und Menschenrechte anbieten. Im Moment bin ich damit beschäftigt, für ein Forschungsprojekt über deutschen Jihadismus zu recherchieren. Außerdem ist gerade Weihnachtszeit, und deshalb nehme ich an vielen Veranstaltungen teil. So bekomme ich einiges von Wi’Ams Arbeit in Bethlehem mit, auch wenn einer der Schwerpunkte - die Mediation - verständlicherweise im Privaten stattfindet. Ansonsten empfangen wir viele internationale Gäste. Studenten nehmen an Diskussionsrunden teil, Kirchengruppen kommen vorbei und Touristen stolpern herein. Wi’am bietet Touren durch das ganze Westjordanland an; neben der Mediation liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Vermittlung von Informationen über die (geo-)politische Situation in Palästina. Diese deutet sich schon in der außergewöhnlichen Lage von Wi’am an. Das Büro liegt direkt zwischen der Mauer (siehe Bild), die seit 2002 errichtet wird, dem Flüchtlingslager Aida, das seit 1948 besteht und sich mittlerweile zu einem Stadtteil Bethlehems verfestigt hat, und der Hebron Road, die in das nur wenige Kilometer entfernte Jerusalem führt. In Touren zu dem benachbarten Weingut Cremisan und nach Hebron fährt man durch sonnige Täler voll von Olivenbäumen, wird aber auch immer wieder mit der Mauer, Checkpoints und Stacheldraht konfrontiert. Die Folgen des Israel/Palästina-Konflikts in der Landschaft zu sehen und aus den Erzählungen der Menschen zu erleben, ist bis jetzt der spannendste Aspekt meines Praktikums.


Marokkos Vielfalt und die Herausforderung, in kurzer Zeit etwas zu bewegen

Praktikumsbericht von Pauline bei Chantiers Sociales Maroc

Diesen Herbst verbrachte ich sechs Wochen in Marokko und absolvierte ein Praktikum über die 14km-Partnerorganisation CSM (Chantiers Sociales Maroc), die ihren Sitz in Rabat hat. Von dort aus werden Freiwillige in Projekte und Gastfamilien der Umgebung vermittelt. In meinem Fall wohnte und arbeitete ich in der Nachbarstadt Salé, die auf der anderen Flussseite, direkt gegenüber der Hauptstadt liegt. Dort wohnte ich bei einer Gastfamilie in dem eher ärmlichen Viertel Sidi Moussa. Meine Gasteltern waren schon sehr “freiwilligenerprobt”, da sie seit über 10 Jahren junge Frauen aus dem deutschsprachigen Ausland aufnehmen und vor allem meine Gastmutter sorgte dafür, dass ich mich dort sehr wohlfühlte. Ich erhielt ein eigenes Zimmer in der kleinen Wohnung, das zuvor meinen nun ausgezogenen Gastbrüdern als Kinderzimmer gedient hatte. Meine Gastmutter setzte mir drei Mal pro Tag leckere marokkanische Speisen vor und ich konnte mich bei Fragen und Unklarheiten immer an beide Gasteltern wenden. Mein Gastvater war gleichzeitig auch der Gründer und Direktor des Frauenzentrums “Nahdat Alhay”, in dem ich offiziell eingesetzt sein würde. Als ich ankam, waren jedoch noch Ferien und das Opferfest - das wichtigste Fest für die Muslime, ähnlich wie bei uns Weihnachten - stand vor der Tür. Meine Arbeit begann also erst zwei Wochen später und ich nutzte die Zeit, meine Umgebung näher zu erkunden. An diesem Punkt wurde eine meiner wenigen Erwartungen nicht erfüllt: Statt direkt arbeiten und die kurze Zeit, die mir blieb, optimal zu nutzen, verzögerte sich mein Arbeitsbeginn, nicht nur durch die zeitlichen Umstände, sondern zusätzlich durch eine Art Projektwechsel. Erst nach meiner Ankunft erfuhr ich, dass es für mich im Frauenzentrum zu diesem Zeitpunkt nur wenig zu tun gäbe und so beschränkte sich mein Engagement dort auf eine Stunde Deutschunterricht pro Tag. Ansonsten verbrachte ich meine Arbeitszeit bei AMDEL, einer Bürgerinitiative, die sich für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung einsetzt. Doch wie bei meinem ursprünglichen Projekt gab es auch hier - bedingt durch den erst langsam anlaufenden Betrieb nach den großen Ferien - nicht allzu viel zu tun. So entschied ich mich, im Anbetracht der anstehenden Parlamentswahlen mehr über das politische System Marokkos herauszufinden. Unsere Kollegen bei AMDEL standen uns mit ihrem Wissen zur Seite und erklärten uns die Situation und die - nach ihrer Sicht - akuten Probleme. Darauf eingehend überlegten mein Mitfreiwilliger vom weltwärts-Programm und ich, einen Informationsfilm zu entwickeln, der den etwas komplizierten Wahlgang und seine einzelnen Etappen schlüssig aufbereitet. Wie viele Leute wir letztendlich damit erreichten und wie zielführend unsere Arbeit war, finde ich schwer einzuschätzen. Interessant war das Konzept von AMDEL: Neben Sensibilisierungsprojekten für Umweltbelange in Form von Filmen und Arbeitseinheiten bzw. Aufklärungsprojekten verstehen sie sich als Anlaufstelle für die Kinder und Jugendlichen des Viertels. Mit Unterstützung des Personals können sie z.B. Radiosendungen entwickeln und umsetzen und ich hatte den Eindruck, dass ihre Ideen ernst genommen werden und bei den Erwachsenen Gehör finden. Trotz dem Engagement der Angestellten und Freiwilligen, gestalteten sich die Kommunikation und Absprachen mit den Zuständigen tendenziell schwierig. Informationen mussten mehrmals erfragt werden, um annährend präzise Anhaltspunkte zu bieten, was für mich in Anbetracht meiner kurzen Zeit dort und dem Ehrgeiz, trotzdem etwas - sei es noch so klein - erreichen zu können, eine tägliche Herausforderung war. Doch gleichzeitig war es eine gute Übung und meine Ehrlichkeit und Durchsetzungsfähigkeit wurden allgemein positiv aufgenommen. Höhepunkt meiner Arbeit war die Teilnahme am “pré-COP”, einer regionalen Umweltkonferenz, die einerseits darauf abzielt, dass sich die unterschiedlichen Initiativen und NGOs vernetzen und ihre Arbeit vorstellen; anderseits aber auch dazu dient, die Bevölkerung für den im November anstehenden Weltklimagipfel in Marrakesch zu sensibilisieren. Gemeinsam mit drei Mitarbeitern und drei weiteren deutschen Freiwilligen betreute ich den Stand und gab Interessierten über die Arbeit von AMDEL Auskunft. Außerdem hatten wir ein kleines Gewinnspiel vorbereitet: Wir stellten die Verschwendung von Wasser exemplarisch dar, indem wir einen tropfenden Wasserhahn am Stand installierten und das Wasser darunter in einem großen Behälter auffingen. Die Leute sollten raten, wieviel Liter Wasser in 24 Stunden verschwendet werden würden. (Für alle Neugierigen: Bei regelmäßigem, nicht zu schnellen Tropfen kann es sich um 6 bis 7 Liter handeln.) Abgerundet wurde das Programm des pré- COP durch Diskussionsrunden und leckeren Buffets, bestehend aus den typisch kunstvollen, marokkanischen Keksen und Fruchtsaft. An den Wochenenden erkundete ich den Norden Marokkos und besuchte die Städte Tanger, Kénitra, Ifrane, Fès, Meknès und Chefchaouen. Ich bewunderte die Vielfalt des Landes, von der ich durch mein zeitliches Limit im Vergleich so wenig und doch so viel sah: Die breiten Strände von Tanger und Kénitra, die verwinkelten Gassen der großen Médina von Fès, der kleine, aber wunderschön verzierte Palazzo in Meknès oder die schroffen Berge im Rif- Gebirge sind nur wenige Beispiele für den natürlichen und kulturellen Reichtum Marokkos. Noch bereichernder als meine touristischen Aktivitäten waren meine Begegnungen mit den Einheimischen. Marokkaner sind im Allgemeinen ein sehr nettes und gastfreundliches Völkchen; und so erhielt ich häufiger Einladungen zum Essen von Bekannten und konnte sogar einmal einer kleinen Hochzeitsfeier beiwohnen. Mit Freunden ging ich ins Hammam - das arabische öffentliche Bad - und erkundete den Basar. Umgekehrt berichtete ich von meinem Leben in Deutschland, tauschte mich mit Freunden über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus und versuchte an einem Kochabend marokkanischen Jugendlichen die deutsche Küche näher zu bringen. Während Kartoffelpuffer mit Apfelmus ganz gut ankamen, erfreute sich der Gurkensalat keiner großen Beliebtheit, schließlich wurde er mit ungesüßtem Joghurt zubereitet, was in Marokko scheinbar wenig Akzeptanz findet. Dazu passt auch das typisch marokkanische Nationalgetränk: der - für uns Deutsche maximal gesüßte - Minztee, der zu jedem Anlass und jeder Tages- und Nachtzeit getrunken wird. Eine wichtige Erfahrung war für mich außerdem der Kontakt mit einem Islam des Alltags, der in so friedlichem Kontrast zu der undifferenzierten westlichen Berichterstattung steht. Seien es die unterschiedlichen Arten des Kopftuchs, die Koranrezitationen im Radio oder die Rufe der Muezzin zu den fünf Gebetszeiten am Tag. Zusammenfassend möchte ich betonen, dass es eine gute Erfahrung für mich war; trotz mancher Hürden und der viel zu kurzen Zeit habe ich viel gelernt und erlebt. Ein Praktikum und das Leben in einer Gastfamilie sind eine gute Möglichkeit, eine fremde Kultur näher kennen zu lernen. Falls Euer Interesse geweckt wurde, könnt ihr einige Erlebnisse auf meinem Blog www.paulinebenin.wordpress.com nachlesen. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Der algerische Bürgerkrieg

14km Film- und Diskussionsabend

Yema (Algerien/Frankreich, 2012, OmeU, 90 min) von Djamila Sahraoui am Mittwoch, 16.11.2016, 18:30 Uhr (Filmstart 19:00 Uhr), im Filmrauschpalast in der Kulturfabrik Moabit, Lehrter Str. 35, 10557 Berlin Moabit 14km e.V. präsentiert den fünften Filmabend der 14km Film und Diskussionsreihe 2016.     Ein entlegenes kleines Haus in den Bergen Algeriens. Dieverzweifelte Ouardia, gespielt von der Regisseurin Djamila Sahraoui, begräbt ihren Sohn Tarik, der Soldat in der algerischen Armee war. Sie macht dessen Bruder Ali, den Anführer einer islamistischen Gruppierung, für Tariks Tod verantwortlich. Ali hat einen seiner Männer geschickt, um Ouardia zu bewachen. Diese pflegt hingebungsvoll ihren Garten, um diesen erblühen zu lassen. Der Film zeigt, welches Leid, welche Risse und Traumata der Bürgerkrieg in vielen algerischen Familien hinterlassen hat. Über Algerien hört man nur wenig in der deutschen Medienberichterstattung. Zuletzt geriet Algerien nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln in den Fokus der deutschen Aufmerksamkeit - unter den Stichwörtern "kriminelle junger Männer", "sicheres Herkunftsland" und "Abschiebungen". Dieser stereotypen Betrachtung möchten wir eine differenzierte Auseinandersetzung entgegensetzen. Deshalb nehmen wir mit dem Film "Yema" den algerischen Bürgerkrieg in den Fokus und stellen Fragen nach der historischen und aktuellen Entwicklung des Landes. Was passierte in Algerien während des Arabischen Frühlings? Wie ist die politische und soziale Lage heute? Was treibt die Menschen auf dem gefährlichen Weg übers Mittelmeer nach Europa? Im Anschluss an den Film wird es eine moderierte Publikumsdiskussion mit Expert*innen zu diesen Themen geben. Der Eintritt ist frei, um eine freiwillige Spende wird gebeten. Veranstaltungsort ist der Filmrauschpalast in der Kulturfabrik in Berlin Moabit statt (Lehrter Straße 35, 10557 Berlin).


„Eine sehr faszinierende und prägende Erfahrung“

Praktikumsbericht von David bei himaya in Beirut

Der Grund, warum ich für mein zweimonatiges Pflichtpraktikum in den Libanon gehen wollte, war für mich von Anfang an die Faszination, welche von diesem kleinen von Schwierigkeiten übersäten und doch recht stabilen Land ausging. Der gesamte zweimonatige Aufenthalt im Libanon war eine sehr faszinierende und auch prägende Erfahrung für mich. Die politische Situation im Libanon ist sehr schwierig - vordergründig durch die Krise in Syrien, wegen der über eine Million geflüchtete Syrer im Libanon Schutz gesucht haben. Jedoch auch innenpolitisch ist die Situation nicht leicht. Das Parlament hat es seit über zwei Jahren nicht mehr geschafft einen geeigneten Präsidenten zu finden, da einfach keine Einigkeit zwischen den Parteien hergestellt werden kann. Und diese festgefahrenen Strukturen, die auch oft von Korruption durchlaufen sind, kann man im Alltag deutlich spüren. Dies fängt an mit der unzureichenden Stromversorgung und reicht bis hin zum Müll, der oft auf den Straßen liegen bleibt ohne abgeholt zu werden. Dazu kommen die in nicht allzu ferner Vergangenheit liegenden Konflikte. Der 1991 zu Ende gegangene Bürgerkrieg sowie die bis ins Jahr 2000 anhaltende Besetzung durch Israel und genauso der Israel-Libanon Krieg 2006 sind in den Gemütern der Menschen noch deutlich spürbar präsent. Innerhalb dieses Kontextes zu arbeiten ist alleine schon eine sehr prägende Erfahrung gewesen. Die NGO namens himaya in der ich mein Praktikum absolviert habe ist eine recht große Organisation, die sich mit dem Thema Kindesmissbrauch innerhalb des Landes beschäftigt. Himaya wurde 2009 gegründet und konnte durch große Geldgeber wie UNICEF und die Europäische Union so schnell wachsen, dass es mittlerweile Zweigstellen der Organisation im ganzen Land gibt. Die zwei Schwerpunkte in der eigentlichen Arbeit sind Präventionsprojekte, bei denen in öffentlichen Räumen auch mit Lehrern und Eltern über bestimmte Themen gesprochen wird. Es geht vor allem darum, Fälle von Missbrauch zu vermeiden, jedoch auch sie zu erkennen und einen bestmöglichen Umgang damit zu finden. Außerdem interveniert himaya auch bei Fällen von Missbrauch. Es gibt eine Hotline für Notfälle sowie Psychologen, Mediziner und Sozialarbeiter, welche zur Verfügung stehen um nicht nur den Opfern, sondern auch den Angehörigen unterstützend zur Seite zu stehen. Zudem betreibt die Organisation auch eine eigene Unterkunft, in der rund 30 Jugendliche aus problematischen Umständen Schutz gefunden haben. Seit Beginn der schwierigen Situation in Syrien wurde auch die Arbeit in Geflüchtetenlagern zum festen Bestand von himaya. Ich war angestellt im Bereich Projektmanagement in Beirut. Empfangen genommen wurde ich wirklich wunderbar und ich habe mich auch gleich sehr wohl gefühlt in dem wirklich netten Team. Jeder im Team spricht gutes Englisch, oft wird zusammen zu Mittag gegessen und es gibt auch immer andere Praktikanten/-innen mit denen man sich zusammentun kann. Ich habe zwei wirklich gute Freundinnen während meiner Zeit dort gefunden, mit denen ich dann auch viel außerhalb der Arbeit unternommen habe. Das Praktikum selbst bereue ich auf gar keinen Fall. Ich habe wirklich viele sehr Interessante Einblicke in die Arbeit einer NGO erhalten. Außer den Erfahrungen in der Administration bin ich noch auf Festivals mitgefahren, an denen wir Menschen auf die NGO aufmerksam machen wollten, habe einmal in der Woche einen Tag mit den Kindern in der Dauerunterkunft verbracht, Nationalentreffen mit UNICEF beigewohnt und Feldbesuche gemacht in den Geflüchtetenlagern im Osten sowie in einer Zweigstelle im Norden des Libanon. Nur meine Aufgaben während der Zeit die ich im Büro verbracht habe, empfand ich nicht als allzu sinnvoll. Oft hatte ich auch einfach Phasen, in denen ich nichts zu tun hatte. So kam es schon öfter vor, dass ich angefangen habe private Aufgaben für mein Studium zu erledigen und manchmal bin ich auch einfach früher nach Hause gegangen. In einem Evaluationsgespräch am Ende des Praktikums wurde mir auch nochmal gesagt, wie schwierig es für die Mitarbeiter ist, für zwei Monate einen Praktikanten einzuarbeiten, und im Endeffekt waren diese Leerlaufzeiten auch gar nicht so schlimm. Ich würde dieses Praktikum auf jeden Fall weiterempfehlen mit dem kleinen Tipp nebenbei einen Arabischkurs zu besuchen. Auch wenn man generell gut mit Englisch auskommt, grundlegende Arabische Kenntnisse würden einem helfen mehr im tatsächlichen Feld zu arbeiten. Und das ist das wirklich Interessante an der Arbeit von himaya. Mein Alltagsleben in Beirut war wunderbar und es wird auf jeden Fall einen Grund für mich geben, um eines Tages wieder in den Libanon zu kommen. Ich habe wahnsinnig nette Menschen getroffen und auch wirklich gute Freundschaften geschlossen. Schon auf meinem Hinflug habe ich einen Medizinstudenten getroffen, mit dem ich gleich Nummern ausgetauscht habe. Im Laufe meines Aufenthalts hat er mir viel von der Stadt gezeigt und zusammen haben wir auch Wochenendtrips über das ganze Land gemacht, was bei den kurzen Distanzen überall hin auch wirklich richtig gut geht. Unter der Woche habe ich meistens nachmittags noch etwas mit meinen Kolleginnen aus der Arbeit gemacht oder mit meiner Mitbewohnerin. Untergekommen bin ich in einer 3er WG nahe an meiner Arbeitsstelle. Am Anfang habe ich noch in einem Haus voller Syrer gewohnt, die mich auch wirklich sehr freundlich willkommen geheißen haben, um von dort aus eine geeignete Unterkunft zu suchen. Dies hat auch wirklich gut geklappt. Es gab zwar nicht immer warmes Wasser und die Stromversorgung war wie fast überall in Beirut nicht die beste. Es gab aber einen wunderbaren Balkon, von dem man am Abend mit einer Tasse Tee die südlichen Dörfer auf den Bergen hinter Beirut beobachten konnte. Von meinen Erfahrungen her würde ich den Libanon als weitgehend sicher bezeichnen. Ich bin nie in eine Situation gekommen, in der ich mir ernsthaft Sorgen machen musste. Es ist anfangs vor allem eher anstrengend. Der Verkehr ist wahnsinnig überfüllt und laut. So ist es - bis man sich einigermaßen auskennt - immer wieder ein Kraftakt, sich mit Taxen von Stadtteil zu Stadtteil vorzuarbeiten, bis man seinen Zielort erreicht. Trotzdem würde ich nicht blindlinks alleine durch die Gegend reisen. Wie eigentlich überall auf der Welt ist es sinnvoll mit Freunden zusammen zu reisen, oder sich einer Gruppe anzuschließen. Das lohnt sich dann aber auch wirklich, denn vor allem die Berge und Täler im Libanon sind ein wahnsinnig faszinierender Anblick. Genauso wie all die historischen Städte, die teilweise zu den ältesten der Welt zählen. Zusammengefasst würde ich das Praktikum allen empfehlen die allgemein Lust haben sich mit einer komplizierten politischen Lage und all der kulturellen Vielfalt im Land auseinandersetzen zu wollen. Gesprächen über Armut im Land, Differenzen zwischen verschiedenen Gruppen und über die nach wie vor große Spannung mit Israel kann man kaum aus dem Weg gehen. Man sollte vor allem in Beirut nichts gegen ein massives Großstadtgefühl haben und die Möglichkeit zu schätzen wissen ein wahnsinniges Bergpanorama vor sich zu haben. Zudem - wie schon erwähnt - kommt man zwar mit Englisch wirklich gut aus, ich persönlich bereue aber, dass ich nicht mehr Arabisch gelernt habe. Ich bin 14km sehr dankbar für die Vermittlung zu himaya. Es war eine wunderbare Zeit und ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen die Möglichkeit bekommen Erfahrungen in diesem faszinierenden Land zu sammeln. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


Kairos Chaos-Verkehr und Ägyptens Revolution

14km Film- und Diskussionsabend

"Cairo Drive" (Dokumentarfilm, Ägypten, 2013, 79 min, OmeU) von Sherief Elkatsha am Mittwoch, 12. Oktober 2016 um 18:30 Uhr (Filmstart 19.00 Uhr) im Filmrauschpalast, Lehrter Straße 35, 10557 Berlin Moabit 14km e.V. präsentiert den vierten Filmabend der 14km Film und Diskussionsreihe 2016. Thema des Abends ist nicht nur Kairos Verkehr, sondern auch die politischen und sozialen Entwicklungen der letzten Jahre seit der ägyptischen Revolution 2011. 14km zeigt den Dokumentarfilm "Cairo Drive" des Regisseurs Sherief Elkatsha im Original (arabisch, englisch) mit englischen Untertiteln. Der Film porträtiert Menschen in Kairos chaotischem Großstadtverkehr und zeichnet damit ein größeres Bild vom vielfältigen Leben in der Metropole, von Herausforderungen und Glücksmomenten. Da Verkehr alle betrifft, kommen Menschen aus den unterschiedlichen sozialen Schichten zu Wort. Und eines haben sie alle gemeinsam: Humor. Im Anschluss folgt ein offenes Publikumsgespräch, um die Eindrücke aus dem Film zu besprechen, die Darstellung und Herangehensweise des Regisseurs zu diskutieren und über die politische und sozio-ökonomische Entwicklung Ägyptens zu sprechen. Dazu sind Gesprächspartner mit Expertise in diesem Bereich eingeladen. Das Gespräch findet voraussichtlich auf Englisch statt.   Regisseur Sherif Elkatsha Sherief Elkatsha ist ein einfühlsames und originelles Portrait eines Landes im Umbruch gelungen, erzählt durch die Metapher des ägyptischen Hauptstadtverkehrs. Der Dokumentarfilm schildert Ereignisse vor, während und nach der Ägyptischen Revolution 2011. Vom Beifahrersitz unterschiedlichster Charaktere aus, illustriert der Film wie die Menschen täglich durch hektischen Verkehr, unausgesprochene Regeln und das Wirrwarr von mehr als 14 Millionen Fahrzeugen navigieren und erlaubt einen einfühlsamen Blick auf die unterschiedlichen Perspektiven, Stimmungen und Probleme, auf die Frage nach der kollektiven Identität des Landes und die Sehnsucht der Menschen voranzukommen. Die Teilnahme ist frei, um eine freiwillige Spende wird gebeten. Veranstaltungsort ist der Filmrauschpalast in der Kulturfabrik in Berlin Moabit statt (Lehrter Straße 35, 10557 Berlin). Facebook-Event


„I really enjoy my time.“

Michael on Lebanon and his stay with Himaya

*** Dieser Beitrag ist momentan nur auf Englisch verfügbar.*** The first thing to say about Lebanon has to be that it is the most fascinating country I have ever been. The difficult political situation, many other problems inside the Lebanese society and in the areas around mixed with the people who try to make the best out of it makes every conversation, every interaction incredibly interesting. At the same time it is also adventurous and exhausting. The traffic, especially in Beirut, is very stressful and you are very dependent on taking taxis everywhere, because of the lack of public transport. Every time leaving the house you need to be really aware of everything. Find a taxi, barge and make sure that you really get to the right place. However I never felt unsafe during the month I am here now. Everywhere you can find English speaking people who always try to help you in the best way. In general Lebanese people are quite open. It was very easy for me to meet friends, and they always love to show me around and tell me everything what they know about there country. The work at Himaya is nice so far. The team is great and they integrated me perfectly. After a few days I have not just at work, but also private contact with other colleagues. I have to mention that the language barrier is a little bit annoying at work. With a basic level in Arabic I could do much more tasks in the actual projects. There is work to do, but if you want to experience all the parts of the work in this NGO you will benefit a lot from some language skills. Thanks to 14km connecting me with Himaya. I really enjoy my time. *** Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


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