Author Archives: Susanne Kappe

Krieg und Flucht mit Kinderaugen sehen – Filmvorführung „Schildkröten können fliegen“

Kinder und ihre Sicht auf die Welt stehen im Zentrum des Films von Regisseur Bahman Ghobadi, der die Lage von Flüchtlingskindern im kurdischen Teil des Irak beschreibt und dabei nicht nur Fiktion und Dokumentation vermengt, sondern auch die Zeit Anfang der 90er-Jahre mit der Invasion der US-Truppen 2003. Der zweite Film unserer 14km Film- und Disskussionsreihe ist zwar aus dem Jahr 2004, wirkt heute jedoch umso beklemmender, als sich die tragischen Flüchtlingsschicksale aufgrund der Gewalt der Terrogruppe "Islamischer Staat" heute unter anderen Vorzeichen wiederholen. Bezeichnend für die kindliche Perspektive ist schon der Titel des Films: Bei den „Schildkröten“ handelt es sich um Antipersonenminen, mit deren Entschärfung sich die kurdischen Flüchtlingskinder, die meisten von ihnen Waisen, ein Auskommen sichern. Zur Verstümmelung der Kinder, denen teilweise Arme und Beine fehlen, bemerkt ihr Anführer, der „Satellit“ genannt wird, nur lakonisch: „Das sind die besten – sie haben keine Angst mehr“. Die Angst vor den Minen mögen die Kinder verloren haben – die traumatischen Erlebnisse aus der Vergangenheit wie der Verlust von Eltern, Geschwistern, Misshandlung und Vergewaltigung begleiten sie jedoch täglich ebenso wie Hunger und Armut in den elenden Verhältnissen eines Flüchtlingslagers. Stacheldrahtzäune und Panzer-Wracks, Matsch, schmutzige Kleidung, notdürftige Zelte sowie eine karge Felslandschaft sind die Kulisse, vor der sich die Kinder mit beeindruckender Energie und gegenseitiger Solidarität jeden Tag aufs Neue in den Überlebenskampf stürzen. Doch nicht jedem gelingt der Blick nach vorne. Gleich zu Beginn des Films sieht man Agrin, ein 14jähriges Mädchen, an den Klippen stehen. Von Baath-Soldaten während des Massakers von Halabja vergewaltigt, hat sie einen Sohn zur Welt gebracht, den sie nicht lieben kann. Trotz der Liebe, die ihr Bruder und Satellit ihr entgegenbringen, ertränkt sie ihren Sohn und stürzt sich selbst von den Klippen. Regisseur Bahman Ghobadi bezeichnet seinen Film dennoch als einen „Film nicht nur von, sondern auch für Kinder“. Mit den drastischen Szenen erweckt er beim Zuschauer ein Gefühl für die Schrecken von Krieg und Verfolgung. Die Invasion der US-Truppen 2003, mit der für die irakischen Kurden die Befreiung von Saddam Hussein und dem Baath-Regime einherging, stellt er aus der Perspektive eines desillusionierten Kindes als weitere Episode des Kriegsgeschehens wenig euphorisch dar. So pessimistisch wie der Film endet, hat sich die Lage der Kurden im Irak jedoch seit 2003 nicht entwickelt, erklärten die geladenen Experten in der anschließenden Diskussion. Dr. Karin Mlodoch von Haukari e.V., einem Verein, der sich für den Schutz von Frauen in Gewalt- und Krisensituationen einsetzt und im Nordirak vor Ort aktiv ist, sowie Dr. Awat Asadi, Politologe am Zentrum für Kurdische Studien Navend in Bonn, ordneten den Film in den historischen Kontext ein und gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. „Sehr erschüttert“ zeigte sich Dr. Mlodoch von dem Film – insbesondere deshalb, weil der Film die Agonie von Anfang der 90er-Jahre, als der Nordirak „einem einzigen großen Flüchtlingslager“ glich, zurück ins Bewusstsein rufe. Bei heutiger Betrachtung lasse es sich nicht vermeiden, an die aktuelle Verschleppung und Versklavung jesidischer Frauen und Kinder durch die Terrorgruppe ISIS zu denken. Die positive Veränderung und Stabilisierung, die seit 2003 in der kurdischen Autonomieregion stattgefunden habe, sei dadurch leider vorerst angehalten worden. Dr. Mlodoch spricht aus ihrer Erfahrung in der Hilfsarbeit mit Opfern von Gewalt, insbesondere mit Frauen, die bei der Anfal-Operation Angehörige verloren haben und selbst verschleppt und misshandelt worden sind. Unter dem Codewort „Anfal“ verübte das Baath-Regime von 1988-1989 Massaker und Giftgasangriffe an der kurdischen Zivilbevölkerung des Irak, die heute von einigen Staaten offiziell als Genozid anerkannt werden. Der Angriff auf Halabja, auf den im Film angespielt wird, ist eine dieser Attacken. Dr. Awad Asadi zeigte jedoch auch die hoffnungsvolle Seite der irakisch-kurdischen Geschichte auf. Nach dem Sturz Saddam Husseins stabilisierte sich die Regierungsführung in der autonomen Region und es wurden, auch mit Hilfe von Einnahmen aus der Erdölförderung, Aufbaumaßnahmen durchgeführt. Erstmals bemühte sich die Regierung um die Befriedigung von Grundbedürfnissen der Menschen wie sauberes Wasser, Elektrizität, Gesundheit und Bildung. Auch eine zivilgesellschaftliche Bewegung der Selbstorganisation bildete sich. Seine Hoffnung auf eine positive Entwicklung des Landes will Dr. Asadi trotz der aktuellen Rückschläge durch die IS-Angriffe nicht aufgeben. Er setze darauf, dass dem IS aufgrund fehlenden Nachschubs früher oder später die Munition ausgehe. Im Gegensatz zum Baath-Regime sei die Terrorgruppe ein Fremdkörper in der Region und verliere ihren Rückhalt in der sunnitischen Bevölkerung. Frau Dr. Mlodoch ergänzte hierzu: Die Unterstützung von Sunniten konnte die IS-Terrorgruppe nur gewinnen, indem sie deren Marginalisierung unter der schiitischen Maliki-Regierung ausnutzte. Für eine Lösung des Konflikts sei es daher wesentlich, der sunnitischen Bevölkerung eine Perspektive aufzuzeigen und Partizipation zu ermöglichen. Momentan stellt die Flüchtlingsproblematik die größte Herausforderung für die kurdische autonome Region dar. Neben einer halben Million syrischer Flüchtlinge sind es vor allem die knapp 1 Million irakischen Binnenflüchtlinge, die die einheimische Bevölkerung an die Grenzen ihrer Kapazitäten bringen. Die Situation in den südlichen Regionen wie in Khanaqin sei eine „humanitäre Katastrophe“, beklagt Dr. Mlodoch, betont jedoch gleichzeitig die unglaubliche Solidarität der einheimischen Bevölkerung. Wieder sind es also dramatische Flüchtlingsbiographien, die im kurdischen Nordirak geschrieben werden. Aktueller könnte der Film „Schildkröten können fliegen“ kaum sein. Es bleibt zu hoffen, dass er seine Brisanz bald wieder verliert. Beim Filmabend waren auch erstmals unsere neuen 14km-Stofftaschen erhältlich. Vielen Dank an Dr. Karin Mlodoch und Dr. Awat Asadi für die Mitwirkung an diesem Abend und die interessanten Hintergrundinformationen zur Geschichte und aktuellen Situation der Kurden im Nordirak. Hintergrundinfos zum Film: Filmheft "Schildkröten können fliegen" der BpB Informationen zur politischen Bildung "Naher Osten" Produktionsgesellschaft "Schildkröten können fliegen" Verleihkatalog kurdischer Filme in Deutschland Veranstaltungsleitung und Moderation: Carolin Bannorth Koordination vor Ort: Steffen Benzler Text: Susanne Kappe Fotos: Helena Burgrova Organisation und Planung: Andreas Fricke Programm: das ehrenamtliche 14km Film Team Die 14km Film- und Diskussionsreihe wird 2015 mit Haushaltsmitteln des Landes Berlin – Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit – gefördert. Thema des nächsten Film- und Diskussionsabends am 26. August wird das Land Jemen sein. Weitere Film- und Diskussionsabende sind an folgenden Terminen in Planung: 16. September / 07. Oktober / 28. Oktober / 18. November / 9. Dezember Wir bedanken uns für die Unterstützung:    


Blick in die Jugendförderung in Jordanien – Ameli berichtet über ihr Praktikum beim Shabab al-Ghad Center in Aqaba

Blick von Eilat (Israel) auf Aqaba Von Anfang März bis Anfang April habe ich ein Praktikum beim Shabab Al-Ghad Center in Aqaba in Jordanien gemacht. Das Shabab Al-Ghad Center ist eine kleine Organisation, deren Ziele die Förderung junger Leute und die Entwicklung der Zivilgesellschaft sind. Dazu werden unterschiedliche Projekte durchgeführt, Workshops und Diskussionsveranstaltungen organisiert, wobei das Shabab Al-Ghad Center eng mit anderen Organisationen kooperiert. Ein Großteil der Arbeit wird von ehrenamtlichen Freiwilligen übernommen, die mich sehr nett aufgenommen und gut integriert haben. Ich hatte die Möglichkeit den Arbeitsalltag in der Organisation kennenzulernen, der größtenteils aus der Programmzusammenstellung und Organisation der Veranstaltungen besteht. Die Freiwilligen leiten dabei teilweise selbst Workshops, teilweise helfen sie bei der Durchführung der einzelnen Planungsschritte, wie zum Beispiel dem Organisieren von Räumlichkeiten für eine große Konferenz. Zur Zeit meines Aufenthalts ging es vor allem um die Organisation einer großen Konferenz zum Thema Parteien und Gesetzgebung in Jordanien, die leider zweimal verschoben wurde und dann stattfand, als mein Praktikum bereits beendet war. Als Ort kamen vor allem die großen Hotels in Frage, die über die entsprechende Infrastruktur verfügen. Ebenfalls einen großen Anteil hat das Fundraising, zum einen durch das Aufbauen von Kooperationen mit örtlichen Unternehmen oder Stiftungen, zum anderen aber auch durch das Beantragen von Geldern aus internationalen Organisationen. Ich selbst habe zweimal die anderen Freiwilligen zu Meetings mit potenziellen Unterstützern begleitet, einmal mit einer anderen Organisation, einmal mit einem örtlichen Unternehmen. Die Organisation versucht außerdem stetig neue Freiwillige anzuwerben. Diese kommen dann zu einer Aufnahmeveranstaltung. Hier werden sie nochmals von Freiwilligen, die schon länger dabei sind informiert und füllen dann ein Formular aus – zum einen mit ihren persönlichen Angaben, zum anderen aber auch mit ihren eigenen Wünschen und Zielen. Einmal hatte ich die Möglichkeit bei so einer Aufnahmeveranstaltung dabei zu sein. Zweimal fand während meines Aufenthalts in Aqaba eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Drogen statt. Zuerst gab es einen Vortrag von drei Experten zur Einleitung, danach konnten die Teilnehmer selbst Fragen stellen und über mögliche Lösungen diskutieren. Außerdem organisierte das Shabab Al-Ghad Center einen Workshop der sich mit der Entwicklung von soft skills, Fähigkeiten mit Menschen zu arbeiten und Menschen zu führen beschäftigte. Unicef-Projekt Zusätzlich dazu bekam ich die Möglichkeit andere Organisationen kennenzulernen. Ich war zum einen bei der Jordan River Foundation für eine Woche, die auch in Aqaba gelegen ist. Ich bekam zunächst einen Überblick über die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder und Projekte der Organisation. Außerdem hatte ich die Möglichkeit an einem Workshop zum Thema "Misshandlung von Kindern" teilzunehmen, der immer vormittags stattfand, und nachmittags an einem Projekt von Unicef zur Integration der palästinensischen und syrischen Flüchtlingskindern. Außerdem habe ich die Dise Woman Cooperation besucht, eine Organisation, die im Wadi Rum liegt und versucht Beduinenfrauen zu unterstützen. Die Organisation gibt den Frauen die Möglichkeit durch das Herstellen von Keramiken selbst etwas zu ihrem Lebensunterhalt beizusteuern und die Abhängigkeit von den Männern dadurch zu reduzieren. Die Beduinenfrauen waren sehr freundlich und haben mir ihre Arbeit gezeigt. Gefördert wird die Dise Woman Cooperation unter anderem durch das amerikanische Hilfsprogramm USAid. Außerdem hatte ich die Gelegenheit die Organisation Markaz Shabab Al-Aqaba kennenzulernen, die sich vor allem um die Förderung von Kindern kümmert. Keramik aus der Dise Woman Cooperation Zweimal war ich außerdem bei Info-Veranstaltungen vom jordanischen roten Halbmond, bei denen es um die Vorstellung der Arbeit und Grundsätze des jordanischen roten Halbmonds ging. Der rote Halbmond arbeitet ebenfalls viel mit ehrenamtlichen Helfern. Einmal konnte ich an einem Basic Life Skill Training in der Universität teilnehmen und einmal an einer Konferenz zum Thema Frauenrechte in Jordanien. An letzterer nahmen auch einige hochrangige Politiker teil und es ging im Wesentlichen um die gesetzliche Regelung von Vergewaltigung in Jordanien. In Jordanien ist es so, dass ein Mann eine Bestrafung umgehen kann, indem er das Opfer heiratet. Die Veranstaltung zeigte, dass es im Bereich Frauenrechte noch Defizite gibt, es aber zum Glück auch viele Menschen gibt, die sich dieser Probleme bewusst sind und daran arbeiten. Alle Veranstaltungen, Besprechung und Workshops fanden auf Arabisch statt, sodass ich vor allem am Anfang Probleme hatte, aber glücklicherweise war immer jemand dabei, der Englisch konnte und für mich übersetzt hat. Bei Workshops gab es immer zu Beginn eine kurze Vorstellrunde bei der jeder seinen Namen und noch etwas anderes wie beispielsweise seine Lieblingsfrucht oder den schönsten Tag seines Lebens erzählen sollte. Das hat mir auf jeden Fall geholfen ein bisschen die Hemmungen abzulegen etwas auf Arabisch zu sagen, auch wenn es nicht hundertprozentig korrekt ist. Teilweise wurde ich auch nach meiner eigenen Meinung gefragt oder sollte die europäische Perspektive eines Themas erläutern. Trotzdem hatte ich nicht die Möglichkeit, mich so einzubringen wie ich es gehofft hatte, weil dafür einfach bessere Arabischkenntnisse – vor allem des lokalen Dialekts – nötig gewesen wären. Insgesamt habe ich die Zeit in Aqaba sehr genossen. Ich nehme sehr viele lehrreiche, positive Erfahrungen aus Jordanien mit. Einen entscheidenden Anteil daran haben die Menschen hier, die sehr gastfreundlich und herzlich sind, mich aber auch immer respektvoll behandelt haben. Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


„Eine gute Erfahrung“ – Simone über ihr Praktikum bei Maat for Peace, Development and Human Rights (Maat) in Kairo

Die Organisation Maat for Peace, Development and Human Rights (Maat) ist eine ägyptische Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Kairo, welche im Jahre 2005 von Ayman Okeil gegründet wurde. Maat beschäftigt derzeit rund 25 festangestellte Mitarbeiter*Innen und verfügt zudem über ein Netzwerk an Freiwilligen. Seit 2013 ist Maat zudem Head of Network der ägyptischen Sektion der Anna Lindh Foundation. Leitmotiv der Arbeit von Maat ist eine freie und gerechte Gesellschaft, welche sich Menschenrechten, sozialen, wirtschaftlichen sowie politischen Rechten, Rechtsstaatlichkeit und demokratischen Werten verpflichtet fühlt. Durch verschiedene Projekte, welche in Zusammenarbeit mit internationalen Gebern durchgeführt werden, versucht Maat zur Erreichung dieser Vorstellung beizutragen. Die Arbeit teilt sich dabei in vier Themenbereiche auf: Decentralization and Good Local Governance, Elections and Supporting Democracy, Social Peace and the Development of Marginalized Groups und International Mechanism to protect Human Rights. Das Praktikum Meine Praktikumsbetreuerin war Fatma Othman, die als Projektkoordinatorin für Maat tätig ist und mit der ich mir während des Praktikums auch ein Büro teilte. Des Weiteren saßen noch eine andere Mitarbeiterin, welche als Übersetzerin für Maat tätig ist und zwei weitere deutsche Praktikantinnen in dem Büro. Zu Beginn meines Praktikums wurde ich zudem dem Vorsitzenden von Maat und den anderen Mitarbeitern vorgestellt, allerdings hatte ich zu diesen während meines Praktikums kaum weiteren Kontakt. Dies lag vor allem an der Tatsache, dass abgesehen von meiner Betreuerin und einer anderen Mitarbeiterin keiner der Angestellten Englisch sprechen konnte und ich kein Arabisch spreche. Allerdings hatten auch die beiden anderen Praktikantinnen die Arabisch sprechen konnten, wenn auch nicht auf muttersprachlichem Niveau, keinen engeren Kontakt zu den anderen Arbeitsbereichen von Maat. Meine Tätigkeiten während des Praktikums fielen alle in den Bereich der internationalen Kooperation und hatten keinen direkten Bezug zur inhaltlichen Arbeit von Maat. In der ersten Woche war ich vor allem damit beschäftigt, mögliche internationale Geberorganisationen oder Kooperationspartner zu recherchieren. Dabei variierte entweder der nationale Hintergrund oder der Förderbereich der Organisationen. Auch wenn die Arbeit von entscheidender Bedeutung ist und ohne finanzielle Mittel keine Projekte durchgeführt werden können, empfand ich die Aufgabe auf Dauer etwas unspezifisch und endlos. In der zweiten Woche war ich vor allem damit beschäftigt der NGO die verschiedenen politischen Stiftungen in Deutschland und deren Verbindung zu den Parteien darzustellen. Auf Grundlager dieser Informationen will Maat versuchen Beziehungen mit ausgewählten Stiftungen aufzubauen. Zudem nahm ich an einer von Maat organisierten Konferenz teil, welche sich mit den Wahlen und dem damit zusammenhängendem Terror in Ägypten beschäftigte. In der dritten Woche hatte ich verschiedene kleinere Aufgaben zu erledigen, unter anderem war ich für das internationale Pressemonitoring zuständig, sollte wieder nach Förderpartnern recherchieren und ein kurzes Paper zu Transparency International schreiben. Zudem war ich auf einer Konferenz zur Armutssituation in Ägypten. In der vierten und fünften Woche wurde mir die Aufgabe übertragen selbstständig ein Projekt zu entwickeln, mit welchem sich Maat für eine Mittelausschreibung bewerben will. Das Projekt sollte dabei einen zeitlichen Rahmen von drei Monaten haben und neue Dialogmöglichkeiten schaffen. Diese Aufgabe war von der Anforderung her die anspruchsvollste meines Praktikums und auch die interessanteste. Auch wenn ich die mir übertragene Verantwortung schätze, wäre eine Einweisung hinsichtlich der Ausarbeitung eines solchen Antrags wünschenswert gewesen. Da jedoch keiner Zeit hatte mich einzuweisen, wurde ich mehr oder weniger ins „kalte Wasser“ geworfen. Da die Deadline für Projektanträge mit dem Ende meines Praktikums zusammenfiel konnte ich während meines Praktikums leider nicht mehr erfahren, ob das von mir entwickelte Projekt die Fördergelder erhalten hat. Insgesamt kann ich sagen, dass die Aufgaben mit fortschreitendem Praktikum durchaus zugenommen haben an Anspruch und Bedeutung. Allerdings bedauere ich, dass ich keine Möglichkeit hatte die anderen Bereiche von Maat kennenzulernen. Auf Grund der fehlenden Sprachkenntnisse auf beiden Seiten war dies leider unmöglich. Allerdings hatten auch die beiden anderen Praktikantinnen, die Arabisch sprechen können, keine Möglichkeit bekommen, die inhaltliche Arbeit von Maat besser kennenzulernen, weshalb es fraglich ist, ob sich die Arbeit bei Wegfall der Sprachbarrieren überhaupt verändert hätte. Auch wenn sich meine Betreuerin sehr intensiv um mich gekümmert hat, waren Rückmeldungen zu meinen Arbeiten doch eher sporadisch, was mit dem hohen Zeitdruck begründet wurde, der auf den Angestellten lasten würde. Leben in Ägypten In der Zeit meines Praktikums lebte ich in einer Dreier-WG in Downtown, nur ein paar Minuten vom berühmten Tahrir-Platz entfernt. In direkter Umgebung gab es mehrere Restaurants sowie kleinere Einkaufsmöglichkeiten. Essen gehen ist in Ägypten sehr billig, abwechslungsreich und auf Wunsch international möglich. Vor allem das Essen an den Straßenständen ist gesundheitlich jedoch ein "rotes Tuch"! Wer sich vegan ernähren will: es ist möglich, aber von der Vielfalt her durchaus eingeschränkt. Fortbewegungsmöglichkeiten sind in Kairo reichlich vorhanden und sehr billig. Neben Metro und Bussen sind auch Taxis als tägliches Transportmittel selbstverständlich, allerdings hab ich diese kaum benutzt da man vor allem mit der Metro billiger und auch schneller (Verkehrschaos!) ans Ziel kommt. Was die Sicherheit angeht habe ich mich in Kairo sicherer gefühlt als gedacht. Natürlich war man durchgehend Kommentaren von Männern auf der Straße ausgesetzt, jedoch hatte ich mich nie in einer Situation befunden in der ich mich durch diese Kommentare bedroht gefühlt habe. Man muss einfach versuchen, die Kommentare so gut wie möglich zu ignorieren. In der ersten Woche habe ich zudem einen Bombenalarm miterlebt, als außerhalb eines Parks, wo ich mich befand, eine Bombe gefunden wurde. Die Ägypter reagieren jedoch total entspannt, weshalb auch bei einem selbst keine wirkliche Panik aufkommt. Während meiner Zeit in Kairo hatte ich die Möglichkeit, die Stadt selbst sowie die nähere Umgebung besser kennenzulernen und habe zudem noch zwei Ausflüge unternommen. Im Nachhinein hätte ich gerne mehr Zeit gehabt, um noch ein wenig mehr vom Land zu sehen, da Ägypten sehr viele interessante und unterschiedliche Dinge bietet. Ich hatte mich vor Beginn meines Praktikums jedoch dagegen entschieden zum Reisen länger in Ägypten zu bleiben, da ich mir über die Sicherheitsbedingungen für Frauen unsicher war. Dies hat sich zwar als besser herausgestellt als erwartet, dennoch ist Ägypten nun kein Land, wo ich als Frau ohne Bedenken herumreisen würde, weswegen man zum Teil auf Touren angewiesen wäre, welche wiederrum teurer sind. Fazit Ägypten ist ein sehr interessantes, lebendiges und abwechslungsreiches Land, jedoch fällt es mir schwer Attribute wie „gut“ oder „schlecht“ zu benutzen, wenn ich meine Erfahrung hier beschreiben soll. Die Tatsache, dass ich wiederkommen würde, sollte als Aussage jedoch ausreichend sein. Bezüglich des Praktikums war es durchaus eine gute Erfahrung, jedoch würde ich ohne entsprechende Sprachkenntnisse kein derartiges Praktikum mehr machen, da mir vor allem Einblicke in die inhaltliche Arbeit gefehlt haben.   Die von uns wiedergegebenen Berichte von durch uns vermittelte Praktikant/innen spiegeln nicht notwendigerweise die Sichtweise von 14km e.V. oder unseren Partnern wider.


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